Bergkamener angeklagt

Teenager aus Werne geben Drogen-Sammelbestellung auf

Ein 26-Jähriger aus Bergkamen soll einer Gruppe von Teenagern aus Werne eine Drogen-Sammelbestellung geliefert haben. Vor Gericht widersprachen sich die Zeugen. Eine Strafe gab‘s trotzdem.

Schlimmer Verdacht: Ohne Rücksicht auf ihr Alter soll ein Bergkamener (26) Achtklässlern aus Werne Marihuana verkauft haben. Das und andere Vorwürfe brachten ihn nun auf die Anklagebank. Sein Prozess barg allerdings etliche Überraschungsmomente.

Ganz und gar preisbewusst kam einer der kiffenden Teenager aus Werne im Januar 2019 offenbar auf die Idee, eine größere Menge Marihuana müsse deutlich günstiger sein als es eine kleinere. Also hörte er sich bei 13- und 14-jährigen Klassenkameraden um, fand Gleichgesinnte und sammelte Geld ein. 350 Euro kamen zusammen und dafür erhielten die Jugendlichen bei der Übergabe im Bereich des Sportplatzes am Dahl 50 Gramm der Droge, die dann gerecht unter den Investoren verteilt werden sollten.

Bergkamener (26) soll Drogenlieferant gewesen sein

Als das Ganze ans Licht kam, fiel der Name des späteren Angeklagten. Der 26-Jährige aus Bergkamen soll nicht nur Lieferant der 50 Gramm gewesen sein, sondern zuvor einem der Teenager bei zwei Gelegenheiten jeweils zwei Gramm für 20 Euro verkauft haben.

Zudem wurde dem Mann vorgeworfen, im Mai 2019 in Lünen am Cappenberger See mit 1,2 Gramm Amphetamin und fünf Ecstasy-Pillen in eine Kontrolle geraten zu sein. Auch wurde bei der Durchsuchung seiner Wohnung ein Schlagring entdeckt.

Handel mit Drogen, Abgabe an Minderjährige und Besitz sowie ein Verstoß gegen das Waffengesetz wurden dem 26-Jährigen nun vor dem Schöffengericht in Lünen vorgeworfen. Über seinen Verteidiger räumte er den Besitz des Schlagrings, des Amphetamins und der Ecstasy-Pillen ein. Wobei versichert wurde, dass die Drogen ausschließlich für seinen eigenen Bedarf bestimmt waren.

Was das Marihuana und die Teenager betraf, versicherte der Anwalt: „Mein Mandant hat zu der Zeit nicht mit Drogen gehandelt – und tut es auch heute nicht.“ Der Angeklagte selbst betonte, sich nicht erklären zu können, warum sein Name in dem Kontext immer wieder aufgetaucht sei. „Ich habe in meinem Leben noch nie mit Drogen gehandelt und habe es auch nicht vor.“ Schon gar nicht würde er an Minderjährige verkaufen. Das sei ehrlos. Schließlich habe er selbst jüngere Geschwister.

Seltsame Aussagen der jungen Zeugen

Nach der Einlassung gaben sich die jugendlichen Zeugen die Klinke förmlich in die Hand und verblüfften mit ihren Aussagen. So betonte ein 16-Jähriger mit Blick in Richtung Anklagebank: „Ich habe den Mann noch nie gesehen und nie mit ihm gesprochen.“ Ihm sei nur einmal sein Bild bei Instagram gezeigt worden.

Sein früherer Kumpel, der die Sammelbestellung damals offenbar organisierte, erklärte, bei der Übergabe sei ein Rollerfahrer mit Helm erschienen. Ob es sich dabei um den Angeklagten handle, das wisse er nicht. Und das, so beteuerte er, sei die Wahrheit, auch wenn in den Akten der Vermerk auftauche, dass die Version mit Rollerfahrer und Helm erfunden sei.

Der nächste Zeuge brachte den Bruder einer Klassenkameradin als tatsächlichen Lieferanten ins Spiel. Ein anderer erklärte, der Organisator des Deals, sein Mitschüler, habe ihm ein Foto des Angeklagten geschickt und gefordert, dass er bei der Polizei behaupte, der sei der Händler gewesen. Der fünfte Zeuge präsentierte wieder die Roller-Version und versicherte mit Blick auf den Bergkamener: „Noch nie gesehen.“ Zeuge Nummer 6 hatte seine Informationen nur vom Hörensagen und die Siebte im Bunde beklagte massive Erinnerungslücken.

Nach den Aussagen konnte es kaum überraschen, dass der Angeklagte in dem Punkt freigesprochen wurde. Es sei alles unklar und es gebe Anhaltspunkte für einen anderen Täter, so Richter Ulrich Oehrle. Für den Besitz der Drogen und des Schlagrings wurde der Bergkamener zu 2000 Euro Geldstrafe verurteilt. sam

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