Theorie-Fahrstunden im Chat: Fahrschule Kepp bietet Onlineunterricht an

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Seit dem 17. März haben die Fahrschulen geschlossen. Zumindest den Theorieunterricht können Schüler nun online absolvieren. Fahrschule Kepp berichtet von den Theoriestunden im Gruppenchat.

Werne

, 22.04.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als ich hörte, dass wir schließen müssen, hab ich mich geschüttelt. Das musste ich erstmal sacken lassen“, berichtet Michael Kepp (49) von der Fahrschule Kepp aus Bergkamen. Doch er steckte den Kopf nicht in den Sand und suchte nach Alternativen, um die rund 500 Schüler auch in Zeiten von Corona zu beschäftigen.

Per Video-Gruppenchat finden die Theoriestunden nun online statt. Sollte die Schließung der Fahrschulen noch länger andauern, sei das auch eine Option für die Werner Schüler. Denn die Fahrschule Kepp betreibt auch eine Filiale in Werne. Für Anfang Mai sei der nächste Blockunterricht für Werne geplant.

Gruppenarbeit im Gruppenchat

Die Schüler werden in feste Gruppen eingeteilt. Zur gewohnten Uhrzeit setzen die sich dann an ihre Rechner und lauschen ihrem Fahrlehrer. Über die Webcam stehen Schüler und Lehrer im Kontakt. Dabei gibt es nicht nur klassischen Frontalunterricht, sondern auch Gruppenarbeitsphasen. Dafür teilt der Lehrer dann die Schüler in kleinere Chaträume ein.

Er selbst kann sich von Raum zu Raum schalten und den Schülern Tipps geben. Die Ergebnisse werden danach im Plenum besprochen. Der Fahrlehrer kann außerdem Videos im Gruppenchat für alle sichtbar abspielen. „Die Schüler sitzen jetzt Zuhause und haben Zeit. Da bietet sich der Online-Unterricht an“, so Kepp.

Fahrschüler absolvieren gerne Extra-Stunden

Schüler, die keinen eigenen Computer oder ein Tablet besitzen, werden von der Fahrschule ausgestattet. Das seien aber nur etwa fünf bis zehn Prozent der Schüler. „Die Schüler sind froh, weiter lernen zu dürfen. Manchen machen die Online-Stunden so Spaß, dass sie mehrere Lernblöcke hintereinander absolvieren“, berichtet Kepp.

Michael Kepp (rechts) ist zufrieden mit der Onlineübertragung des Theorieunterrichtes. So macht er die Schüler fit für die Zeit, in der es wieder in die Praxis gehen darf.

Michael Kepp (rechts) ist zufrieden mit der Onlineübertragung des Theorieunterrichtes. So macht er die Schüler fit für die Zeit, in der es wieder in die Praxis gehen darf. © Fahrschule Kepp

Schülerin Carlotta ter Baak (29) aus Kamen hat kürzlich ihren Online-Lernblock abgeschlossen und ist zufrieden mit dem E-Learning. „Man spart sich die Zeit, zur Fahrschule zu fahren. Ansonsten ist der Unterreicht nicht viel anders als live in der Fahrschule. Ich fühle mich gut vorbereitet auf die theoretische Prüfung“, so die Elektrikerin.

Technische Probleme gab es bei ihr einmal beim Ton. Weil der nicht funktionierte, musste sie den Rechner neustarten. Beim Fahrlehrer habe es außerdem manchmal gehallt - ansonsten lief der Unterricht flüssig.

Lern-App und Workbook zum Lernen daheim

„Es war etwas anstrengend, die ganze Zeit ruhig zu sitzen. Man will ja vor der Kamera nicht rumhampeln. Das Mikrofon habe ich die meiste Zeit stumm geschaltet, damit man mich nicht hört, wenn ich mich bewege“, erzählt die Schülerin. In der Hinsicht sei der Unterricht in der Fahrschule dann doch etwas bequemer. Die Kamenerin hatte sich extra über Ostern freigenommen, um den 7-tägigen Intensivkurs zu absolvieren.

Jetzt geht es wegen Corona nicht voran. Immerhin hofft sie, bald die theroretische Prüfung ablegen und mit der Praxis starten zu können. Bis dahin kann sie mit einer Lern-App die Prüfungsfragen durchgehen. Dazu gibt es ein Workbook, das vor Beginn des Kurses kontaktlos in den Briefkasten geworfen wurde. Dass sie bald „ganz normal“ Fahrstunden absolvieren wird, glaubt die Elektrikerin nicht. Vorstellen kann sie sich eine Maskenpflicht im Auto.

Online-Unterricht für alle Klassen

Kepp bietet Unterricht für alle Klassen an - auch online können die Schüler die Theorie für LKW, Bus und Motorrad absolvieren. Insgesamt 24 Mitarbeiter beschäftigt Kepp. Neben den vier Bürokräften sind aktuell nur fünf Fahrlehrer im Online-Einsatz. Wann es wieder in die Praxis gehen darf, stehe noch nicht fest.

So sieht der Unterricht aus der Perspektive der Schüler aus.

So sieht der Unterricht aus der Perspektive der Schüler aus. © ter Baak

„Immer wieder fragen die Schüler, wann sie endlich mit der Praxis anfangen und die Prüfungen absolvieren können - obwohl das überall im Internet zu lesen ist. Wir können leider auch nur sagen, dass wir das nicht wissen“, so der Fahrlehrer.

Für Motorradfahrer sei die Praxis laut Kepp theoretisch machbar, denn Schüler und Lehrer fahren getrennt - doch auch diese Stunden sind aktuell noch verboten. „Ich vermute, dass die Richtlinien für LKW und Bus am ehesten gelockert werden, denn die sind systemrelevant“, so Kepps Prognose.

Update (24. April): Seit Dienstag (21. April) dürfen die Fahrschulen in NRW wieder theoretisch und praktisch unterrichten. Der Online-Unterricht bleibt für die Zeit der Kontaktsperre weiterhin erlaubt. Der TÜV bleibt geschlossen - somit können aktuell noch keine Prüfungen abgelegt werden.

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