Was Werner Türken über das Referendum denken

Wahlen über Präsidialsystem

Es ist in aller Munde: das Referendum in der Türkei. Auch die in Deutschland lebenden Türken hatten die Möglichkeit, ihre Stimmen dazu abzugeben. Wir haben nachgefragt, ob die mitunter angeheizte Stimmung bei diesem Thema auch in Werne zu spüren ist.

WERNE

, 10.04.2017, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über 1,4 Millionen wahlberechtigte Türken leben in Deutschland. Bis Sonntagabend machten 49 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

Wir haben zwei in Werne lebende Türken gefragt, wie sie das Referendum, die Lage in der Türkei und die Rolle Erdogans beurteilen.

Cafer Yilmaz: Zu viel Macht für einen?

Cafer Yilmaz (Mitte) beispielsweise betont, dass man nicht schwarz und weiß malen darf: „Ich bin hier geboren und besuche die Türkei eigentlich nur im Urlaub. Man sieht aber regelmäßig, welche Fortschritte Erdogan gebracht hat: Infrastruktur, Kindergärten und so weiter. Das muss man auch sehen.“

Aber, und hier mahnt er zur Vorsicht, „man sollte sich zweimal überlegen, ob man einem einzigen Menschen so viel Macht geben will, weil wir wissen, dass das schief gehen kann“.

Als ein generelles Problem bei der Darstellung des Themas in der Öffentlichkeit nennt er eine gewisse Verdrossenheit: „Die EU gibt es seit 60 Jahren, über den Beitritt der Türkei wurde lange verhandelt. Jetzt gibt es einen Kurswechsel und die Türkei macht ihr eigenes Ding, vielleicht auch, weil die Geduld dort vorbei.“ Allerdings hält er die Nazi-Beschimpfungen für unverhältnismäßig: „Die Keule kommt immer, wenn man sonst keine Argumente findet.“

Ali Karaman: "Die gesunde Diskussion fehlt"

Ali Karaman sieht die Wahl in einem ganz anderen Licht. „Hier geht es um ein System, aber die Diskussion beschränkt sich auf eine Person, das ist zu eng gefasst.“ Denn: „Früher hatten wir ein sehr instabiles Parlament in der Türkei, nicht wie hier in Deutschland. Rundherum knallt es aber überall. Da wünscht man sich einen stabilen, politischen Kurs und der wird durch die Art des Systems beeinflusst.“

Deshalb fühlt er sich bei der Wahl auch hin und her gerissen: „Natürlich ist es schwierig, wenn nur eine Person so viel Macht hat. Allerdings wird es weiterhin eine Opposition geben und Erdogan bleibt nicht ewig Präsident, das verstehen viele nicht.“

Grundsätzlich habe aber eine gesunde Diskussion gefehlt: „Wir haben jetzt nur zwei Fronten: dafür oder dagegen. Gleichzeitig kennen viele nicht einmal den Inhalt dessen, worüber entsprechend abgestimmt wird. Ein 'Ja' wird als Heldentat gefeiert, die anderen werden als Verräter bezeichnet. So etwas ist einfach falsch.“

Zu seinem Bedauern habe die teils engstirnige Diskussion ernste Folgen: „Freundschaften stehen deswegen auf der Kippe, auch weil manche Leute einfach nicht die Meinung der anderen akzeptieren wollen.“

 

Für beide steht allerdings eindeutig fest: „Wählen ist Pflicht.“ 

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