Gegen zwei Mitarbeiter aus der Viehsammelstelle der Firma Mecke in Werne wird seit Monaten ermittelt. Dem Verein Soko Tierschutz dauert das zu lange. Man befürchtet eine bewusste Hinhaltetaktik. © Soko Tierschutz
Tierquäler-Skandal in Werne

Soko Tierschutz frustriert über Ermittlungen: „Das hat ein Geschmäckle von Hinhaltetaktik“

Die Ermittlungen zum Mecke-Skandal in Werne laufen seit Monaten. Die Soko Tierschutz, die die Tierquälerei aufdeckte, ist frustriert, weil die Aufarbeitung so lange dauert. Man fürchtet eine bewusste Hinhaltetaktik.

Im Juli wird das, was der Verein Soko Tierschutz seit Wochen beobachtet hat, öffentlich: In der Viehsammelstelle der Firma Mecke kommt es zu Tierquälerei von seltener Brutalität. Daraufhin lässt der Kreis Unna die Viehsammelstelle und die Metzgerei schließen, verhängt zudem für Firmen-Chef Marko Mecke ein Berufsverbot. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter aufgenommen.

Bis heute arbeiten sich die Ermittler durch einen Berg von Hinweisen – vor allem durch das Videomaterial, das die Soko Tierschutz verdeckt in der Viehsammelstelle wochenlang aufgenommen hatte. Die Arbeit ist längst nicht abgeschlossen, sagte Börge Klepping von der Staatsanwaltschaft Dortmund jüngst im Gespräch mit dieser Redaktion. Dass die Aufarbeitung so lange dauert, sorgt für Unverständnis beim Verein Soko Tierschutz.

Milde Strafen im Mecke-Skandal befürchtet

„Wenn wir das Material sorgfältig auswerten können in zwei Wochen, müsste das auch bei der Staatsanwaltschaft möglich sein. Aber das Ganze hat ein Geschmäckle von Hinhaltetaktik“, erklärte Friedrich Mülln, Vorsitzender des Tierschutz-Vereins. Man werde zudem nicht weiter involviert, moniert er. „Das haben wir auch in anderen Fällen schon gesehen. Es ist sehr frustrierend, dass sich die Staatsanwaltschaften in ihr Schneckenhaus zurückziehen.“

Je länger die Ermittlungen dauern, umso glimpflicher könnten die Täter davon kommen, befürchtet Mülln. „Sie könnten wegen milderer Umstände nicht so verurteilt werden, wie sie es eigentlich verdient hätten.“ Es ist zu erwarten, dass gegen die beiden Hauptbeschuldigten – wenn überhaupt – höchstens eine Geldstrafe verhängt wird.

„Aus meiner Erfahrung in der Rechtssprechung könnte es eine Geldstrafe von maximal 5000 Euro für den Haupttäter geben“, prognostiziert Mülln. Dieser hatte brutal auf die Tiere in der Viehsammelstelle eingeschlagen. Gegen den anderen Täter, der Tierschutzbeauftragte der Firma Mecke, könne nach Sicht von Mülln eine noch geringere Geldstrafe verhängt werden.

„Er ist als Tierschutzbeauftragter für alles verantwortlich, was in dem Betrieb passiert ist. Theoretisch müsste man ihn ganz hart bestrafen. Das kommt aber sehr selten vor.“ Mülln rechnet eher damit, dass der Mitarbeiter, der oft „nur“ bei der Quälerei zugesehen hat, aber selbst auch Elektroschocker bei Schweinen eingesetzt hat, mit einer Strafe von rund 2000 Euro davon kommen könnte.

Die möglichen Strafbefehle gegen die beiden Hauptbeschuldigten, die aufgrund des Videomaterials als Täter identifizierbar sind, könnten die Männer ohne großes Aufsehen erreichen. Bei 98 Prozent der Urteile rund um Verstöße gegen den Tierschutz werde die Öffentlichkeit ausgesperrt, berichtet Friedrich Mülln, der sich seit mehr als 27 Jahren für den Tierschutz engagiert. Auch im Mecke-Skandal glaubt er nicht daran, dass es einen öffentlichen Prozess geben wird. Und wenn, dann wohl nicht vor 2023, schätzt Mülln ein.

Weil sich die Ermittlungen rund um Skandale wie bei Mecke in Werne hinziehen, wollte der Verein Soko Tierschutz den Druck auf die Fleischindustrie selbst erhöhen. Mit einer sogenannten „schwarzen Liste“ möchte der Verein die Namen der Firmen veröffentlichen, die sich auf den Transport für nicht mehr transportierfähige Tiere für Krankschlachtungen spezialisiert haben.

Eigentlich wollten die Verantwortlichen diese Liste, auf der wohl auch der Hauptlieferant von Mecke, die Viehhandlung Hunecke aus Westerkappeln, stehen wird, bereits Ende September veröffentlichen. Doch auch hier spielen die Behörden eine Rolle. Man warte derzeit nur noch auf eine Bestätigung der Gerichte und Staatsanwaltschaften zu rechtskräftigen Urteilen gegenüber Firmen. Eine Mitarbeiterin kümmert sich laut Mülln täglich ausschließlich darum, bei den Behörden nachzufragen. Die Liste mit etwa 10 bis 12 Firmennamen soll spätestens im Dezember ans Tageslicht kommen.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek