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Bei Konditor Telgmann lebt man echte Kaffeehauskultur: Einziges Traditionscafé in Werne

rnTraditionscafé in Werne

Traditionscafés, in denen es selbst hergestellte Torten und Kuchen vom Konditor gibt, gibt es in vielen Städten seltener. In Werne gibt es mit der Konditorei Telgmann nur noch eine Adresse.

Werne

, 22.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Zwei junge Frauen Mitte 20 kommen in das Café. Sie setzen sich ganz bewusst in eine Sitzecke im vorderen Bereich des Cafés, nicht in den hinteren Teil – dort, wo es viel moderner ist. Teresa Telgmann beschreibt eine Situation, die bezeichnend ist für einen aktuellen Trend.

„Die Menschen besinnen sich wieder auf das Traditionelle. Sie möchten etwas mit Herz und Tradition erleben“, sagt die 27-Jährige über den elterlichen Betrieb. Die Menschen sind bereit, für gute Qualität mehr Geld auszugeben. Das gilt für ein gutes Stück Fleisch genauso wie für ein gutes Stück Torte.

Wohlfühlfaktor steht im Vordergrund

Auch die Kunden der Konditorei Telgmann greifen gern tiefer in die Tasche. „Wer hier für 2,45 Euro eine Tasse Kaffee trinkt, erwartet aber auch einen gewissen Service“, erklärt Friedrich Telgmann, Inhaber der Konditorei.

Wer sich in das Café von Telgmann in der Steinstraße setzt, der soll deshalb auch einen gewissen Wohlfühlfaktor spüren. „Sie sollen sich verwöhnen lassen und sich hier in ruhiger Atmosphäre aufhalten können“, erklärt Teresa Telgmann. Und ihr Vater Friedrich ergänzt: „Es geht darum, ein Erlebnis zu verkaufen.“

Bei Konditor Telgmann lebt man echte Kaffeehauskultur: Einziges Traditionscafé in Werne

Das Café Telgmann ist ein beliebter Treffpunkt - nicht nur für Werner. © Jörg Heckenkamp (A)

„Echte Kaffeehauskultur“ kann es nur bei Konditoreien geben

Die Verantwortlichen des Familienbetriebs nennen das „echte Kaffeehauskultur“. Diese kann es nur bei Konditoreien geben, sagt Teresa Telgmann. Seit etwa 15 Jahren betreibt der Handwerksbetrieb auch eine weitere Filiale im Rewe-Supermarkt im Horne-Center.

Hier gibt es auch 30 Plätze in einem Café-Bereich mit Selbstbedienung. „Das ist eine ganz andere Zielgruppe“, sagt Teresa Telgmann. Hier möchte man zwischendurch einen Snack zu sich nehmen, vielleicht in Ruhe die Zeitung lesen.

Spezielle Atmosphäre

Ganz anders ist die Atmosphäre im Cafébetrieb am Hauptstandort an der Steinstraße. Für einige Stammkunden, die teilweise zweimal täglich kommen, sei das Café ein Treffpunkt. Hier wird geplaudert – die Kunden untereinander und mit den Mitarbeitern. „Es gibt eine gewisse Bindung zu den Kunden. Manche sagen tatsächlich: Telgmann ist meine Familie“, erzählt Teresa Telgmann.

Insgesamt 40 Mitarbeiter beschäftigt Telgmann an insgesamt drei Standorten. Die größte Herausforderung sei es, Fachkräfte zu finden, so Friedrich Telgmann. Aktuell sei man aber gut aufgestellt. Doch in einigen Jahren kann das schon anders aussehen.

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Bürokratie ist anstrengend

Von den insgesamt fünf Angestellten im Bäckerei-Betrieb seien vier Mitte bis Ende 50 Jahre alt, so Telgmann. Das Thema Personal sei auch ein Grund, warum die Familie nicht weitere Standorte öffnet. Anfragen aus Münster und Hamm habe man abgesagt, so Friedrich Telgmann. Die Kaffeehauskultur, die das Konzept ausmacht, sei nicht in Filialen so umzusetzen.

Eine weitere Herausforderung sei heute der hohe Grad an Bürokratie. „Es macht manchmal keinen Spaß mehr“, sagt Friedrich Telgmann. Etwa 30 Prozent seiner Arbeitszeit mache der „Papierkram“ aus, so der 54-Jährige.

Nachfolgefrage ist bei Telgmann schon geklärt

Stundenaufzeichnungen, Datenschutz, Lebensmittelrechte – oder die lückenlose Aufzeichnung der Kühltemperatur jedes einzelnen Geräts. Der Aufwand im Büro sei deutlich höher geworden, so Telgmann. Die Bürokratie würde viele Interessenten abschrecken, sich heute selbstständig zu machen, glaubt Tochter Teresa Telgmann, die Betriebswirtschaftslehre studiert.

Bei Telgmann hingegen ist die Nachfolgefrage schon längst geklärt. Sohn Peter (17), der zurzeit eine Ausbildung zum Konditor macht, möchte den Betrieb übernehmen. Das Haus Telgmann, das es schon seit 1870 gibt, wird es wohl noch viele weitere Jahre geben. Und damit auch zumindest ein traditionelles Café in der Innenstadt.

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