Smog-Alarm legte das Ruhrgebiet vor 40 Jahren still - nur Werne waren die Hände gebunden

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Gleich zwei große Smog-Alarme gab es in den vergangenen Jahrzehnten im Ruhrgebiet. Ein Plan sollte für Sicherheit sorgen - nur war Werne darin gar nicht vorgesehen.

Werne

, 17.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war das erste Mal, dass eine Dunstglocke über dem Ruhrgebiet für Aufsehen sorgte: Am 17. Januar 1979 wurde erstmals ein Smogalarm der Stufe eins ausgelöst. Das Radio unterbrach die Musik und eine Durchsage warnte die Bewohner des Ruhrgebiets, dass die Messstationen Luftwerte übermittelten, die gefährlich sein könnten.

Ein Schneesturm hüllte Werne zu dieser Zeit ein und beschäftigte die Menschen. Von stinkender Luft oder ähnlichem war keine Spur. Doch das sollte sich ganze sechs Jahre später beim nächsten Smog-Alarm ändern.

Menschen in Werne klagten über Kopfschmerzen und Husten

Mit Schals vor dem Gesicht liefen die Werner in der Stadt herum. Doch dieses Mal lag es nicht nur an der Kälte. Drei Tage herrschte im Ruhrgebiet Smog-Alarm der höchsten Stufe drei. Die Menschen in Werne klagten über Husten und Kopfschmerzen.

Smog-Alarm legte das Ruhrgebiet vor 40 Jahren still - nur Werne waren die Hände gebunden

In den Tiefgaragen leuchteten immer häufiger Warnschilder auf - allerdings nicht wegen des Smogs, sondern wegen der häufigeren Nutzung von Autos. © Philipp Watson (A)

Autos sollen stehen bleiben, Schulen bleiben geschlossen und die Schwerindustrie muss ihre Produktion einstellen. Überall werden Vorkehrungen getroffen. Nur in Werne tat sich an diesem Tag überhaupt nichts. Der Grund: Die Stadt an der Lippe war gar nicht im Alarmplan für Smog erfasst.

Umweltschützer klagten über „Vogel-Strauß-Mentalität“

Die Schadstoffwerte, so waren sich Experten sicher, waren in Werne genauso hoch wie in den umliegenden, vom Smog-Alarm betroffenen Städten. Nur gemessen, und damit erfasst, wurden sie in Werne nicht.

Umweltschützer nannten das die „Vogel-Strauß-Mentalität“: Den Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass nichts passiert. Die Ursachen hierfür lagen aber nicht bei der Stadtverwaltung, sondern bei der grundsätzlichen Erarbeitung des Smog-Alarm-Plans.

Stadtdirektor Heinz Austermann konnte nichts machen

Frühere Untersuchungen zeigten bereits, dass Werne im Schnittpunkt der Kraftwerke in Lünen, Bergkamen, Stockum und Hamm mit zu den stark luftbelasteten Gebieten zählte.

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Doch Stadtdirektor Heinz Austermann waren die Hände gebunden. Während draußen Menschen mit Schals als Mundschutz herumliefen, durfte die Stadt keine Maßnahmen wie die Einschränkung des Autoverkehrs anordnen.

Umweltfachmann: „Der Smog macht doch an der Stadtgrenze nicht halt“

Schon 1981 forderte die Stadt Werne eine Luftmessstation. CDU und SPD hatten die Resolution gemeinsam im Rat verabschiedet, doch zum Zeitpunkt des Alarms hatte das Land noch immer nicht darüber entschieden.

„Der Smog macht doch an der Stadtgrenze nicht halt“, sagte SPD-Umweltfachmann Werner Zühlke damals erstaunt. Die Debatte um eine Überarbeitung des Smog-Alarm-Plans war dabei entfacht.

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