Telgmann will Kassenbon-„Schwachsinn“ in seinen Bäckereien mit einer Befreiung umgehen

rnKassenbon-Pflicht

In vielen Bäckereien sorgt die Kassenbon-Pflicht für Ärger. Friedrich Telgmann von der gleichnamigen Konditorei in Werne möchte diesem „Schwachsinn“ schnell umgehen - mit einer Befreiung.

Werne

, 24.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist immer dasselbe Bild: Ein Kunde kauft ein Teilchen oder ein paar Brötchen beim Bäcker. „Den Kassenbon brauch‘ ich nicht“, sagt er. Und die Verkäuferin auf der anderen Seite schmeißt das Papier in ein Körbchen.

Wie in der Konditorei Telgmann sieht es in vielen Bäckereien aus. Die meisten Kunden verzichten auf den Kassenbon, der bei jedem Warenausgang seit dem 1. Januar ausgedruckt werden muss. Er landet dann direkt im Müll.

Telgmann denkt über Befreiungsantrag nach

Diesem „Schwachsinn“, wie Friedrich Telgmann es selbst beschreibt, möchte er entgegenwirken. Er habe bereits mit seinem Steuerberater über eine Befreiung der sogenannten Belegerteilungspflicht gesprochen. Demnach prüft der Experte bereits für zwei weitere Klienten, ob eine solche Befreiung möglich ist.

Ob auch Telgmann künftig um die Kassenbon-Pflicht herum kommt, ist noch ungewiss. Er wartet zunächst ab, ob der Befreiungsantrag der anderen Klienten zum Erfolg führt.

Er hofft, dass die Behörden aufgrund des extremen Aufwands, den die Bäckereien betreiben müssen, im Einzelfall von der Kassenbon-Pflicht befreien. Da es keine einheitliche Regelung gebe, entscheide jedes Finanzamt individuell.

Finanzminister und Hofbräu-Chef hat Befreiung bekommen

Dass eine Befreiung möglich ist, hat Friedrich Telgmann selbst erlebt, als er privat im Münchner Hofbräuhaus zu Gast war. Als er bezahlen wollte, habe er die Rechnung ganz unkonventionell bekommen - auf dem Papierblock des Kellners.

Das machte Telgmann stutzig, zumal Bayerns Finanzminister Albert Füracker gleichzeitig auch Chef im Hofbräu München ist. Telgmann hofft, auch selbst von der Kassenbon-Pflicht befreit zu werden. Denn der Aufwand sei immens, so der 55-Jährige.

Kassenrollen werden knapp

Seitdem die Belegerteilungspflicht am 1. Januar in Kraft getreten ist, hat er schon drei große Müllsäcke mit Kassenbons gefüllt. „98 Prozent der Kunden sagen: Behalten Sie den Bon“, erzählt Telgmann. Nur vereinzelt bitten Kunden, etwa Vertriebsmitarbeiter auf Dienstreise, um einen Bewirtungsschein oder eben um den Kassenbon.

Telgmann will Kassenbon-„Schwachsinn“ in seinen Bäckereien mit einer Befreiung umgehen

In den Filialen von Telgmann stehen kleine Körbchen auf den Ladentheken. Darin landen die meisten aller gedruckten Kassenbons. © Andrea Wellerdiek

Alle anderen Bons, die nun ausgedruckt werden müssen, landen im Müll. Und die Kassenrollen werden knapper. „2015 habe ich 50 Rollen gekauft. Ich habe sie im Keller gelagert. Normalerweise kommen wir damit ein halbes Jahr aus. Aber jetzt muss ich bald schon wieder nachbestellen“, sagt Telgmann. Kostenpunkt: 1,50 Euro pro Rolle.

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„Das sind erhebliche Mehrkosten. Aber ich gehe trotzdem jetzt nicht daher und erhöhe die Preise.“ Die Intention, einen möglichen Steuerbetrug mit der Kassenbon-Pflicht zu umgehen, ist für Friedrich Telgmann nicht nachvollziehbar.

„In den elektronischen Kassen ist sowieso alles sichtbar - und wenn der Kunde nur ein Brötchen kauft. Jede einzelne Bewegung wird bis ins kleinste Detail erfasst“, so der Inhaber der Konditorei. Solange er aber nicht von der Kassenbon-Pflicht befreit wurde, muss er weiter die Bons drucken.

Telgmann will Kassenbon-„Schwachsinn“ in seinen Bäckereien mit einer Befreiung umgehen

Seit die Kassenbon-Pflicht gilt, tragen die Mitarbeiterinnen einen Gürtel mit Bon-Drucker im Café. Damit können sie die Kassenbons schneller und direkt am Tisch ausdrucken. © Andrea Wellerdiek

„Dann es kann ja mal sein, dass ein Finanzberater auf der Gegenseite steht. Wenn wir dann keinen Bon ausdrucken, kann das eine Strafe von 25.000 Euro bedeuten“, erklärt Telgmann.

Frage der Umweltfreundlichkeit

Deshalb hofft er, dass die Befreiung kommt. Auch aus umweltfreundlichen Gründen. „Für mich ist das der falsche Weg. Wir haben gerade erst alle Plastiktüten in unseren Filialen verbannt“, sagt Telgmann.

Die Idee, alle Warenausgänge mithilfe einer App auf dem Smartphone zu belegen, sei in seinen Bäckereien schwierig. Denn er habe vor allem eine ältere Kundschaft. Neben der Programmierung der App sei es auch immer eine Frage der Handhabung.

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