So sah der Evenkamp vor etwa 55 Jahren aus

Evenkamp-Serie

Als Zugezogener wusste Ernst Lübke die Schönheit von Werne besonders zu schätzen: Für seine Aquarien-Freunde aus dem Verein "Skalare" fotografierte der einstige Hobby-Fischzüchter die Stadt vor etwa 55 Jahren vom Kirchturm St. Christophorus und vom Kohlebunker aus. Eine Auswahl der schönen Ansichten zeigen wir in einer Fotostrecke.

WERNE

, 05.11.2016, 04:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
So sah der Evenkamp vor etwa 55 Jahren aus

Ernst Lübke fotografierte auch vom Kohlebunker aus den Bergwerksbetrieb an der Kamener Straße.

70 Jahre lang hat Ernst Lübke (88) im Evenkamp gewohnt. Die Flucht führte den damals 18-Jährigen 1946 mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern Erika und Irmgard nach Werne. Die Familie kam aus dem Kreis Naugard hinter Pommern.

Zuerst wohnten sie am Eschenweg, dann wurde ihnen zwei Zimmer im Russenlager zugewiesen. Ernst Lübke suchte sich Arbeit und ging zum Sozialamt der Zeche Werne. „Ich hatte Glück. Da ich ein Junge war, konnten wir in Werne bleiben.“ Junge Männer wie ihn konnte man im Bergbau gebrauchen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Evenkamp-Serie: Das sind die historischen Fotos von Ernst Lübke

Er wollte seinen Aquarien-Freunden etwas Besonderes bieten: Ernst Lübke, Werner und einstiger Hobby-Fischzüchter, bestieg dazu in den 1960-er Jahren den St. Christophorus Kirchturm und machte Bilder von Werne aus der Luft. Die Bilder kamen zu seiner Sammlung von historischen Aufnahmen der Stadt und des Evenkamps hinzu. Hier gibt es eine Auswahl der verschiedenen Ansichten von Werne.
04.11.2016
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Vom Kirchturm aus hat Ernst Lübke in die Bonenstraße fotografiert.© Foto: Ernst Lübke
Die Moormannfabrik stand einst mittendrin in der Stadt.© Foto: Ernst Lübke
Ein Blick auf das alte Krankenhaus (l.)© Foto: Ernst Lübke
Das Kohlekarussell in der Zeche Werne.© Foto: Ernst Lübke
Der Sandbagger an der Lippe.© Foto: Ernst Lübke
Mit 18 Jahren kam Ernst Lübke nach Werne.© Foto: Ernst Lübke
Ernst Lübke konnte einen Teil seiner Glockensammlung aus dem Evenkamp mit ins Altenheim nehmen.© Foto: Helga Felgenträger
Rundblick über den Bergwerksbetrieb mit Blick in die Stadt.© Foto: Ernst Lübke
Ein Blick auf die Hüsingstraße mit Köttersbergschule (l.).© Foto: Ernst Lübke
So sah das Zechenhaus vor der Privatisierung und Sanierung aus.© Foto: Ernst Lübke
70 Jahre lang hat Ernst Lübke im Evenkamp gelebt.© Foto: Ernst Lübke
Die Gleisanlagen mit Blick auf die Lippestraße.© Foto: Ernst Lübke
Ein Blick in den Sommergarten.© Foto: Ernst Lübke
Auch vom Kohlebunker aus hat Ernst Lübke fotografiert.© Foto: Ernst Lübke
Vom Kirchturm St. Christophorus aus: Kloster im Vordergrund und Zeche Werne dahinter.© Foto: Ernst Lübke
Auch dieses Bild hat Ernst Lübke aus dem Kirchturm von St. Christophorus gemacht. Das langgezogene Gebäude mit den Pultdächern zeigt die ehemalige Kleiderfabrik Plutte, in die später der Kaufpark eingezogen ist. Im Hintergrund die St. Konrad-Kirche. Vorne links die Schulstraße.© Foto: Ernst Lübke
Das Lippewehr mit den Sand-Baggerarbeiten im Hintergrund.© Foto: Ernst Lübke
Ernst Lübke fotografierte auch vom Kohlebunker aus den Bergwerksbetrieb an der Kamener Straße.© Foto: Ernst Lübke
Blick in den Förderturm der Zeche Werne.© Foto: Ernst Lübke
Der Werner Bergbaubetrieb mit Blick auf die Stockumer Straße im Hintergrund.© Foto: Ernst Lübke
Der Förderturm.© Foto: Ernst Lübke
Rundblick über den Bergwerksbetrieb mit Blick in die Stadt.© Foto: Ernst Lübke
Rundblick über den Bergwerksbetrieb mit Blick in die Stadt.© Foto: Ernst Lübke
Seine Zündapp hegte und pflegte er.© Foto: Ernst Lübke
Schlagworte Werne

36 Jahre arbeitete er unter Tage, zuerst in Werne, dann im Schacht 4 in Stockum und bis 1982 in Herringen im Schacht Franz. „Da ich so dünn war, arbeitete ich als Schlepper im Förderbetrieb.“ Die Anfangsjahre waren hart. „Beim nächsten Mal bringst du aber einen Helm mit“, sagten die Kumpels. „Aber wir waren Vertriebene und hatten kein Geld.“ Später bekam er dann Arbeitskleidung.

Ihm gehört das Haus mit der goldenen Scheibe

1959 zog er mit seiner Mutter an die Lippestraße in den Schlesier Hof, Lippestraße 84a. 1976 kaufte er das Haus und baute es großzügig um. „Es ist das Haus mit der goldenen Scheibe“, sagt er und lacht. Die Leute standen davor und konnten nicht reinschauen.

Aus gesundheitlichen Gründen musste er im Januar sein Haus verlassen und ins Altenheim St. Katharina ziehen. Viel konnte er von seinem Hausstand nicht mitnehmen, aber zumindest eine Auswahl seiner Glocken-Sammlung ist ihm geblieben. „Der Hausmeister war so nett und hat mir einige auf dem Balkon aufgehängt.“

Erinnerungen gesucht

Es gibt kaum einen Stadtteil in Werne, in dem die Menschen mit so viel Herzblut über alte Zeiten sprechen. Die Evenkämper waren stolz auf ihren Bezirk. Wir möchten die alten Zeiten wieder aufleben lassen und freuen uns, wenn Sie uns Ihre Geschichte erzählen und uns alte Fotos zur Verfügung stellen.

Schreiben Sie eine E-Mail an Helga.Felgentraeger@mdhl.de oder rufen Sie uns an unter Tel. (02389) 98 29 10.

Die Evenkamp-Serie
Die Kolonie im Evenkamp: Als der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein (Osnabrück) 1911 die Zechensiedlung baute, nahm die Bevölkerung in der alten Bauerschaft explosionsartig zu. Aufgrund der Einwanderungswelle der Bergarbeiter entwickelte sich eine Infrastruktur – um die die jetzigen Evenkämper die früheren Bewohner heute noch beneiden.

Mit dem jüngsten Abriss der 100 Jahre alten Weihbachschule an der Stockumer Straße ist wieder ein Stück Evenkamp verloren gegangen. Aus diesem Anlass blicken wir auf die Geschichte der einstigen Kolonie zurück und stellen in loser Reihenfolge Zeitzeugen der Bergarbeitersiedlung vor.

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