Spielzeugladen "Springulino" in Werne schließt

Nächster Leerstand

Die nächsten Laden in der Werner Innenstadt geben auf: Erst im November 2015 eröffnet, schließt der Spielzeugladen "Springulino" an der Konrad-Adenauer-Straße bald - auch wenn ein Datum noch nicht feststeht. Auch für die "Coolen Piraten" konnte Inhaberin Fatma Lewandowski keinen Nachmieter finden.

WERNE

, 25.07.2017, 05:45 Uhr / Lesedauer: 3 min
Spielzeugladen "Springulino" in Werne schließt

Der Spielzeugladen Springulino in Werne schließt.

Eine Mutter und ihr Sohn rüttelten am Montagvormittag vergeblich an der Tür des Spielzeuggeschäfts „Springulino“ in der Konrad-Adenauer-Straße. Eigentlich sollte der Laden geöffnet haben – stattdessen muss er nun für immer schließen.

Inhaberin Raphaela Reckers war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Im sozialen Netzwerk Facebook hatte sie angekündigt, „schweren Herzens“ den Spielzeugladen zu schließen. Ein genaues Datum nannte sie noch nicht.

Erst im November 2015 hatte Reckers jene Lücke gefüllt, die drei Jahre zuvor der Abriss des Weischer-Hauses in der Steinstraße gerissen hatte: Groß war der Aufschrei, dass Wernes einziger Spielzeug-Laden ersatzlos verschwinden sollte. Doch offenbar hatten die Werner anschließend Probleme, sich mit der Alternative Springulino anzufreunden.

Und so reiht sich das Geschäft ein in die Negativ-Spirale, die die Werner Innenstadt erfasst zu haben scheint. Zwar gab es in der Vergangenheit auch Neugründungen und Umzüge – die Zahl der Schließungen überwiegt jedoch zurzeit. Gerade weil der Spielzeugladen ein Alleinstellungsmerkmal hatte, kommt das Ende überraschend.

Kein Nachmieter für "Coole Piraten" gefunden

Dass ein Nischendasein aber eben nicht immer automatisch ein laufendes Geschäft bedeutet, musste auch Fatma Lewandovski mit ihren „Coolen Piraten“ in der Steinstraße erfahren. Wie berichtet suchte sie monatelang nach einem Nachmieter für ihr Ladenlokal. Da die Suche erfolglos war, ist nun im Oktober endgültig Schluss. „Die Leute sagen zwar immer, dass ich eine große Auswahl hätte“, erklärt sie. „Aber am Ende ist das, was die Kunden suchen, dann doch nicht da.“

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Ein Phänomen, dass dem Online-Handel geschuldet sei: „Früher ging man los und hat das gekauft, was da war. Heute findet man im Internet eine größte Auswahl – und es ist auch bequemer.“

 

 

Kommentar

Unser Redakteur Daniel Claeßen zur Schließung des Spielzeugladens "Springulino":

 

"Werne hat mit strukturellem Problem zu kämpfen"

"Es gibt – nicht nur in Werne – einen Reflex, wenn ein Geschäft schließt: „Der Online-Handel macht alles kaputt.“ Zu Zeiten des Films „E-Mail für dich“ dachten wir noch, dass höchstens Buchläden dem Wandel zum Opfer fallen. Und das wäre ja nicht weiter schlimm, denn es gibt ja sowieso bald nur noch E-Books, außerdem haben sich Meg Ryan und Tom Hanks am Ende ja auch gekriegt. Das Internet ist also wirklich kein Grund zur Sorge.

Heute hingegen müssen wir feststellen, dass Bücher längst nicht mehr ganz oben auf der Liste der bedrohten Arten stehen. Dazu passt, dass Wernes einziger Buchladen die geringsten Probleme mit der Entwicklung zu haben scheint. Relativ früh reagierte man mit einem eigenen Online-Geschäft, an die Expertise der Angestellten reicht zudem keine Kundenrezension heran. Außerdem: Ist ein Buch nicht da, wird es für den darauffolgenden Tag bestellt – schneller bekommt das zumindest derzeit auch kein Premiumversand hin.

Diese Reaktionsmöglichkeiten haben andere Branchen nicht. Wer dazu auch keine exklusive Beratungskompetenz vorweisen kann, bekommt zwangsläufig Schwierigkeiten, wenn er Kundenwünsche nicht sofort oder erst nach drei Tagen erfüllen kann. Denn das kriegt die Online-Konkurrenz hin – kostenlose Rücksendung inklusive.

So gesehen ist der eingangs beschriebene Reflex zwar nicht komplett von der Hand zu weisen. Den Online-Handel deshalb zu verteufeln, ist allerdings ziemlicher Blödsinn. Schließlich hängen – gerade in Werne – auch an dieser Sparte mittlerweile eine ganze Menge Jobs. Und diese Art des Handels hat Dinge wie Transparenz, Preisvergleich und nicht zuletzt auch den Service deutlich verbessert. Kurzum: Das Geschäft hat sich im Sinne des Kunden verbessert. Ein Ziel, das auch der stationäre Handel verfolgen sollte – was er auch kann, wie das bereits erwähnte Beispiel des Buchladens zeigt.

Aber das Problem ist ohnehin nicht allein im digitalen Wandel zu suchen. Ähnlich wie andere Städte hat Werne offensichtlich mit einem strukturellen Problem zu kämpfen. Anders ist es kaum zu erklären, dass manche Geschäfte sich relativ problemlos gegen Konkurrenz sogar direkt vor Ort behaupten können, während andere Anbieter querbeet durch alle Branchen die Segel streichen müssen.

Das ist nicht allein mit dem geschlossenen Solebad zu erklären. Im Gegenteil: Dessen Schließung war hinlänglich bekannt. Die Tatsache, dass man weder darauf vorbereitet war, noch dass es ein wirkungsvolles Rezept gegen die zumindest temporären Folgen gibt, sollte der eigentliche Grund zur Sorge sein."

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