Volkstrauertag in Werne stand im Zeichen von Paris

Anschläge und Flüchtlinge als Thema

Die Schrecken des Krieges waren bei einem Volkstrauertag schon lange nicht mehr so greifbar wie in diesem Jahr. Die beiden Hauptredner der zentralen Werner Gedenkveranstaltung blickten auf die Terroranschläge in Paris - und den Umgang mit den Flüchtlingen in Werne. Hier gibt es Fotos und die Reden im Wortlaut.

WERNE

, 15.11.2015, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Volkstrauertag in Werne stand im Zeichen von Paris

Die Reservisten aus Werne legen ihren Kranz nieder.

Die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Werne war am Sonntagvormittag im Alten Rathaus am Marktplatz. Die Kranzniederlegung folgte nach einem Schweigemarsch über die Steinstraße am Ehrenmal im Steintorpark. Rund 150 Menschen nahmen teil. 

Worte stünden immer am Anfang eines jeden Krieges, sagte Pfarrer Alexander Meese, einer der beiden Hauptredner: „Worte voller Angst, Hass, Vorurteilen und Verleumdung.“ Darum sei es wichtig, gerade jetzt unter dem Eindruck der Anschläge in Paris nicht Ressentiments gegenüber Flüchtlingen zu schüren, die bei uns „Zuflucht, Sicherheit und Zukunft suchen. „Wir müssen darauf achten, dass wir mit unbedachten Worten nicht noch mehr Angst und sogar offenen Hass schüren. (...) Zu uns kommen Menschen, viele Menschen, aber keine Lawinen“, ergänzte er mit Verweis auf das Zitat von Finanzminister Wolfgang Schäuble. 

Auch für den anderen Redner, den stellvertretenden Bürgermeister Ulrich Höltmann (SPD), zeigt sich jetzt im Umgang mit den Asylbewerbern, von denen zurzeit 500 in Werne leben, wie ernst es dem Einzelnen ist mit seinen Werten: „Wenn wir den verzweifelten Bürgerkriegsflüchtlingen heute mit Kaltherzigkeit und Abschottung begegnen, brauchen wir uns die Attribute christlich und solidarisch nicht mehr anheften.“

4000 Vertriebene kamen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Werne

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren seien 4000 Vertriebene und Flüchtlinge, viele aus Schlesien, nach Werne gekommen: „Ein Viertel unserer ursprünglichen Bevölkerung.“ Mit einer großen, gemeinsamen Kraftanstrengung sei es gelungen, sie aufzunehmen – „allerdings keineswegs freundlich“, gab er zu bedenken. Heute sei die Hilfsbereitschaft größer. 

FOTOSTRECKE
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So war der Volkstrauertag 2015 in Werne

Nie wieder Krieg. Das stand auch 2015 zentral als Satz bei der Gedenkfeier am Volkstrauertag in Werne.
15.11.2015
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Die Reservisten der Bundeswehr haben den Zug zum Ehrenmal angeführt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Ulrich Höltmann hat im namen der Stadt den Kranz niedergelegt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Höltmann hat zur Solidarität aufgerufen - sowohl mit den französischen Nachbarn als auch mit den Flüchtlingen, die in Europa - auch in Werne - Schutz suchen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne endete die Gedenkveranstaltung.© Foto: Sylvia vom Hofe
Gemeinsam vor dem Ehrenmal.© Foto: Sylvia vom Hofe
Vertreter der Kommunalpolitik waren vertreten - aber längst nicht der gesamte Rat.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Reservisten aus Werne legen ihren Kranz nieder.© Foto: Sylvia vom Hofe
Im Steintorpark hat der Frauen-Klosterchor gesungen - erstmals bei dieser Veranstaltung.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das Technische Hilfswerk war ebenfalls vertreten.© Foto: Sylvia vom Hofe
In ihren blauen Uniformen folgten die Feuerwehrleute dem Zug.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Feuerwehr gedachte auch der Opfer von Krieg und Gewalt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Auch Vereine und Verbände hatten Abordnungen geschickt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Schützen jeder Generation waren am Sonntag unterwegs.© Foto: Sylvia vom Hofe
In die Trauer um die vor mehr als 70 Jahren Gefallenen mischte sich die Trauer um die Opfer der Terroranschläge in Paris.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege ist bei den Schützen lebendig.© Foto: Sylvia vom Hofe
In einem stummen Marsch zogen die Teilnehmer über die Steinstraße.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Schützenvereine waren mit verschiedenen Delegationen vertreten.© Foto: Sylvia vom Hofe
Vom Alten Rathaus am Marktplatz ging es zum Ehrenmal im Steintorpark.© Foto: Sylvia vom Hofe
Stürmisch war es am Volkstrauertag.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Freiwillige Feuerwehr folgte.© Foto: Sylvia vom Hofe
"Kleines Senfkorn Hoffnug" haben die Pläser zum Ende der Gedenkveranstaltung im Rathaus gespielt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Vereine hatten Fahnenabordnungen geschickt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Fast ausschließlich Mitglieder der Schützenvereine, der Feuerwehr und des THW sowie enige Ratsvertreter haben die Veranstaltung zum Volkstrauertag besucht. Interessierte Bürger waren kaum darunter.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der evangelische Pfarrer Alexander Meese hat in seiner Ansprache auf Dietrich Bonhoeffer verwiesen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Sängerinnen des Klosterchores sangen sowohl während der Gedenkstunde im Rathaus als auch bei der Kranzniederlegung.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Saal des Altenrathauses war gefüllt.© Foto: Sylvia vom Hofe
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„Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe leisten Erstaunliches“, ergänzte Meese. Es gäbe aber auch noch einiges zu tun: „Wir müssen Orte schaffen, wo sich Werner Bürgerinnen und Bürger und Flüchtlinge begegnen können, damit Ängste abgebaut werden“. Höltmann nahn aber auch die Flüchtlinge in die Pflicht: „Unsere Werte – Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Religionsfreiheit, Schutz von Minderheiten – stehen nicht zur Debatte.“

Jeder müsse bereit sein, aktiv mitzuwirken

Der Theologe Meese griff die Verwirrung vieler gläubiger Menschen auf, die angesichts von Brutalität, Willkür und Mordlust fragten, wie ein liebender Gott so etwas zulassen könne. Erklärungshilfe gab ihm dabei der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, den die Nazis ermordeten: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will“, zitierte Meese ihn. Wichtig sei aber, dass jeder Einzelne auch bereit sei, daran aktiv mitwirken zu wollen.

Die Gelegenheit dafür besteht jetzt mehr denn je, fügte Höltmann hinzu. Jedes Jahr appellierten die Redner beim Volkstrauertag, vor Gewalt und Not nicht die Augen zu verschließen, sondern mitzuwirken: "Jetzt haben wir dazu die Gelegenheit.“ Sicherlich könnten die Werner Bürger nicht die Probleme der Welt lösen, „aber denen, die es bis zu uns geschafft haben, können wir ein menschenwürdiges Leben ermöglichen“.

 

Hier die Rede von Pfarrer Alexander Meese im Wortlaut:

 

 

 

 

Hier die Rede des Stellvertretenden Bürgermeisters Ulrich Höltmann (SPD) im Wortlaut:

 

 

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