Radfahren in Werne

Video: Job als radelnder Bote in Werne kommt Uwe Henkels Gesundheit zugute

Wenn jemand Spaß an seiner Arbeit hat, ist das gut. Wenn er damit zudem etwas für seine Gesundheit gut, ist das besser. So geht es Uwe Henkel, dem radelnden Briefzusteller in Werne.

Uwe Henkel, 49, verheiratet, eine erwachsene Tochter, ist Zusteller beim privaten Post-Dienstleister Brief und mehr. Als einer von mehreren Boten in der Lippestadt sorgt er dafür, dass die Post pünktlich bei den Adressaten ankommt. Er ist im nördlichen Bereich Wernes unterwegs. Rund um Goerdelerstraße, Fürstenhof bis zu Capeller Straße. Immer mit dem Rad. „30 Kilometer mache ich im Schnitt pro Schicht“, sagt Henkel.

An den Job als Briefzusteller ist er quasi auf ärztliche Empfehlung gekommen. Aber fangen wir von vorne an. Henkel lebt in Hamm-Heessen, hat Industriemechaniker gelernt und auf Zechen in Hamm und Umgebung gearbeitet. „Schon damals bin ich viel mit dem Rad zur Arbeit gefahren“, wirft er ein.

Wegen eines Rückenleidens musste er den Job auf der Zeche aufgeben. Er hat dann eine Anstellung in einem Betrieb in Ahlen gefunden, doch auch das ging aus gesundheitlichen Gründen nicht gut. Gegen sein Rückenleiden sei Fahrradfahren gut geeinigt, riet ihm der Doktor. „Tja“, nimmt es Henkel lakonisch, „ich konnte also ins Fitness-Studio gehen oder einen Job mit Fahrrad machen.“

Da hat er sich doch gleich für den Job des radelnden Briefboten entschieden. „Ich kenne mich doch“, sagt er und zwinkert mit dem Auge, „ins Fitness-Studio wäre ich doch nicht regelmäßig gegangen.“ Zur Arbeit aber muss er. Täglich, fünf Mal die Woche, um sieben Uhr geht‘s los. „Wir starten am Depot an der Lippestraße in Werne“, sagt er.

Zwischenfrage: Wie kommt er von Hamm-Heessen dorthin? „Mit dem Roller“, sagt Henkel, „das wäre mir nun doch zu viel, das auch noch mit dem Rad zu fahren.“ Erst am Depot weiß er, wie lange er an diesem Tag arbeitet. „Das richtet sich nach dem Post-Aufkommen.“ Mal sind es vier, mal sechs Stunden. Henkel wird nach Mindestlohn und geleisteten Stunden bezahlt.

Er ist zufrieden, die Arbeit macht ihm Spaß. „Ich fahre wirklich gerne Fahrrad, auch in der Freizeit. Außerdem tut es mir gut“, sagt er und zeigt auf seinen Rücken. Mehr als ein Jahr übt er den „Gesundheits-Job“ schon aus. Wie sieht‘s aus, wenn Regen angesagt ist? So wie heute, am Tag des Interviews? Henkel kramt hinten in der feuerroten Box und holt Regenjacke und -hose hervor. „Die stellt der Arbeitgeber. Die ziehe ich einfach über, das geht dann gut.“ Die Transportbehälter an seinem Rad sind gut gegen Regen geschützt.

Apropos Rad. Die knallroten Räder von Brief und mehr fallen nicht nur ins Auge, sie sind auch eigens auf die Bedürfnisse der Zustellung eingerichtet. Etwa die vorne angebrachte Ständer-Anlage, die Henkel mit einem Fuß bedienen kann, um schnell vom Rad runter zum Briefkasten oder Kunden kommen zu können.

Oder der spezielle Antrieb des E-Bikes. Henkel weist nach unten in Richtung Tretlager und linkes Pedal. Hinter einer runden, schwarzen Abdeckung findet sich der Motor. Der zugehörige Akku sieht aus wie eine Thermoskanne und ist quer unterm Gepäckträger eingebaut. Drei Fahrstufen stehen Henkel zur Verfügung. „Der Akku reicht immer für eine Schicht.“

Zwei Dinge machen dem Rad-Enthusiasten das Arbeitsleben schwer. „Die Radwege hier in Werne sind nicht besonders“, sagt er. Zweitens nervt es ihn, wenn Grundstücksbesitzer ihre Hecken schneiden und den dornigen Grünschnitt nicht ordentlich entfernen. „Das fährt man dann in die Dornen und hat einen Platten.“

Aber auch für solche Fälle hat sein Arbeitgeber vorgesorgt. „Ich rufe dann im Depot an und dann kommt der Reparatur-Wagen.“ Entweder ist der Schaden schnell zu beheben, „oder ich bekomme ein Ersatzrad“. Dann geht‘s weiter. Die Werner wollen pünktlich ihre Post haben.

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Redaktion Werne
Jeden Tag Menschen hautnah - nichts ist spannender als der Job eines Lokalredakteurs. Deshalb möchte ich nichts anderes machen - seit mehr als 35 Jahren.
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Jörg Heckenkamp