Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Anerkennung bei Instagram: Viele wollen es, Joris Wagner aus Werne hat es geschafft. Ihm folgen Zehntausende und Unternehmen wollen mit ihm werben. Das ist kein Zufall, sondern harte Arbeit.

Werne

, 21.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Mal schnell ein Foto posten, liken und auf Kommentare reagieren: Ohne sein Smartphone sieht man Joris Wagner kaum. Doch er surft nicht nur aus Spaß auf Instagram.

Hinter seinem Profil steckt knallharte Arbeit. Fast 20.000 Nutzer folgen dem 19-Jährigen auf dem sozialen Netzwerk Instagram, wo er sein Leben mit der Welt teilt – und auch Geld verdient.

Joris Wagner, den seine Fans im Internet nur unter dem Namen Joris Vida kennen, ist Lifestyle-Blogger. „Das hat sich alles Stück für Stück entwickelt“, sagt der Werner.

Angefangen hat alles 2014 mit einem ganz normalen privaten Account, von denen es mittlerweile gut eine Milliarde auf Instagram gibt. Wagner war einer von vielen. Postete, was ihm gerade so passierte, ohne sich dabei große Gedanken zu machen, erfolgreich damit zu sein. Doch in der Endphase seine Abiturs, Ostern 2018 genauer gesagt, wollte er es wissen.

„Ich habe gemerkt, dass ich Bock darauf hatte, zu fotografieren und wollte damit mehr Menschen erreichen.“ Die Fotos wurden professioneller, die Locations ausgefallener. Zunächst im Garten der Eltern, dann an der ehemaligen Zeche in Werne und später in Dortmund, Köln und Münster.

Tipps von Prof. Dr. Julian Kawohl

So sammeln Sie mehr Likes und Follower bei Instagram

  • Gutes Thema finden, das ich glaubhaft verkörpern kann und das für andere interessant ist
  • Überraschende und humorvolle Posts haben größere Chancen auf Erfolg
  • Mit Nutzern verbinden und interagieren
  • Die meistgenutzten Stichwörter (Hashtags) sind nicht die besten. Hier geht man zu schnell unter
  • Fünf Posts in der Woche sind die optimale Menge
  • Mit Inhalten anderer interagieren, um gefunden zu werden
  • Interaktion unter den eigenen Fotos ist wichtig

„Ich habe mich gefreut, als ich dann die ersten 100 Menschen hatte, die mir gefolgt sind“, sagt Wagner. „200 waren auch cool und dann wurden es immer mehr.“ Plötzlich hatte er 1000 Follower, dann 10.000 und steht nun kurz vor der 20.000er-Marke.

„Es ist cool, weil man sich eine Anhängerschaft aufgebaut hat, mit der man sich unterhält und die auch mit Problemen auf einen zukommt“, so Wagner. Neben den Bildern veröffentlicht er meist lange Texte, in denen er seine Gedanken und Gefühle teilt – ein bisschen wie im Tagebuch also.

Instagram-Karriere ist vergleichbar mit einem Start-Up

Doch hinter dem, was ausschließlich nach Spaß aussieht, steckt ein hartes Business, in dem Stars viel verdienen können. Sängerin Selena Gomez mit 145 Millionen Followern bekommt beispielsweise schätzungsweise eine halbe Million Euro pro Bild, auf dem sie ein Produkt bewirbt.

Auch in Deutschland gibt es Menschen, für die der eigene Instagram-Blog ein Vollzeitjob ist. „Man muss sich das wie ein Start-Up vorstellen“, sagt Prof. Dr. Julian Kawohl von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin.

Instagram löst Facebook als führende Social-Media-Plattform ab

Kawohl hat Mitte Februar eine Studie über die Strategien der Instagram-Stars veröffentlicht. Denn die Plattform wird immer wichtiger und interessanter für die Unternehmen.

Während Facebook mehr und mehr Nutzer verliert, ist Instagram die aufstrebende Internetplattform. „Menschen werden besser über Bilder erreicht und der Zugang ist einfacher“, so Kawohl.

Prof. Dr. Julian Kawohl: „Gefühlt ist man mit den Stars befreundet“

Und die Besonderheit: „Gefühlt bin ich auf Instagram mit meinem Star befreundet und täglich in Kontakt“, so Kawohl. Dadurch steige die Glaubwürdigkeit der Stars. Wirbt dann dort jemand für Shampoos, Uhren oder Kopfhörer, vertraut man ihnen weit mehr als in der Werbung.

Zudem erreichen Instagram-Stars eine bestimmte Zielgruppe, die Unternehmen sonst nie in so großer Form zielgerichtet erreichen können. So kann Fußballer Cristiano Ronaldo mit einem Foto so viele Leute erreichen, wie Firmen über Fernsehwerbung beispielsweise beim Super Bowl.

Joris Wagner (19) aus Werne macht Karriere auf Instagram – So funktioniert es

An der Zeche in Werne hat Joris Wagner viele seiner Fotos geschossen. © Mario Bartlewski

Zum Erfolg auf Instagram gehört allerdings ein aufwendiger Business-Plan: Was kann ich besonders gut? Was ist mein Thema, das so niemand anders präsentiert? Welchen Zeitplan erstelle ich für meine Veröffentlichungen? Die Fragen, die sich Instagram-Nutzer stellen müssen, die erfolgreich sein wollen, sind zahlreich.

„Erfolg ist hier kein Zufall“, sagt Wagner. „Du kannst nicht einfach ein Foto veröffentlichen und hoffen, dass du gefunden wirst“, sagt der 19-Jährige. Denn nach Shooting, Bildbearbeitung, Text schreiben, Schlagwörter auswählen und Veröffentlichung beginnt die Arbeit für ihn erst richtig.

20 bis 25 Stunden investiert Wagner wöchentlich in Instagram-Karriere

20 bis 25 Stunden investiert Wagner pro Woche in seine Instagram-Karriere. Neben seinem Hauptberuf bei einem Network-Marketing-Unternehmen. Viel geht es dabei darum, aktiv Instagram-Nutzer zu finden, die ihm folgen.

Dafür sucht er Nutzer mit ähnlichem Interesse, kommentiert ihre Beiträge und markiert sie mit der Gefällt-mir-Funktion. Gut 200 Nutzer gewinnt Wagner so pro Tag hinzu - und will weiter wachsen. 50.000 Follower bis Ende 2019 sind sein Ziel.

Interessant ist Wagner für Firmen schon länger – besonders seit er die Marke von 10.000 Nutzern geknackt hat, die ihm folgen. Uhren, Kleidung und ähnliches bieten ihm Unternehmen an, um sie vorzustellen.

„Ich will nicht, dass der Account massenhaft Geld abschmeißt“, sagt Wagner. „Ich mache nur Werbung für Produkte, wenn sie wirklich zu mir passen. Sonst macht das auch keinen Sinn.“

75 Euro für ein 15-sekündiges Video

75 Euro erhielt Wagner beispielsweise für ein 15-Sekunden-Video von einem Produkt. „Man mag jetzt sagen, dass das einfach verdientes Geld ist. Aber den Aufwand, so groß zu werden, muss man mit einbeziehen.“

Wann Wagner neue Bilder veröffentlicht, ist durchgeplant und basiert auf der Auswertung von Statistiken. Dienstags, donnerstags und sonntags gibt es um 19.30 Uhr Neues von ihm. Auch die Zeit davor und danach ist geblockt für Vorbereitung und anschließende Interaktion mit den Nutzern.

Kalkulation ist alles: Mit dem Wechsel-Outfit zum Shooting

Um auf die hohe Zahl von Fotos zu kommen, muss Wagner genau kalkulieren, ob sich ein Shooting mit dem gesamten Aufwand lohnt. Damit das überhaupt so ist, nimmt er stets ein Wechsel-Outfit mit. Vier Fotos ergibt so ein Trip zusammen mit einem Fotografen: an zwei Orten mit zwei verschiedenen Outfits.

„Es ist wirklich viel Arbeit, doch ich liebe das, was ich mache, über alles“, sagt Wagner. Wohin es mit seinem Account geht, weiß er noch nicht.

Demnächst soll für ihn zunächst einmal ein Studium anstehen – am liebsten im Bereich Wirtschaft. Ein Bereich, in dem er sich durch seinen Instagram-Hintergrund mit Zahlen und Strategien gut auskennen dürfte.

Lesen Sie jetzt

Ruhr Nachrichten Lehrschwimmbecken Stockum

Kirsten Schulz hat 5000 Kindern Schwimmen beigebracht: „Lehrschwimmbecken-Aus ist Katastrophe“