Weil China Fleisch in rauen Mengen kauft, steigen in Werne die Preise

rnFleischerei Thiemann

Die Chinesen kaufen in rauen Mengen Fleisch auf den Weltmärkten. Sie zahlen ohne mit der Wimper zu zucken höhere Preise. Das hat Auswirkungen auf die Verbraucher-Preise in Werne.

Werne

, 03.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Grund, warum China so viel Fleisch aus aller Welt exportiert: Dort grassiert schon seit längerem die Afrikanische Schweinepest. In Medienberichten ist davon die Rede, dass dort bis zu 200 Millionen Schweine getötet werden müssen. Selbstverständlich dürfen sie nicht verzehrt werden.

Die Aufkäufer aus dem Reich der Mitte zahlen „eigentlich jeden Preis, der aufgerufen wird“, sagt Fleischermeister Michael Thiemann (49) von der gleichnamigen Fleischerei an der Selmer Straße. Das hat Auswirkungen bis „in meinen kleinen Betrieb“. Die Preise steigen.

Preis fürs Stielkotelett steigt von 6 auf 7,50 Euro

Hat Anfang des Jahres bei ihm ein Kilo Stielkotelett noch 6 Euro gekostet, ist der Preis aktuell auf 7,50 Euro geklettert. Das Gleiche gelte für fast alle Waren in seiner Produktpalette. Anfang des Jahres habe Verarbeitungsfleisch, aus dem er Wurst mache, bei „2 Euro fürs Kilo gelegen. Jetzt liegen wir bei 3,80 Euro“. Immerhin: „Ich bekomme noch alles, was ich brauche“, sagt Thiemann. Das ist in Metzgereien in anderen Städten nicht mehr unbedingt der Fall.

Weil China Fleisch in rauen Mengen kauft, steigen in Werne die Preise

Schon im Mai 2019 unterrichte ein Großhändler über die anstehende Preisentwicklung nach oben. © Jörg Heckenkamp

Thiemann arbeitet mit drei großen Lieferanten zusammen. Einer von denen hatte ihn schon im Mai per Rundschreiben über die prekäre Situation auf dem Fleischmarkt informiert. Jüngst trudelte bei ihm ein erneutes Schreiben des Händlers ein, das die angespannte Lage noch einmal bestätigte.

Ein solches Schreiben habe Thiemann einige Monate in seinem Verkaufsraum ausgehängt gehabt. „Die Leute haben sich das tatsächlich durchgelesen. Fast alle hatten Verständnis“, sagt der zweifache Familienvater, der insbesondere mit Stammkunden über das Preis-Problem gesprochen habe.

Preise steigen wegen der hohen Nachfrage aus Fernost

Der Preissprung fällt möglicherweise auch deswegen so happig aus, weil es nicht nur die deutlich gestiegene Nachfrage aus Fernost gebe. Sondern, weil in den vergangenen Jahren auch kleinere Schweinezucht-Betriebe dicht gemacht hätten. „Als die Preise noch im Keller waren, rentierte es sich für diese kleineren Betriebe nicht mehr“, sagt Thiemann. Das habe das Angebot eingeschränkt.

Auch andere Fleischpreise steigen, z. B. für Geflügel

Im Gefolge der massiv gestiegenen Preise für Schweinefleisch kletterten auch andere Sparten in die Höhe, etwa Geflügel. „Ist doch klar“, sagt Thiemann, „wenn Schweinefleisch teurer wird, weicht man auf andere Produkte aus. Dort steigt die Nachfrage und damit ebenfalls der Preis“.

Er könne noch nicht absehen, wann die Preise sich wieder in die andere Richtung bewegen könnten. „Kann man jetzt sowieso schwer sagen“, meint der Fleischermeister, „denn vor Weihnachten ziehen die Preise traditionell eh etwas an“.

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