Solebad wird teurer - Werner Politiker sind sauer

Neubau kostet mehr

Manche resignierten, andere waren richtig verärgert - kalt ließ die Kostensteigerung des Solebad-Neubaus niemanden, als Wernes Politiker das Thema im zuständigen Ausschuss diskutierten. Rund 390.000 Euro soll das Bad mehr kosten als geplant. Die Politik ist unzufrieden.

WERNE

, 21.06.2017, 16:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Solebad wird teurer - Werner Politiker sind sauer

Die Bauarbeiten an dem Solebad-Neubau in Werne laufen bereits seit Monaten. 16,3 Millionen Euro waren für das Projekt eingeplant, doch schon jetzt zeigt sich: Der Neubau wird teurer.

„Das hat uns furchtbar geärgert“, sagte Claudia Lange von der FDP nach der Vorstellung der Zahlen im Bad-Ausschuss, der am Dienstag  (20. Juni) tagte. Die Kostensteigerung um rund 390.000 Euro „hat unsere Fraktion schwer erzürnt“, schlug Dr. Eberhard Stroben von den Grünen in dieselbe Kerbe. „Was sollen wir denn tun? Aufhören zu bauen?“, war die Antwort von SPD-Vertreter Prof. Andreas Heineke.

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Höhere Preise für Material und Löhne

Bereits im Vorfeld der Sitzung am Dienstagabend (20. Mai) hatte die Verwaltung Politik und Öffentlichkeit über die Kostenexplosion in der dritten Ausschreibungsphase informiert. Das Projekt-Beratungsbüro Constrata lieferte der Politik konkrete Zahlen und Begründungen für den Anstieg.

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Die Baustelle für das Werner Solebad im Mai 2017

Jeden ersten Freitag im Monat laden die Verantwortlichen des Solebades um 10 Uhr zum „Bauzaungeflüster“ ein. Zum zweiten Termin fanden sich rund 20 Interessierten, die einen exklusiven Einblick in die Baustelle erhielten. Wir haben beim Flüstern ganz genau hingehört.
08.05.2017
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Jeden ersten Freitag im Monat um 10 Uhr heißt es auf der Baustelle des Solebades "Bauzaungeflüster". Wer möchte, kann sich dann Informationen über den Stand der Arbeiten an Wernes Aushängeschild einholen - in diesem Fall durch Badleiter Jürgen Thöne (3.v.r.)© Foto: Daniel Claeßen
Dabei stellte Thöne auch den Polier Wilhelm Memering von der Firma Lühnbau vor. Das Unternehmen will bis Ende des Jahres den Rohbau hochziehen.© Foto: Daniel Claeßen
Überwacht wird die 15-Millionen-Euro-Baustelle von Sven Stratmann, Bauleiter für das Architekturbüro Geising und Böker.© Foto: Daniel Claeßen
Gute Laune herrschte bei den Zaungästen - kein Wunder, denn der Badleiter hatte gute Neuigkeiten zu verkünden: 62 Prozent der Leistungen sind bereits ausgeschrieben, das neue Bad liegt im Kosten- und Zeitplan.© Foto: Daniel Claeßen
Die Gruben und ihre Folienwände lassen bereits die Lage der neuen Becken erahnen. Die Folie am rechten hinteren Rand markiert den zukünftigen Ausschwimmkanal, von wo aus Badegäste aus dem Gebäude ins Freie schwimmen können.© Foto: Daniel Claeßen
Anhand des Lageplans erläutert Thöne den Gästen, was in Zukunft wo errichtet wird. So steht die Besuchergruppe in diesem Moment in etwa dort, wo sich ab 2019 die Umkleidekabinen befinden.© Foto: Daniel Claeßen
Auch auf Fragen der Gäste geht der Badleiter bei Bauzaungeflüster ein. Wobei Flüstern angesichts der lauten Baugeräusche keine gute Idee wäre.© Foto: Daniel Claeßen
Ein Blick auf das künftige Sport- und Sprungbecken. Im Hintergrund ist Dämmaterial gestapelt. Das wird zwar jetzt noch nicht benötigt, war aber gerade günstig zu bekommen, weshalb die Baufirma sofort zuschlug.© Foto: Daniel Claeßen
Der Kran bekommt demnächst Gesellschaft: Ein zweites, rund 30 Meter hohes Gerät wird auf der Anhöhe platziert. Dazu wird in dem ausgesparten Quadrat links im Bild ein eigenes Fundament gegossen.© Foto: Daniel Claeßen
Bis Ende des Jahres soll der Rohbau stehen, danach geht es nahtlos mit dem Innenausbau weiter. Badleiter Thöne ist überzeugt, dass die Eröffnung des neuen Solebades im Frühjahr 2019 wie geplant stattfinden kann.© Foto: Daniel Claeßen
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Vor allem zwei Gewerke, Holz- und Fliesenbau, seien als Preistreiber in der jüngsten Ausschreibung aufgefallen. „Das prüfen wir allerdings noch“, sagt Frank Grünken von der Betriebsleitung. Die Frage ist, ob man die Firmen drücken kann.

Folgt man den Ausführungen von Projektmanager Heinrich Brinkhus, bestehen wenig Chancen. „Die Baukonjunktur brummt. Das schlägt sich in höheren Preisen für Material und Löhnen nieder“, sagt er. Und zwar in solchem Ausmaß, „dass es für Architekten immer schwieriger ist, seriös zu kalkulieren".

Einsparpotenzial bereits eingerechnet

Nach der Hiobsbotschaft aus der Ausschreibung „haben wir uns zusammengesetzt und rund 100.000 Euro Einsparpotenzial ohne Qualitätsverlust herausgefiltert“, sagt Daniela Kersting vom Projektsteuerer Constrata. Dennoch blieben 390.000 Euro Steigerung übrig.

Ob es dabei bleibt, scheint ungewiss. Bei weiteren unliebsamen Überraschungen stünden harte Schnitte bevor: Im Gespräch sind dann der Verzicht auf Kiosk, Wasserspielgarten und Planschbecken im Außenbereich. Die Grünen kündigten bereits harten Widerstand an und auch die anderen Fraktionen zeigten sich über diese Perspektive nicht gerade glücklich. Jürgen Regener von der CDU: „Keine Kompromisse bei der Qualität.“

 

Unser Redakteur Jörg Heckenkamp kommentiert die Kostensteigerung des Solebad Werne:

Es läuft auf höhere Verschuldung hinaus

Zwei Zitate aus der Polit-Debatte verweisen auf das Dilemma der Zukunft: „Keine Kompromisse bei der Qualität“ und die rhetorische Frage: „Sollen wir jetzt einfach aufhören?“

Mit anderen Worten: Künftige Kostensteigerungen – und die sind so sicher wie das Amen in der Kirche – fängt die Stadt durch eine Erhöhung des Budgets ab: also durch eine höhere Verschuldung. Denn der eh geringe Finanzpuffer ist nahezu aufgezehrt, Sparpotenziale ausgeschöpft.

Trotz größter Ausgabendisziplin – die möchte ich den Verantwortlichen nicht absprechen – klettert schon jetzt das kalkulierte Budget von 16,3 auf rund 16,7. Die politisch gezogene Obergrenze von 17 Millionen Euro ist damit noch nicht gerissen, aber in Sichtweite.

Wer je selbst gebaut hat, kann sich zu diesem frühen Zeitpunkt des Bad-Neubaus selbst ausmalen, was noch alles die Bilanz belasten kann.

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