Junge Familien

So viele Ausbildungsstellen frei im Kreis Unna wie nie: „Es sind noch hunderte Chancen vorhanden“

Im Kreis Unna gibt es in diesem Jahr so viele freie Ausbildungsstellen wie noch nie zuvor. Das Verhältnis Azubi und Stelle liegt knapp bei 1:1. Schuld daran ist nicht zuletzt die Corona-Krise.
Im Kreis Unna gibt es so viele freie Ausbildungsstellen, wie noch nie zuvor um die Zeit. © Bruce Mars - Unsplash

Anfang August sowie September sind zahlreiche Jugendliche in ihre Ausbildung gestartet. Dennoch sind viele weitere im Kreis Unna noch auf der Suche nach der passenden Ausbildung. Laut Ulrich Brauer, Pressesprecher der Agentur für Arbeit, ist das aber kein Grund, in Verzweiflung zu geraten: „Es sind noch hunderte Chancen vorhanden“, sagt er. Besonders viele Ausbildungsstellen seien in den Berufsfeldern verarbeitendes Gewerbe wie Metallwarenhersteller, Metallerzeugung und -bearbeitung sowie in der Logistik und im Einzelhandel frei.

Bewerbungsfrist aus Corona-Gründen verschoben

So lange, wie die Ausbildungsbetriebe ihre Stellen offen halten, sind Bewerbungen „nicht nur möglich, sondern ratsam“, so Brauer. Das könne im Einzelfall bis zu mehreren Monaten nach dem regulären Ausbildungsbeginn sein. „Nie gab es so spät im Jahr noch so viele unbesetzte Ausbildungsstellen“, führt er fort.

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Das Verhältnis Azubi und Ausbildungsplatz liegt knapp bei eins zu eins. Ende August habe es noch 459 unversorgte Bewerber und 441 unbesetzte Ausbildungsstellen im Kreis Unna gegeben. Jedoch gehe diese Rechnung aufgrund der Passungsprobleme nur auf dem Papier auf.

Der Ausbildungsmarkt hinsichtlich der Bewerbungsfrist habe sich teils um mehrere Monate verschoben. Grund dafür sei die Corona-Krise, so Brauer: „Komplette Verunsicherung bei den Jugendlichen, keine Präsenzmessen, kaum Praktikumsmöglichkeiten.“ Zudem hätte sich für junge Erwachsenen lange Zeit keine Möglichkeit geboten, Berufsorientierung an Schulen oder generell im persönlichen Kontakt wahrzunehmen.

Des Weiteren habe das Zögern auf Seiten der Unternehmen, die Rückgänge bei den Bewerbern wie auch bei den Ausbildungsangeboten insgesamt dazu geführt, dass Ausbildungsverträge einen erheblichen Zeitverzug erlitten.

Viele vorhandene Berufe sind unbekannt für Jugendliche

Für wenige junge Erwachsene kommen Ausbildungen zum Koch, Bäcker und Nahrungsmittelverkäufer infrage. Auch Teile des Handwerks sind heutzutage weitestgehend unerwünscht. Im Gegensatz dazu seien Ausbildungen zum Industriekaufmann, Bankkaufmann sowie sämtliche Ausbildungsberufe im öffentlichen Dienst schnell vergeben gewesen. „Begehrt waren darüber hinaus auch noch der Fachinformatiker/in und der/die Kaufmann/frau für Büromanagement“, so Brauer.

Laut Ulrich Brauer stelle es sich als Schwierigkeit heraus, dass einige Ausbildungsstellen durchaus attraktiv und andere dafür unbeliebt bei Jugendlichen sind. „Besonderes Problem ist aber, dass viele vorhandene Berufe bei den Jugendlichen unbekannt sind und auch auf Hinweis nicht erwogen werden.“

Die Kompatibilität zwischen den Bewerben und Arbeitgebern habe sich nicht verbessert. Die Passungsprobleme seien nach wie vor enorm. „Außerdem dauert es wegen der allgemeinen Verunsicherung länger“, erklärt er.

„Es ist fünf vor zwölf, aber eben noch nicht zu spät!“

Ulrich Brauer gibt denjenigen Tipps, die sich für eine Ausbildungsstelle im Kreis Unna interessieren. „Sich jetzt noch für eine Ausbildung 2021 zu bewerben lohnt sich auf jeden Fall“, sagt er. Schließlich würden in vielen Branchen Bewerber fehlen und es stünden noch reichlich freie Ausbildungsplätze zur Verfügung. „Der Fachkräftemangel ist bereits jetzt schon spürbar.“

Dennoch gilt, zum momentanen Zeitpunkt keine Zeit mehr zu verlieren und Kontakt zu den Betrieben aufzunehmen, gegebenenfalls im Vorfeld bereits telefonisch. „Es ist fünf vor zwölf, aber eben noch nicht zu spät“, sagt Brauer. Wer noch Unterstützung benötigt, könne sich in der Berufsberatung unter Tel. (02303) 2807 111 oder per Mail kreis-unna.berufsberatung@arbeitsagentur.de melden.

Laut Brauer sollten die Interessenten bei ihren Bewerbungen die Vorgaben des Ausbildungsbetriebes beachten: „Keinen Brief schicken, wenn die Bewerbung per Mail gewünscht ist, wichtige Anlagen beifügen.“ Im Anschreiben sollten auch ungewöhnliche Formulierungen verwendet werden, um die Motivation für einen Beruf beziehungsweise einen Arbeitgeber herauszustellen. Zudem sollten „langweilige Standardfloskeln“ und „formale Fehler“ vermieden werden.

Diejenigen, die Interesse an einem Bewerbungscoaching haben, können sich an die Agentur für Arbeit wenden. Die hilft dabei, entsprechende Angebote zu vermitteln. Zum Teil übernehme die Agentur für Arbeit auch die Kosten für einen Bewerbungscoach.