Wer die Kinder unbeschwert erziehen möchte, ist in Stockum richtig. Die Punkte Kinderbetreuung und Familienfreundlichkeit schneiden im Ortsteil-Check gut ab. Kritik gibt es am Friedhof.

Stockum, Werne

, 28.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Sein ganzes Leben lebt Benedikt Berger (39) schon im Werner Ortsteil Stockum. Er ist in Stockum geboren und wohnte – mit kurzer Ausnahme in Werne – noch nie woanders. Gemeinsam mit seiner Frau Christiane (36) und Sohn Bastian (2) wohnt er heute in dem umgebauten Haus seiner Eltern.

Die kleine Familie schätzt die guten örtlichen Angebote für Kinder. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen unseres Ortsteil-Checks für Stockum wider. Demnach haben die insgesamt 119 Teilnehmer die Kinderbetreuung mit acht von möglichen zehn Punkten bewertet (im gesamten Werner Stadtgebiet sind es sieben Punkte).

Auch das Thema Familienfreundlichkeit wurde recht gut, mit sieben Punkten, bewertet (im Werner Stadtgebiet sind es sechs Punkte). Weniger gut schneidet hingegen das Thema Jugendliche ab (vier Punkte in Stockum wie im gesamten Stadtgebiet auch). Auch das Aus für das Lehrschwimmbecken, das die Bergers bedauern, aber nun „abgehakt“ haben, beschäftigt die Stockumer.

Stockum: Pluspunkte bei der Kinderbetreuung, aber harsche Kritik am Zustand des Friedhofs

Eine einzige Buckelpiste: Zwischen den Gräbern sind die Wege schmal und uneben. © Andrea Wellerdiek

Ein großes Ärgernis für viele Stockumer ist der Zustand des Friedhofs. „Das ist eine Vollkatastrophe“, sagt auch Christiane Berger. Den Weg zu dem Grab ihres Schwiegervaters vergleicht sie mit einer Buckelpiste. Mit dem Kinderwagen kamen die Bergers auf den engen, gepflasterten Wegen überhaupt nicht bis an die Grabstätte heran.

„Wenn ich ältere Damen mit dem Rollator hier sehe, dann kann ich da gar nicht hinsehen. Da wird mir schlecht“, sagt die 36-Jährige. Wie viele Punkte sie für den Zustand des Friedhofs geben würde? „Null Punkte“, sagt sie ganz deutlich.

„Wahre Stolperfallen“ am Friedhof in Stockum

Auch einige Teilnehmer des Ortsteil-Checks kritisieren die Grünflächen auf dem Friedhof (insgesamt gibt es für dieses Thema aber acht Punkte). „Hier wird seit Jahren von der Verwaltung auch nur viel geredet und nichts gemacht. Die Wege zu den Gräbern sind wahre Stolperfallen. Platten anheben – das wäre zumindest mal ein Anfang und verursacht keine Kosten.“

Diese Arbeiten werden regelmäßig und kurzfristig von Mitarbeitern des städtischen Bauhofes erledigt, sagt Michael Laschitza von der Friedhofsverwaltung. Die Probleme, die die schmalen Wege auf dem neuen Teil des Friedhofs mit sich bringen, seien der Friedhofsverwaltung bekannt. „Das ist ganz klar, dass sich die Bürger beschweren. Es ist aber müßig, darüber zu diskutieren, denn es ist eine sehr langfristige Aufgabe“, sagt Laschitza.

Nutzungsdauer noch nicht verstrichen

Der Hintergrund: Die Nutzungsdauer von 30 Jahren oder die genauso lange Ruhezeit ist noch nicht verstrichen. Nur durch eine Umbettung der Gräber sei das Problem kurzfristig zu lösen, so Laschitza. „Und das geht natürlich nicht“, sagt er. Bis eine größere zusammenhängende Fläche dort entsteht, die neu gestalten werden kann, rechnet Laschitza mit einem Zeitraum von rund zehn Jahren.

Als die ersten Beisetzungen vor rund 30 Jahren auf dem neuen Teil des Friedhofs entstanden, hatten die Verantwortlichen gedacht, man habe genug Fläche zur Verfügung. Deshalb hatte man die Grabstätten nicht in Kopf-an-Kopf-Lage geplant. Die Folge: Es gibt sehr schmale Wege zwischen einzelnen Gräbern. Ein Problem, das sich erst in einigen Jahren lösen kann.

Stockum: Pluspunkte bei der Kinderbetreuung, aber harsche Kritik am Zustand des Friedhofs

Einwohner in Stockum © Grafik Verena Hasken

Das wurde negativ bewertet:

Sauberkeit: Einige Teilnehmer beschweren sich über Kot und Dreck auf den Spielplätzen. Auch die Grünflächen in Stockum benötigten genauso viel Pflege wie in der Innenstadt, moniert ein anderer Teilnehmer. Insgesamt gibt es hier dennoch sieben Punkte – genauso viele Zähler wie im gesamten Stadtgebiet.

Christiane Berger empfindet die Verkehrsanbindung (sieben Punkte im Ortsteil-Check) hingegen für ausbaufähig. „Die Busse fahren nur bis 20 Uhr. Das ist wirklich eine Vollkatastrophe“, sagt die Diätassistentin und Diabetesberaterin.

Sie sagt aber auch: „Ich bin aber vielleicht auch nicht der richtige Maßstab. Ich komme aus Bochum und bin da natürlich etwas ganz anderes gewohnt.“ Die Familie erledigt dennoch viel mit dem Fahrrad. „Und mit dem Rad ist man gut angebunden“, sagt die Wahl-Stockumerin.

Das wurde positiv bewertet:

Kinderbetreuung: „Wir wohnen 50 Meter neben der Kita. Wir sind sehr zufrieden mit der Kita. Sehr schön ist auch, dass die Kinder einen schönen Garten haben, in dem sie auch oft spielen“, sagt Christiane Berger. Sie hatte ihren Sohn für einen U3-Platz in der Kita St. Sophia angemeldet und prompt eine Zusage bekommen.

„Da hatten wir das Quäntchen Glück. Woanders gibt es ja Wartelisten von ein bis zwei Jahren“, sagt die Mutter.

Sie mag es, dass ihr Sohn in Stockum in ländlicher Umgebung aufwachsen kann. „Das ist schon ideal für Kinder. Man muss nicht ständig aufpassen, weil sie an einer Hauptstraße spielen. Die Kinder können hier unbeschwerter aufwachsen“, sagt die gebürtige Bochumerin.

Stockum: Pluspunkte bei der Kinderbetreuung, aber harsche Kritik am Zustand des Friedhofs

In Sachen Kinderbetreuung punktet der Ortsteil Stockum. © Daniele Giustolisi (A)

Insgesamt bekommt das Thema acht Punkte (im Werner Stadtgebiet sieben Punkte). „Im Bereich der Kinderbetreuung sieht sich die Stadt Werne gut aufgestellt. Jedes Kind, das einen Betreuungsplatz benötigte, hat auch einen bekommen“, sagt Alexander Ruhe, Dezernent für Jugend, Familie und Bildung.

Im Vergleich zu anderen Kommunen sei dies sehr positiv. „Wenn ich da sehe, dass es dort teils lange Wartelisten für einen Betreuungsplatz gibt, dann bin ich erleichtert, dass die Versorgungsquote bei uns so gut ist“, so Ruhe.

Unbeschwert aufwachsen - das kann der Nachwuchs schon seit Jahren in Stockum. Benedikt Berger muss es wissen. Er lebt sein ganzes Leben schon in dem Ortsteil. Gern erinnert sich der Fuhrparkleiter auch an seine Jugendzeiten in Stockum zurück.

„Da war ich mit einigen Freunden jeden Tag im Freibad. Das war unser Treffpunkt“, sagt der 39-Jährige. Das Freibad ist – wie bald auch das Lehrschwimmbecken – Geschichte. Seine Freunde von damals nicht. Sie alle wohnen (wieder) in Stockum.

Stockum wurde im Juni 858 erstmals erwähnt. Zunächst gehörte Stockum dem Benediktinerinnenkloster Herford. Schon vor 1350 war das Dorf mit einer eigenen Landwehr umgeben. Schon damals lag Stockum an einem wichtigen Straßennetz. Vor allem der Bau des Gersteinwerks ab 1913 sorgte für eine große wirtschaftliche Bedeutung des Ortsteils. 100 Jahre lang gehörte Stockum zum Amt Werne. Ab 1923 gehörte die Bauerschaft zum Verwaltungsbezirk des Amtes Herbern. Stockum wurde im Jahr 1975 im Rahmen der kommunalen Neugliederung nach Werne eingegliedert. Die bis dahin selbstständige Gemeinde schloss sich freiwillig der Stadt Werne an.
Stockum: Pluspunkte bei der Kinderbetreuung, aber harsche Kritik am Zustand des Friedhofs

Der Bau des Gersteinwerks hatte eine große wirtschaftliche Bedeutung für Stockum. © Gersteinwerk (A)

Lesen Sie jetzt