So tickt Wernes Löwenkönig Marius Przybilla

Sommerinterview mit Schauspiel-Talent

Zwei Drittel seines Lebens hat er bislang mehr oder weniger in der Werner Freilichtbühne im Stadtpark verbracht – dabei ist er gerade mal 18 Jahre jung. In unserem ausführlichen Interview erzählt Marius Przybilla, wie Jugendliche das Leben in Werne sehen und warum ihn das Solebad nicht interessiert.

Werne

, 01.08.2015 / Lesedauer: 3 min

Marius, seit 2002 bist du bei der Freilichtbühne. Was macht diese Werner Institution besonders?

Als Kind bin ich dahin- und nicht mehr weggekommen. Das ist ein großer Teil meines bislang kurzen Lebens. Ich war früher mal in einem Fußballverein. Aber die Bühne ist ganz anders. Jeder geht mit jedem gleich um. Bei der Bühne kommen aus allen Schichten Leute zusammen, die im normalen Leben wohl nichts miteinander zu tun hätten.

Im Moment vertrittst du den Vorsitzenden als Ansager. Eine große Verantwortung.

Die Freilichtbühne ist ein Aushängeschild für Werne. Ich führe auch Regie bei „Simba der Löwenkönig“. Wenn man sich überlegt, wie viele Leute sich das angucken, ist das schon eine Verantwortung. Dieses Jahr hatten wir die Veranstaltung mit den meisten Besuchern seit Bestehen – 1400 waren da. Da sind wir selbst manchmal erstaunt.

Wie sieht die Zukunft der Freilichtbühne aus?

Das ist gerade ein großes Thema, ich darf da aber nicht viel verraten. Wir spielen ja hauptsächlich Kinderstücke, doch wir können uns auch gut vorstellen, dass ein anderes Publikum mal angesprochen wird. Bei neuen Sachen gibt es aber auch immer ein großes Risiko.

Du hast diesen Sommer Abitur gemacht. Wie war das mit dem Theater vereinbar?

Die Freilichtbühne nimmt extrem viel Zeit ein. Wenn man ein Einser-Abi will, ist das vielleicht schwierig. Aber das wollte ich nie. Ich suche grad einen Job im Bereich des Theaters, eine Theaterpädagogik-Ausbildung in Hamm ist geplant.

Viel Zeit hast du auch in die Politik gesteckt. Du warst Kreispressesprecher der Jungen Union.

Da war ich, ja, aber mittlerweile nicht mehr. Da kam mir zu wenig bei rum. Meistens ging es um Themen, die mich nicht interessiert haben. Ob irgendwo eine neue Sitzbank gebaut wird, zum Beispiel.

Ist die Jugend so politisch frustriert, wie man sagt?

Ich wüsste nicht, wen und warum ich wählen würde. Die Themen sind groß, wie etwa das Solebad: Natürlich tut das Bad der Stadt gut. Ich war in den letzten Jahren aber nicht mehr da. Oder in Werne werden zum Beispiel in einer Tour - Altenheime gebaut – was geht mich das an?

Und wo bleibt der politisch interessierte Nachwuchs?

Die, die man haben möchte, bekommt man nicht. Wir haben in der Partei viele Partys gemacht, um Mitglieder zu gewinnen. Aber was bringen einem Mitglieder, die man mit Bier gewinnt, die sich aber nicht interessieren? Eigentlich ging es nur um Werbung. Da hab ich mir überlegt, ob ich meine Arbeit wirklich da reinstecken will. Angela Merkel hat letztens dieses Interview mit einem Youtube-Star gemacht. Ich kannte die Videos des Typen überhaupt nicht. Die Älteren denken aber, so könnte man Jugendliche erreichen. Doch es ist überhaupt nicht so.

Wie steht es denn in Werne um Kultur für Jüngere?

Die Freilichtbühne würde ich ganz oben sehen. Werne ist bestimmt attraktiv für Senioren und für Kinder. Dazwischen ist es aber mit Kultur etwas schwierig. Ich finde, leben kann man hier sehr gut. Um etwas zu erleben, muss man aber über die Stadtgrenzen hinausschauen.

Aber man lässt sich ja etwas einfallen, wie die Veranstaltungsreihe „Donnerstags in Werne“.

Ich hab wohl davon gehört, aber nichts wirklich mitbekommen. Zur jungen Generation fehlt wohl in vielen Bereichen die Kommunikation.

Was wünschst du dir hier?

Der Großteil meiner Generation sagt: „Bloß schnell weg.“ Hier ist einfach nicht viel los. Beliebter sind Städte, in denen man jeden Abend Party machen kann. Ich hab aber auf jeden Fall nicht vor, in naher Zukunft wegzuziehen. Mir gefällt es hier.

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