Sollen Kameras die Werner Innenstadt überwachen?

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Clemens Overmann ist Inhaber des gleichnamigen Lebensmittelladens an der Steinstraße in Werne, außerdem Besitzer des Hauses Markt 5. Er engagiert sich bei Amnesty International und setzt sich für Menschenrechte ein. Was muss passieren, dass so ein Mann plötzlich eine Videoüberwachung des öffentlichen Raumes fordert?

WERNE

, 10.06.2017, 02:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Sollen Kameras die Werner Innenstadt überwachen?

Können Videokameras die Sicherheit in Werne erhöhen?

Während an der Steinstraße ein Versuch bei Blumen Risse scheiterte, drangen Einbrecher in der Nacht zu Freitag in den Eine-Welt-Laden am Markt 5 ein. Sie ließen laut Polizei diversen Schmuck und einen geringen Bargeldbetrag aus der Kaffeekasse mitgehen. Um Zutritt zum Ladenlokal zu erhalten, schlugen sie die Scheibe der Vordertür ein. „Mittlerweile die 18. Scheibe, die ich in 40 Jahren ersetzen muss“, sagt Clemens Overmann. Der Einbruch allein bringt den Hausbesitzer nicht auf die Palme. Er fungiert viel mehr als Katalysator, der einen Umdenkprozess in Schwung gebracht hat: „Mittlerweile kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man den Marktplatz mit einer Videokamera überwacht.“

Denn in der Innenstadt komme es immer häufiger zu Vandalismus-Schäden unterschiedlicher Art. Das fange bei den Hauseingängen an: „Wenn Feste oder Veranstaltungen sind, verrichten die Leute hier ihre Notdurft. Mit der Reinigung komme ich mittlerweile nicht mehr nach.“ Und höre bei Schäden an fremdem Eigentum auf: „Es vergeht kein Wochenende, an dem nichts zerdeppert oder herausgerupft wird.“

Londoner Verhältnisse in Werne?

Ein Problem, das Ute Berger-Telgmann von der Konditorei am Markt bestätigt. Dort müssen die Mitarbeiter immer wieder umgestoßene Pflanzenkübel aufrichten. „Wir haben deshalb auch schon über eine Videoüberwachung nachgedacht“, sagt die Konditormeisterin. Letztlich habe man die Idee aber verworfen: „Das ist rechtlich sehr schwierig, weil es sich bei der Straße um öffentlichen Raum handelt.“

Und für diesen Raum gelten dank Bundes- und Landesdatenschutzgesetz besondere Bedingungen, wie Sven Henning vom Verwaltungsservice der Stadt Werne auf Anfrage unserer Redaktion erklärt: „Da müsste man vorher genau festlegen, was man wann filmt, und wer das Ganze dann überhaupt einsehen darf.“ Deshalb sei auch gar nicht geklärt, ob die Überwachung vor Straftaten schütze: „Wir können nicht einfach 47 Kameras in der Stadt verteilen und dann sagen, wir hätten jetzt ein besseres Sicherheitsgefühl.“

Überhaupt müsse man sich auch die Frage stellen, ob man das Ganze wirklich will: „Ich persönlich fände es nicht so gut, wenn wir hier Londoner Verhältnisse hätten“, sagt Henning mit Blick auf die britische Hauptstadt, wo an vielen Straßenkreuzungen Kameras das öffentliche Leben filmen.

Überwachung steht vor Hürden

Neben der Kommune hätte auch die Polizei die Möglichkeit, eine Videoüberwachung zum Beispiel des Marktplatzes zu veranlassen. „Aber auch hier gibt es hohe Hürden“, teilt Thomas Röwekamp, Pressesprecher der Kreispolizei Unna, mit. „Unter anderem müsste erst mal geklärt sein, ob es sich um einen Ort handelt, an dem es häufiger zu Straftaten kommt.“

Und das scheint zumindest aus Sicht der Polizei für die Werner Innenstadt nicht der Fall zu sein: „Es gibt generell einen Anstieg der Sachbeschädigungen in den Innenstädten. Aber nicht so, dass es sofort ins Auge fällt.“

Was möglicherweise auch daran liegt, dass nicht alle Taten zur Anzeige gebracht werden. Aktuelles Beispiel: Der Bronze-Ziege auf der Steinstraße fehlt ein Horn. Bis Freitag waren weder Polizei noch das Werner Ordnungsamt darüber informiert worden.   

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