Den Thermomix liebt oder verabscheut man. Björn Biermann (37) aus Werne war gleich begeistert. Deshalb wurde er einer der wenigen männlichen Verkaufsberater – aus ganz pragmatischen Gründen.

Werne

, 20.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Es hat nicht lange gedauert, da war Björn Biermann fasziniert. Vier Tage lang hatten er und seine Familie den Thermomix zur Probe in der Küche stehen. Da lief das wohl umstrittenste Küchengerät jeden Tag.

Sämtliche Funktionen hat die Familie ausprobiert: Geschnetzeltes, Kuchen- oder Pizzateig, Nudeln, Eis. Nach der Probephase haben Björn, der zu der Zeit Urlaub hatte, und seine Frau Jessica das Gerät bei einer Verkaufsberaterin gekauft. Das war im November 2015.

Wenig männliche Verkaufsberater für den Thermomix

Seitdem verkauft Biermann selbst Thermomix. Ein Mann als Thermomix-Fee? „Sie nennen mich Thermy-Björn. So lautet auch meine E-Mail-Adresse“, sagt der 37-Jährige. Er ist einer von insgesamt 13.000 Verkaufsberatern in Deutschland. Darunter sind etwa 10 Prozent Männer. „Immer mehr Männer entdecken die Tätigkeit als Thermomix Repräsentant für sich“, sagt Claudia Blum, PR-Manager von Thermomix-Hersteller Vorwerk.

Klar, den einen oder anderen Spruch von den Arbeitskollegen habe Björn Biermann sich schon anhören müssen, erzählt Biermann, der als Straßenwärter beim Bauhof der Stadt Werne arbeitet. Einigen Mitarbeitern konnte er allerdings auch einen Thermomix verkaufen.

„Ich bin Thermy-Björn“: Björn Biermann ist einer der wenigen männlichen Thermomix-Berater

Björn Biermann nutzt den Thermomix auch privat jeden Tag. © Andrea Wellerdiek

Provision in vierstelligem Euro-Bereich

Björn Biermann hat sich aus ganz pragmatischen Gründen als Verkaufsberater selbstständig gemacht, wie er erzählt. Je nach verkauften Geräten könne er einen guten vierstelligen Betrag als Provision einnehmen. „Wir sehen das als Zubrot an. Die Arbeit macht mir Spaß und ich stehe voll und ganz hinter dem Produkt. Aber ich mache es auf jeden Fall aus finanziellen Gründen“, sagt Biermann, der keinem Kunden das Gerät „aufschwatzen“ will.

In guten Monaten habe er auch schon mal acht Geräte verkauft. Zurzeit bietet er einmal in der Woche ein sogenanntes Erlebniskochen, also Verkaufsabende in Privathaushalten, an. Mindestens drei potenzielle Neukunden müssen dabei sein. Ansonsten gäbe es keine Vorgaben des Thermomix-Herstellers Vorwerk, so Biermann.

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Der Thermy-Björn aus Werne

Kuriose Erlebniskoch-Abende

Der Werner hat nach eigenen Angaben insgesamt 90 Geräte verkauft. Beim Erlebniskochen, bei dem laut Biermann „98 Prozent vom Thermomix begeistert sind“, hat er schon einige Anekdoten erlebt.

An eine Begrüßung denkt der dreifache Familienvater mit einem Lächeln auf den Lippen zurück: „Da wurde ich mit den Worten begrüßt: Ah, Sie sind der Herr, der heute nackt für uns kocht?“ Kurios war auch der Kunde, der sich über den Thermomix freute, „weil er damit seine Tütensuppe darin so schön warm machen konnte“.

Kunden sind ganz unterschiedlich

Generell würde er gut bei den Kunden ankommen, meint Biermann. Das Klientel ist da ganz unterschiedlich. „Von der 20-jährigen alleinstehenden Frau bis zum 86-jährigen Mann ist alles dabei. Der ältere Herr zum Beispiel hat den Thermomix für seine Frau gekauft, weil sie nicht mehr so gut stehen und das Gemüse schnibbeln kann.“ Vor allem seien es aber Paare und Familien.

Auch einige Partner würden ihre Frauen zu den Erlebniskoch-Abenden begleiten. Dabei fällt Biermann auf, dass es überwiegend die Frauen sind, die bis zu einem Kauf noch Bedenkzeit brauchen. „Männer wollen den Thermomix hingegen sofort kaufen. Sie sind schneller begeistert“, erzählt der 37-jährige Werner.

„Ich bin Thermy-Björn“: Björn Biermann ist einer der wenigen männlichen Thermomix-Berater

Gedünstetes Gemüse mit Reis: Über das Kochen mit dem Thermomix streiten sich die Geister. © Andrea Wellerdiek

Currywurst-Soße als Ausschlagskriterium

Das Ausschlagskriterium sei dabei weniger die Möglichkeit, im Thermomix auch Bier oder Schnaps herzustellen, sondern die „Currywurst a la Sansibar“, erzählt Biermann. Gegner des Thermomix, die etwa sagen, dass der Einsatz des Geräts „Kochen für Doofe“ sei, könne man hingegen gar nicht überzeugen.

Auch der Preis sei ein Kaufkriterium. Der neue Thermomix MT6 kostet 1359 Euro. Die Einführung Anfang März sorgte bei (Stamm-)Kunden für harsche Kritik. Einige hatten sich beschwert, weil sie nicht über das neue Modell informiert wurden und gerade das Vorgängermodell bestellt hatten.

Kritik an der Einführung des neuen Modells

Auch Björn Biermann, der vorab keine Information von Vorwerk bekommen hatte, war überrascht. „Ich war im ersten Moment schockiert, dass es schon jetzt ein neues Modell gibt. Eigentlich kam immer im Zehn-Jahres-Rhythmus ein neues Gerät auf den Markt“, sagt er.

Mit Bedauern reagiert Hersteller Vorwerk auf die Kritik. „Für Vorwerk als Direktvertriebsunternehmen ist es eine unternehmenspolitische Entscheidung, den Thermomix auf diese Weise einzuführen. Generell ist bei einem Modellwechsel eine Übergangsphase nicht zu vermeiden. Auch bei einer früheren Ankündigung wären einige jener Kunden enttäuscht gewesen, die kurz vor dieser Ankündigung gekauft haben. Eine frühere Ankündigung des Produkts hätte das Thema also nur verschoben“, sagt PR-Managerin Claudia Blum.

Die Kritik der Kunden kann Björn Biermann nachvollziehen. Biermann sagt aber auch: „Es ist nichts anderes als bei anderen technischen Geräten. Wenn ich mir einen neuen Laptop kaufe, ist er auch schon alt, wenn ich das Geschäft verlassen habe – so schnell ändert sich die Technik.“

Tüten-Produkte gibt es nicht mehr bei den Biermanns

Zeitliche und gesundheitliche Aspekte durch den Thermomix-Einsatz haben Björn Biermann und seine Frau Jessica vor dreieinhalb Jahren überzeugt. „Mit drei Kindern hat man nicht immer viel Zeit zum Kochen“, sagt Björn Biermann und weiter: „Früher haben wir viele Tüten-Produkte gegessen. Das gibt es jetzt gar nicht mehr. Das mögen die Kinder auch nicht mehr“, sagt Biermann.

Heute läuft der Thermomix, der auf dem Herd steht, jeden Tag. Auf das Gerät verzichten möchte Biermann, der immer schon gern gekocht hat, nicht mehr. Und Thermomix verkaufen – das möchte „Thermy-Björn“ machen, so lange er noch Spaß daran hat.

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