Volker Huelsekopf von der Firma Smartgas zeigt einen der Sensoren, die sich gerade auch in einem Modul des Mars-Rovers Perseverance befinden. © Volker Huelsekopf
Weltraum-Mission

Vom Arbeitstisch zum Mars: Nasa-Rover hat Technik eines Werners an Bord

Die Bilder, die der Nasa-Rover „Perseverance“ vom Mars geschickt hat, sind spektakulär. Sie geben Einblicke in eine fremde Welt. Und mit an Bord hat das Weltraum-Fahrzeug die Technik eines Werners.

Als der Nasa-Rover „Perseverance“ am 18. Februar 2021 auf dem Mars landet, sind Jubel und Erleichterung im Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena groß. Ganz ähnlich ist die Stimmung im Wohnzimmer von Familie Huelsekopf. Auch wenn dort nicht etliche Weltraum-Experten sitzen. Die Szene ist ein bisschen anders: Zwei Kinder in Nasa-Pullovern verfolgen gespannt per Livestream die Landung des Rovers, der nach mehr als 200 Flugtagen und einer Strecke von rund 470 Millionen Kilometern endlich an seinem Ziel angekommen ist: dem roten Planeten.

Mit einem riskanten Manöver setzt Perseverance in einem ausgetrockneten See namens „Jezero Crater“ auf. Es ist der Moment, in dem Volker Huelsekopf (43) klar wird: Da ist jetzt etwas auf einem fremden Planeten gelandet, das vor nicht allzu langer Zeit quasi noch auf seinem Tisch gelegen hat. „Seitdem schaue ich oft in den Nachthimmel und denke mir, dass das schon ziemlich cool ist. Das Teil wird ja nie vergammeln. Es bleibt für immer da oben.“

Sauerstoff-Fabrik auf dem Mars soll als Tankstelle fungieren

Huelsekopf, der in Werne aufgewachsen und inzwischen nach Heilbronn gezogen ist, hat natürlich nicht den Mars-Rover gebaut. Die von ihm mitgegründete Firma Smartgas hat allerdings Sensoren produziert, die Perseverance mit sich trägt. In einem Modul namens „Moxie“, das Sauerstoff aus der stark CO2-haltigen Marsatmosphäre extrahieren soll.

Falls das klappt, könnte es ein wichtiger Schritt für zukünftige Marsmissionen sein – womöglich sogar für bemannte. „Es gibt die Idee, dort dann eine autark arbeitende Fabrik zu platzieren, die Sauerstoff herstellt und ihn lagert“, erklärt der Diplom-Ingenieur.

Bilder wie dieses hat der Mars-Rover Perseverance hat die aktuelle Mars-Mission bereits geleifert.
Bilder wie dieses hat der Mars-Rover Perseverance bei der aktuellen Mars-Mission bereits geliefert. © NASA/JPL-Caltech/ASU/MSSS © NASA/JPL-Caltech/ASU/MSSS

Primär ist der Sauerstoff allerdings nicht zum Atmen gedacht, sondern soll zunächst als Treibstoff dienen. Der rote Planet als Tankstelle – das würde ein großes Problem lösen. Denn bislang ist ein Rückflug zur Erde nicht möglich, weil die dazu benötigte Treibstoffmenge schlichtweg zu groß ist, um sie mit zum Mars zu transportieren.

Aber wie kommt es, dass eine Behörde wie die Nasa ausgerechnet die Sensoren von Huelsekopfs Firma für die Mission auserkoren hat? Das liegt unter anderem daran, dass der Markt für Sensoren, die speziell dafür entwickelt wurden, Gase auf fremden Planeten zu untersuchen, relativ überschaubar ist. Genau genommen gibt es einen solchen Markt nicht. „Aber wenn es um Sensorik und Messtechnik geht, dann haben wir hier in Deutschland noch echt den Hut auf. Da sind wir gut aufgestellt. Das gilt nicht nur für unser Unternehmen, sondern für die ganze Branche“, sagt Huelsekopf.

„Die Sensoren wurden regelrecht gegrillt – aber sie haben standgehalten.“

Volker Huelsekopf

Es sei aber nicht so gewesen, dass plötzlich das Telefon geklingelt und sich jemand von der US-Weltraumbehörde am anderen Ende der Leitung gemeldet habe. Stattdessen habe eine Gesellschaft, die im Auftrag der Nasa agierte, bei dem Unternehmen in Heilbronn angefragt. Man wolle Gas messen und benötige dazu entsprechende Sensoren, habe es zunächst nur geheißen. Wohin die Reise einmal führen würde, sei da noch nicht direkt klar gewesen. Huelsekopfs Firma schickte daraufhin einige Muster-Exemplare in die USA. Und wartete auf Rückmeldung.

„Die Nasa hat unsere Sensoren auf eine Art und Weise getestet, wie wir es nie gemacht haben“, sagt der Ex-Werner und lacht. Laiensprachlich formuliert seien sie dort regelrecht „zerschnitten, gegrillt und eingeschmolzen“ worden. Alles, um die extremen Bedingungen zu simulieren, denen sie auf der Mission standhalten müssen: extreme Hitze – beim Eintritt in die Marsatmosphäre waren es rund 1300 Grad – sowie starke Vibrationen, Schwerelosigkeit und mehr.

Das Smartgas-Produkt erfüllte die Anforderungen – und davon war sogar Huelsekopf ein wenig überrascht: „Wir haben die Sensoren ja nicht für den Weltraum gebaut. Wir haben auch fest damit gerechnet, dass wir noch etwas umstellen und verändern müssen. Aber es hat auch so gereicht. Da sind wir schon ein bisschen stolz drauf.“

Einziger Wermutstropfen: Ob die Sensoren auch in der Realität auf dem Mars funktionieren, weiß der Diplom-Ingenieur noch gar nicht genau. Er stehe zwar in Kontakt zum Jet Propulsion Laboratory (JPL) – der Technikschmiede der Nasa -, doch selbst die könne es derzeit nicht sagen. „Das liegt daran, dass die Experimente nun der Reihe nach durchgeführt werden. Wir müssen uns also noch etwas gedulden“, erklärt Huelsekopf.

Bilder vom Mars „sind der Wahnsinn“

Bis dahin wird er sich mit dem Blick in den Nachthimmel begnügen müssen. Und mit dem, was er auf der Internetseite zur Marsmission zu sehen bekommt. Dort hält die Nasa die Öffentlichkeit stets auf dem Laufenden und hat bislang unter anderem Bilder von der Marsoberfläche präsentiert, wie sie noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Huelsekopf schmunzelt: „Die Bilder sind der Wahnsinn. Und das ist ein echtes Kunststück, was die Nasa da leistet. Aber ehrlich gesagt: Wenn ich die Rückmeldung bekomme, dass unsere Sensoren wirklich funktionieren, dann gibt es bei mir kein Halten mehr.“ Und dann ist die Stimmung im Wohnzimmer der Familie wahrscheinlich tatsächlich so wie in Pasadena.

Über den Autor
Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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