Veronika Buck erinnert sich an Fahrt im Pengel Anton

Evenkamp-Serie

Die Zugfahrt nach Walstedde war für Veronika Buck (81) immer ein großes Erlebnis. „Meine Schwester Lore war dort im Pflichtjahr und mein Vater und ich fuhren mit dem Zug dorthin.“ Sie erzählt in der Evenkamp-Serie von der Fahrt mit der Kleinbahn Pengel Anton.

WERNE

, 01.08.2017, 13:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Veronika Buck erinnert sich an Fahrt im Pengel Anton

Eine Fahrt mit der Kleinbahn machte Heidelore Fertig-Möller 1983 mit ihrer Tochter Alexandra (1) nach Ermelinghof, heute Bockum-Hövel. (Der kleine Spielzeug-Elefant ihrer Tochter fiel dabei auf den Bahnsteig). Die Dampflok, die noch Veronika Buck kennenlernte, wurde in den 1970er-Jahren gegen die Diesellok eingewechselt.

Das erste Stück von Werne nach Ermelinghof legten die beiden im „Pengel Anton“ zurück – wie die Leute die Kleinbahn zur Personenbeförderung auf der Zechenbahnlinie nannten.

„Die Holzbänke waren ganz hart“, erinnert sie sich. Es war laut und zugig. Die Haltestellen waren an der Lippestraße, Bauer Schulze Berge, in Stockum am Kraftwerk (heute hat im dem Alten Bahnhof der Heimatverein Stockum sein Domizil gefunden), Bockum, Hövel und Ermelinghof war Endstation. Dort stiegen sie in den Zug nach Walstedde auf der Anschlussstrecke Münster-Hamm ein.

"Sie hatte so großes Heimweh."

Von zu Hause brachte sie ihrer Schwester Obst und Brot mit, das ihre Mutter eingepackt hatte. „Eines Tages allerdings mussten wir meine Schwester wieder mit nach Hause nehmen“, erzählt sie. „Sie hatte so ein großes Heimweh.“

Passanten winkten Die Bahnlinie, längst stillgelegt und seit zwei Jahren zu einem Fahrradweg ausgebaut, führte mitten durchs Wohngebiet der Bergarbeitersiedlung, eng an den alten Zechenhäusern vorbei. Der Personenbahn winkten die Passanten gerne zu, aber wenn die Dampflok mit den Kohlewagen vorbeifuhr, dann war es Zeit, die Wäsche hereinzuholen.

„Die Sachen wurden sonst ganz schwarz“, erinnert sich die Zeitzeugin. Die Lok durfte den Dampf auch erst im  interen Teil der Lippestraße, in der Kolonie, ablassen und nicht vorne bei den Steigerhäusern. Sie wohnte mit ihren Eltern und ihren Geschwistern Lore und Hans in der Georgsmarienstraße in einem Zechenhaus mit einem kleinen Stall und Nutzgarten.

„Erst 1964 wurden hier Toiletten eingebaut“, erzählt sie, wie die Häuser dann in den Siebziger Jahren privatisiert wurden und der Bergbau die Häuser verkaufte. „Willi Lülf machte meinem Vater damals das Angebot. Wir hätten das Haus für 30.000 Mark kaufen können.“ Lülf war einst Obersteiger in Werne. Doch ihr Vater wollte sich die Belastung nicht mehr ans Bein binden. Erste Frau mit Führerschein Veronika wechselte später in die Stadt und nahm eine Lehrstelle beim Bäcker Südfeld an der Marktstraße an.

Buck saß nur noch hinterm Steuer und brachte Kuchen und Brote

„Ich dürfte wohl 1953 die erste Frau in Werne gewesen sein, die einen Führerschein hatte.“ Wenn in der Bäckerei kein Fahrer zu finden war, dann musste sie hinters Lenkrad.  Irgendwann saß Veronika Buck nur noch hinterm Steuer und brachte Kuchen und Brote rum. Als sie dann bei der Fahrschule Brümmer den Führerschein machen wollte, meinte der Fahrlehrer: „Was soll ich Ihnen denn beibringen, Sie können doch schon Auto fahren.“

Die Evenkamp-Serie
Die Kolonie im Evenkamp: Als der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein (Osnabrück) 1911 die Zechensiedlung baute, nahm die Bevölkerung in der alten Bauerschaft explosionsartig zu. Aufgrund der Einwanderungswelle der Bergarbeiter entwickelte sich eine Infrastruktur – um die die jetzigen Evenkämper die früheren Bewohner heute noch beneiden.

Mit dem jüngsten Abriss der 100 Jahre alten Weihbachschule an der Stockumer Straße ist wieder ein Stück Evenkamp verloren gegangen. Aus diesem Anlass blicken wir auf die Geschichte der einstigen Kolonie zurück und stellen in loser Reihenfolge Zeitzeugen der Bergarbeitersiedlung vor.

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