Corona und der digitale Unterricht: „Es gibt noch viele Probleme“

Pandemie

Lernen zu Hause, Corona-Präsenzunterricht: Pandemiebedingungen werden Schulen noch länger beschäftigen. Wie klappt es bisher? Die Antwort im Kreis Unna lautet derzeit leider: „So mittel“.

Kreis Unna

, 26.03.2021, 05:55 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der Fröndenberger Fatih Asil ist Bezirksschülersprecher im Kreis Unna. Stellverstretend für die Schülerschaft im Kreis stellt er fest: Vieles läuft bereits gut, was Digitalunterricht angeht. An vielen Stellen gibt es aber auch noch Verbesserungsbedarf.

Der Fröndenberger Fatih Asil ist Bezirksschülersprecher im Kreis Unna. Stellverstretend für die Schülerschaft im Kreis stellt er fest: Vieles läuft bereits gut, was Digitalunterricht angeht. An vielen Stellen gibt es aber auch noch Verbesserungsbedarf. © Archiv

Wie läuft der Online-Unterricht? Wie zufrieden sind Lehrer, Eltern und vor allem Schüler mit dem Lernen unter Corona-Bedingungen? Die Einschätzung hängt vor allem von der jeweiligen persönlichen Situation ab. Meinungserhebungen für den Kreis Unna zeigen: Vieles funktioniert inzwischen gut, an vielen Stellen muss sich die Schullandschaft aber auch noch dringend entwickeln.

Bezirksschülersprecher: „Es läuft, aber...“

Der Online-Unterricht sei schon sehr weit fortgeschritten, erklärt Fatih Asil, Bezirksschülersprecher für den Kreis Unna. Bei einem digitalen Austausch der Schülervertretungen im Kreis sei herausgekommen, dass immer mehr Schulen einheitliche Plattformen zur Vermittlung von Lerninhalten nutzten. An vielen Schulen seien „mittlerweile auch ein paar Endgeräte für Schülerinnen und Schüler mit Bedarf angekommen“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Jedoch mussten wir auch feststellen, dass es noch viele Probleme gibt.“

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Es gebe immer noch Schulen, die über keine stabile Internetverbindung verfügen. Eine solide Verbindung ist unerlässlich, unter anderem für Videokonferenzen. Keine gute Anbindung über WLAN: Es gebe keine Schule im Kreis Unna, die von solchen oder ähnlichen Problemen nicht in irgendeiner Form betroffen wäre, so Asil: „Irgendwo hakt es immer.“

Nicht ausreichend Computer für Bedürftige

Ebenso wichtig wie ein gutes Netz sind Computer für alle, damit sie teilnehmen können. Häufig gebe es nicht ausreichend Geräte für bedürftige Schüler. Dies sei beispielsweise am Förderzentrum Nord in Lünen der Fall, so Bezirksschülersprecher Asil. Er und seine Mitstreiter nehmen zur Kenntnis, dass die jeweiligen Schulträger an dem Thema „dran“ sind. Doch wenn die Kapazitäten bisher nicht ausreichen, dann müssten die Schüler darunter leiden.

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Ein weiteres Thema, das die Schüler beschäftigt, sind unterschiedliche Kenntnisstände bei den Lehrern. Einige Schüler berichteten von Problemen in der Weiterbildung der Lehrkräfte, so Asil. Es komme häufig vor, dass die Lehrkräfte mit den von der Schule ausgewählten Programmen nicht zurechtkämen und auf selbst gewählte Plattformen zurückgriffen.

Lehrer nicht ausreichend fortgebildet

Die Folge sei ein „Durcheinander“ an vielen Schulen. Die Schüler regen nun Schulungen für Lehrkräfte an. Ein Teil der Problemlösung könnte vom Kreis Unna kommen: Das Regionale Bildungsnetzwerk und das Media-Lab Kreis Unna starten eine Reihe von Austausch-, Workshop- oder Vortragsterminen für Lehrer, wie der Kreis kürzlich mitteilte.

Es ist nicht alles schlecht, aber es gibt Nachholbedarf. So lassen sich auch Ergebnisse einer Umfrage unseres Verlags zusammenfassen. Schüler, Eltern und Lehrer konnten ihre Einschätzungen zum digitalen Schulbetrieb abgeben. Teilnehmende Lehrer bewerteten ihren eigenen digitalen Unterricht tendenziell etwas besser, als es Schüler für den Unterricht taten, den sie erleben.

Umfrage: Politik muss mehr tun

Die nun veröffentlichte Einschätzung der Schülervertreter zum Fortbildungsstand würden viele Lehrer wohl selbst unterschreiben: Auf unsere Frage, ob sie sich für den digitalen Unterricht genügend ausgebildet fühlen, antwortete mehr als die Hälfte der teilnehmenden Lehrkräfte (41 von 69) mit „nicht wirklich“ oder „Ich habe mir alles selbst erarbeitet“.

Die Umfrageteilnehmer sehen insgesamt „die Politik“ in der Pflicht, um die Situation zu verbessern. „Tut die Schule genug, um einen guten digitalen Unterricht zu ermöglichen?“: Diese Frage beantwortete mehr als die Hälfte mit „ja“ oder zumindest „eher ja“ (138 von 217). „Tut die Politik genug?“ Hier sagten 29 Teilnehmer „ja“ oder „eher ja“, dafür 158 „nein“ oder „eher nein“.

CO2-Ampeln – diese wurde ehrenamtlich in der „UN-Hackbar“ in Unna gefertigt – können praktische Hinweisgeber sein: Wird die Raumluft schlecht, muss gelüftet werden.

CO2-Ampeln – diese wurde ehrenamtlich in der „UN-Hackbar“ in Unna gefertigt – können praktische Hinweisgeber sein: Wird die Raumluft schlecht, muss gelüftet werden. © Archiv

Sorge um Gesundheit wegen Schulöffnung

Nach dem rein digitalen Lernen daheim gab es nun auch wieder Wechselunterricht mit Präsenz – auch nicht unproblematisch, so die Bezirksschülervertretung: Viele Schüler sähen ihre Gesundheit durch geöffnete Schulen gefährdet, so Sprecher Fatih Asil. Es fehle oft an strikten Plänen zur Kurs- und Klassentrennung. An vielen Schulen würde in Unterrichtsräumen auf Hygieneregeln geachtet, aber alle Schüler müssten dann zur Pause gleichzeitig durch das zu enge Treppenhaus auf den zu kleinen Schulhof. Der Bezirksschülersprecher fordert eine bessere Organisation und einen festen Plan für alle Schulen.

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Außerdem würden sich viele Schüler den Einsatz von CO2-Meldern wie beispielsweise an der Gesamtschule Fröndenberg wünschen, da dadurch das Lüften und die Aerosolbildung gut kontrolliert werden könnten.

„Zusammenfassend lässt sich festhalten“, so Asil, „dass es an den Schulen im Kreis Unna zwar ,läuft‘, aber dass es in vielen Bereichen noch Handlungsbedarf gibt, um den Bildungsstandard und die Chancengleichheit landesweit zu wahren und die Gesundheit der Schüler/innen und ihrer Familien nicht zu gefährden.“

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