Die Verkäufer legen sich auf dem Kram-Markt mächtig ins Zeug, um ihre Waren, hier einen Fugenkratzer, unters Volk zu bringen. © Jörg Heckenkamp
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Tradition Kram-Markt in Werne: „Schon mit der Muttermilch aufgesogen“

Der Kram-Markt gehört zu Sim-Jü wie Zuckerwatte und rasante Karussell-Fahrten. Ein Besucher sagt lachend: „Kram-Markt - den hat man schon mit der Muttermilch aufgesogen.“

Der Dienstagmorgen an Sim-Jü gehört den Händlern. Im östlichen Teil der Innenstadt, von Bonenstraße bis zum Kino und vom Bült bis zum Stadthaus, haben die Kram-Markthändler ihre Stände aufgebaut. Viele kommen schon seit Jahren, wie etwa Frank Lensig vom Markthandel Nientidt aus Selm.

„Die Leute lieben unsere Produkte“

„Wir sind seit 15 Jahren dabei und die Leute lieben unsere Produkte“, sagt er voller Überschwang. Aber eigentlich gibt‘s nur ein Produkt: Spülmaschinen-Tabs. „130 Stück für 10 Euro“, sagt er, „die Leute kommen jedes Jahr und kaufen“. Offensichtlich läuft das Geschäft gut, denn der Händler aus Selm ist gleich mit zwei Ständen auf dem Kram-Markt vertreten.

Zu den Stammgästen des Kram-Marktes, der am Dienstag um 8 Uhr etwa ruhiger als in den Vorjahren begann, gehören auch Hedwig Wellmann und ihre Tochter Silvia Schulze Langenhorst. „Wir kaufen jedes Jahr am Messerstand und bummeln dann hier durch“, sagt die Tochter. „Und anschließend geht‘s noch über die Kirmes, wir wollen da noch was essen“, ergänzt die Mutter.

Auch Brigitte und Nobert Gottschlich aus Werne können sich eine Sim-Jü-Kirmes ohne Kram-Markt-Bummel nicht vorstellen. „Das hat man ja quasi mit der Muttermilch aufgesogen“, sagt Norbert Gottschlich und lacht. Das Ehepaar bummelt gerne zwischen den Ständen durch, lässt sich inspirieren von dem Angebot.

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Bummel über den Kram-Markt

Beim Sockenseppl gegenüber des Capitol-Kinos ist das Paar fündig geworden. „Warme Füße zaubern ein Lächeln ins Gesicht“, unterstützt der Verkäufer mit einem flotten Spruch die Kaufabsicht. „Später gehen wir noch über die Kirmes, ein Bierchen trinken“, sagt Norbert Gottschlich. Die beiden haben Zeit, sind Rentner. „Aber auch früher, als wir noch im Beruf waren, sind wir am Dienstag immer zum Kram-Markt gekommen“, sagt Brigitte Gottschlich.

Margret und Bernd Sänger tragen einen Leinenbeutel mit sich, in dem sie schon einige Einkäufe gebunkert haben. „Ich habe schon einiges an Backzubehör gekauft“, sagt sie und zeigt einen Silikon-Schaber und eine Tortenplatte. „Und ich einen Rasierpinsel“, ergänzt er lächelnd und präsentiert den Kauf. Ob sie später noch eine Runde über die Kirmes drehen ist noch unklar: „Vielleicht mit den Enkeln“, sagt Margret Sänger.

Kram- ohne Viehmarkt

  • In den 1930er- und 1940er Jahren galt der Kram- und Viehmarkt in Werne als einer der größten Tiermärkte in ganz Westdeutschland.
  • Seitdem hat die Bedeutung des Tierhandels kontinuierlich abgenommen.
  • In den vergangenen Jahren waren nur noch einige Tiere als Erinnerung an alte Zeiten ausgestellt.
  • Das hatte am Schluss die Firma Mecke gemacht, die durch den Tierquäler-Skandal in Verruf geraten ist und dieses Jahr auf die Ausstellung von Tieren verzichtete.
  • So findet erstmalig ein Kram- ohne Viehmarkt statt.
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Redaktion Werne
Jeden Tag Menschen hautnah - nichts ist spannender als der Job eines Lokalredakteurs. Deshalb möchte ich nichts anderes machen - seit mehr als 35 Jahren.
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Jörg Heckenkamp