Rolf-Peter (72) hat keine Lust aufs triste Rentner-Dasein – und mischt beim Zwar-Projekt mit

rnZwar-Gruppen

Geschätzte 250 Werner oder mehr organisieren sich selbst im Projekt Zwischen Arbeit und Ruhestand (Zwar). Einer von ihnen ist Rolf-Peter Kaufmann. Warum ist er eigentlich dabei?

Werne

, 18.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Man könnte doch in einen Verein gehen. Oder sich einem Club anschließen. Oder eigenständig etwas organisieren. Oder den ganzen Tag Fernsehen gucken oder Kreuzworträtsel lösen. Das alles ist nichts für Rolf-Peter Kaufmann. Er macht mit bei Zwar. Und das aus verschiedenen Gründen.

Die Tür im gediegenen Eigenheim im Neubaugebiet Hustebecke öffnet ein grauhaariger, sportlich wirkender Mann in modischem T-Shirt und gut sitzender Jeans. Er könnte genau dem Zwar-Prototypen entsprechen: jemand, der auf das Ende seines Berufslebens zusteuert und nicht ins soziale Loch ohne Job fallen will.

Doch meine Annahme erweist sich schon bei den ersten Fragen als falsch. Als ich Kaufmann nach seinem Alter frage und wann er denn in Rente gehe, erstaunt mich die Antwort: „Da bin ich schon. Und ich werde 73.“ Gut gehalten, denke ich.

Wunsch nach sinnvoller Freizeitgestaltung bei Zwar erfüllt

Also kennt Kaufmann längst die Tücken der arbeits-losen Rentnerzeit. Ihn und Ehefrau Jutta (63) hat aber noch etwas anderes als der Wunsch nach sinnvoller Freizeitgestaltung am 14. März 2019 zur Zwar-Auftaktveranstaltung gezogen. „Wir leben noch nicht so lange in Werne und wollten Kontakte knüpfen“, sagt der 72-Jährige.

Rolf-Peter (72) hat keine Lust aufs triste Rentner-Dasein – und mischt beim Zwar-Projekt mit

Zeigt her eure (Wander-)Schuhe: Rolf-Peter Kaufmann (72) und Gattin Jutta (63) sind in der Zwar-Wandergruppe aktiv. © Jörg Heckenkamp

Die Kaufmanns wohnten lange Jahre in Baden-Württemberg. Familiäre Umstände verschlugen die Familie 2011 nach Werne. Rolf-Peter Kaufmann hat noch ein Jahr im Süden gearbeitet und eine Wochenend-Beziehung geführt, bevor er 2012 endgültig nach Werne übersiedelte. Die Kleinstadt gefiel ihnen, sie beschlossen zu bleiben. Auf die Mietwohnung folgte das eigene Haus im Neubaugebiet Hustebecke.

„Unsere Freunde und Bekannten hatten wir in Baden-Württemberg. Doch die Kontakte schliefen fast alle mit den Jahren ein.“ Anfang des Jahres lasen sie dann in der Zeitung den Bericht über die bevorstehende Zwar-Gründung. „Meine Frau und ich haben uns dann mit Herrn Höinghaus getroffen“, sagt der gelernte Werkzeugmacher, der zuletzt als Abteilungsleiter in einer großen Druckerei gearbeitet hat.

Jetzt lesen

Stadt war überrascht über die Resonanz auf Zwar

Herr Höinghaus – das ist Jochen Höinghaus von der Stadtverwaltung. Als Experte für Seniorenthemen koordiniert er von Anfang an den Zwar-Prozess in Werne. „Wir waren schon überrascht, auf welche Resonanz die Auftaktveranstaltung gestoßen ist“, sagt er.

Inmitten der mehr als 200 Interessenten findet sich an jenem Abend auch Ehepaar Kaufmann. Als es um Vorschläge für Aktivitäten ging, schlug Jutta Kaufmann Wandern vor. Rolf-Peter wollte eine Art Stammtisch zum Klönen. Andere Ideen waren Radeln, Fotografie-Gruppe, Doppelkopf spielen, gemeinsam Essen gehen. Der Zwar-Prozess nahm Fahrt auf.

Dreh- und Angelpunkt sind die 14-tägigen Treffen in der Cafeteria des Stadthauses. Dort kommen die Admins (Administratoren), also so etwas wie die Gruppen-Organisatoren, zusammen und tauschen sich aus, machen neue Vorschläge, diskutieren Probleme.

Wo kann die Klön-Gruppe regelmäßig tagen?

Rolf-Peter ist so ein Admin für die Klön-Gruppe. Das Anfangsproblem lautete: Wo treffen wir uns zum Quatschen? Die Teilnehmer wollten eine feste Anlaufstelle. Nach einigen Versuchen landete man schließlich im Stadthotel und Speisezimmer, dem ehemaligen Kolpinghaus. Rolf-Peter Kaufmann: „Der Wirt, Horst Nussbaum, hat uns total freundlich aufgenommen.“

Schnell war zudem die Frage des Rhythmus’ geklärt. Alle 14 Tage kommt die Klöngruppe zusammen, immer freitags in der ungeraden Kalenderwoche ab 18.30 Uhr. „Jeder kann kommen, keiner muss sich anmelden“, sagt Kaufmann. Wer verhindert sei, müsse sich nicht abmelden. Da ist sie wieder, die Unorganisiertheit, die die Zwarler offensichtlich so schätzen.

Vereine haben feste Strukturen, Zwar nicht

„Wenn ich in einem Verein bin, gibt es feste Strukturen, bestimmte Vorstandsposten, klare Termine, an denen ich teilnehmen soll“, sagt Kaufmann. Bei Zwar sei das anders. „Wir haben einige Wohnmobilisten dabei, die viel unterwegs sind. Die kommen zu den Treffen, wenn sie da sind und Lust haben. Das ist völlig in Ordnung so“, erzählt der Pensionär.

Jutta Kaufmann gesellt sich zu unserem Gespräch im Wohnzimmer des Ehepaars an der Hustebecke. „Das Ungezwungene ist das Positivste von allem“, sagt sie. „Man kann alles ausprobieren, alles ist offen.“

Und was ist mit dem Knüpfen von Kontakten? Das war ja schließlich ein Beweggrund für die Kaufmanns, sich bei Zwar zu engagieren. „Wir haben tolle Leute kennengelernt“, sagt er. „Wir haben schon sehr liebenswerte Bekannte getroffen“, sagt sie.

Aus Zwar heraus entstanden private Kontakte

Das führte dazu, dass man sich schon privat getroffen habe. Einige Frauen beispielsweise hätten etwa eine Shopping-Tour in Münster unternommen, sagt Rolf-Peter Kaufmann. Demnächst möchte er in andere Angebote hineinschnuppern. „Pool-Billard oder Doppekopf, das würde mich interessieren“, sagt er.

Und was ist mit denen, die noch im Berufsleben stehen, sich allmählich auf den Ruhestand vorbereiten wollen? Die rechtzeitig vorbauen wollen? „Für die ist es natürlich nicht ganz so einfach wie bei mir, an den Terminen teilzunehmen“, sagt Rentner Rolf-Peter.

Aber die Treffen und Termine starteten in der Regel nicht vor 17 Uhr, „sodass auch Berufstätige ganz gut erscheinen könnten“. Beispielsweise bei der Klöngruppe. Nächstes Treffen ist am Freitag, 27. September, um 18.30 Uhr im Restaurant im Kolpinghaus. Rolf-Peter Kaufmann: „Wer Lust hat, kommt einfach vorbei.“

Ganz unbürokratisch. Eben Zwar.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt