So wurde eine Wernerin Oma von zwei Flüchtlingen

Familie aus Syrien aufgenommen

Roya (4) und Jaafar (7) nennen Susanne Winkler einfach nur "Oma". Anderthalb Jahre lang lebten die beiden mit ihren Eltern nach der Flucht aus Syrien bei der Werner Familie. Es war anstrengend, doch im Gegenzug gab es viel Dankbarkeit und Herzenswärme. Auch heute noch verbindet die beiden Familien viel.

WERNE

, 05.08.2017, 07:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Seit Juni hat die Familie Debes aus Aleppo eine eigene Wohnung: (v.l.) Jaafar (7), Susanne Winkler, Roya (4), Havin und Rizan Debes. Für die Kinder ist Susanne die Oma. Sie hatte der Familie bei der Integration in Deutschland sehr geholfen.

Seit Juni hat die Familie Debes aus Aleppo eine eigene Wohnung: (v.l.) Jaafar (7), Susanne Winkler, Roya (4), Havin und Rizan Debes. Für die Kinder ist Susanne die Oma. Sie hatte der Familie bei der Integration in Deutschland sehr geholfen.

Die Freude war groß, als Familie Debes mit den beiden Kindern Roya (4) und Jaafar (7) im Juni eine eigene Wohnung im Thünen beziehen konnte. Zuvor lebten sie für knapp anderthalb Jahre in einer Obergeschosswohnung der Familie Winkler aus Werne. Anstrengend war es wohl für beide Seiten - aber die Zeit möchte niemand von ihnen missen.

77 Quadratmeter groß ist die neue Wohnung. In Aleppo hatten sie 65 Quadratmeter. Die Stadt übernimmt einen Quadratmeterpreis von 4,50 Euro und für die Möbel stand ihnen 2600 Euro zur Verfügung. Davon lässt sich schon eine Wohnung einrichten, wie sie feststellten.

Im Wohnzimmer stehen eine Couchgarnitur, eine Schrankwand und ein großer Fernseher. Die neue Küche ist aufgebaut und die beiden Kinderzimmer sind auch fertig. Eine große Ornament-Tapete hängt hinter der Schrankwand, auf dem Fußboden liegt ein neuer Boden. Die Renovierung hat die Familie selbst übernommen.

Geschmackvoll eingerichtet

Bewundernde Blicke wirft Susanne Winkler (61) in das neue Heim ihrer Flüchtlingsfamilie, die sie anderthalb Jahre in ihrer Ferienwohnung betreut hat. „Geschmackvoll“, sagt sie und Rizan Debes (38) freut sich über die gute Beurteilung. „Wir sind glücklich in Deutschland“, sagt er in einem noch etwas gebrochenen Deutsch.

 

Im Oktober beendet er den Integrationskurs B1. Danach möchte er gerne als Küchenhelfer arbeiten. In Aleppo habe er zwar 20 Jahre als Schneider gearbeitet, doch auf eine Stelle als Schneider macht er sich keine Hoffnung. „Ich habe in Syrien sehr gut gekocht.“ Bei Festivitäten der Stadt ließen sich seine Falafel schon kosten.

Die Kinder tollen in der Wohnung umher, sie hüpfen auf den Schoß von Susanne Winkler – die sie nur noch „Oma“ nennen.

Die Familie ist dankbar

„Oma hat uns sehr geholfen“, sagt Ehefrau Havin (32). „Sie hat uns überall hin begleitet und oft bei der Übersetzung geholfen. Ohne sie hätten wir das alles nicht erreicht.“

Nun möchte die Familie, die eine Aufenthaltsgenehmigung von drei Jahren hat, gerne auf eigenen Füßen stehen. „Wir wollen arbeiten“, sagt die gelernte Bankkauffrau und könnte sich einen Job oder Praktikum im Kindergarten vorstellen. „Dann bin ich auch gezwungen, Deutsch zu sprechen.“ Ihre Kinder sind tagsüber versorgt.

Roya geht in die Kindertagesstätte Lütkeheide an der Ottostraße und Jaafar in die Uhlandschule mit offener Ganztagsbetreuung. „Nur, wenn wir Arbeit haben, können wir bleiben,“ hofft das Ehepaar auf eine Zukunft in Deutschland. Sie wollen nicht nach Syrien zurück.

Einfache Beweggründe

Im Oktober 2015, als sehr viele Flüchtlinge nach Werne kamen, nahm Familie Winkler die syrische Familie auf. Der Beweggrund war ein ganz einfacher: ihre Tochter hatte sie darum gebeten. "Sie gab Deutschkurse für Flüchtlinge und entdeckte dabei die vierköpfige Familie. Die Eltern mit ihren beiden Kindern wohnten in Containern, die überfüllt waren. Sie fragte uns, ob wir nicht die syrische Familie aufnehmen könnten", erzählt uns Susanne Winkler (61).

Ab dem Zeitpunkt des Einzugs gab es tägliche Berührungspunkte mit der Familie, berichtet sie. "Bevor sie das Haus verließen oder auch wenn sie nach Hause kamen, sind sie erst einmal bei uns vorbeigekommen und haben uns begrüßt. Wenn oben gekocht wurde, stand bei uns unten das Essen. Wenn das Fahrrad einen Platten hatte, riefen sie nach meinem Mann." 

Im Gegenzug viel Dankbarkeit

Es war anstrengend, da macht Susanne Winkler keinen Hehl raus. Doch im Gegenzug gab es viel Dankbarkeit und Herzenswärme zurück. "Wenn sie uns nicht so sympathisch gewesen wären, hätten wir das nicht machen können. Die Kinder hängen an uns." Und so kommt es, dass sie sich mindestens zwei mal die Woche sehen.

Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnte, noch einmal eine Familie aufzunehmen, hat sie eine eindeutige Antwort: "Im Grunde genommen schon, aber trotzdem müssten wir ablehnen. Wir sind inzwischen einfach zu alt dafür."

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