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Die Werkfeuerwehr des Gersteinwerks wird abgeschafft. Künftig übernimmt die Freiwillige Feuerwehr die Sicherung des Werks, von dem nach der Stilllegung des Kohleblocks weiter Gefahr ausgeht.

Werne, Stockum

, 14.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Ausgebrannte Schaltanlagen, ausgetretene Giftstoffe, Verkehrsunfälle auf dem Wasser oder am eigenen Bahndamm - Guido Ernst (52) hat schon viele spezielle Einsätze am Gersteinwerk in Stockum miterlebt.

Seit 1982 ist der gebürtige Werner bei der Werkfeuerwehr zuständig, heute leitet er die Einheit mit den beiden hauptamtlichen Mitarbeitern Jörg Stube (51) und Peter Volmerg (48) sowie den rund 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Zum Ende des Jahres verabschieden sich die Kollegen an diesem Standort.

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Werkfeuerwehr des Gersteinwerk

Abschied mit Wehmut und Dankbarkeit

Die Werkfeuerwehr wird genauso wie der Kohleblock stillgelegt. „Auch wenn es nicht plötzlich kommt, fällt einem der Abschied schwer. Ein Stück Wehmut und Dankbarkeit ist dabei, weil wir alle Einsätze so geschlossen haben, dass ich meine Mannschaft immer heile nach Hause bekommen habe“, sagt Guido Ernst.

Er ist einer der insgesamt elf Kollegen, die auch nach dem Abschalten des Steinkohleblocks K am Gersteinwerk bleiben. „Aber es wird ein Arbeitsleben ohne die Feuerwehr“, sagt der Werner. Wie seine Kollegen Jörg Stube und Peter Volmerg gibt es eine Weiterbeschäftigung für ihn.

Abschied der Werkfeuerwehr am Gersteinwerk: Ist die Freiwillige Feuerwehr gewappnet?

Die Werkfeuerwehr des Gersteinwerks verfügt über eine besondere Ausrüstung (v.l.): Jörg Stube mit dem Laptop für das Atemschutzgerät, Guido Ernst mit einem Hohlstahlrohr (M.) und Peter Volmerg mit dem Schutzanzug mit PBI-Fasern. © Andrea Wellerdiek

Freiwillige Feuerwehr übernimmt

Künftig wird sich Guido Ernst verstärkt um das Thema Arbeitssicherheit, das er schon zuvor geleitet hat, kümmern. Denn klar ist: Auch in Zukunft, nach der Umstrukturierung und dem Abschied aus der Steinkohleverstromung, bleibt ein gewisses Gefahrenpotenzial am Kraftwerk bestehen.

Wenn die Kameraden der Werkfeuerwehr ihre Arbeit beenden, übernehmen die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Werne die Aufgaben am Gersteinwerk. Doch sind sie dafür gewappnet?

Kameraden speziell vorbereiten

„Sie kriegen das hin. Aber man muss alles sehr gut vorbereiten“, sagt Ernst. In gemeinsamen Schulungen und Übungen sollen die Einsatzkräfte auf alle möglichen Eventualitäten vorbereitet werden. Denn die Gefahren, die von einem Kraftwerk ausgehen, sind natürlich nicht mit den typischen Einsätzen zu vergleichen.

Im Gersteinwerk sind hohe, große Gebäude zu sichern, die mit sehr viel Strom und gefährlichen Stoffen verbunden sind. „Die 380 Kilovolt am Kraftwerk sind nicht einfach frei zu schalten“, gibt Guido Ernst ein Beispiel. Die Einsatzkräfte der Werkfeuerwehr sind allerdings so geschult, dass sie die Freischaltung übernehmen können. Die Fachmänner sind gleich vor Ort.

Abschied der Werkfeuerwehr am Gersteinwerk: Ist die Freiwillige Feuerwehr gewappnet?

Zum Vergleich: Links das Hohlstahlrohr, das die meisten Feuerwehren nutzen. Daraus strömt 200 Liter Wasser in der Minute. Rechts das spezielle Hohlstahlrohr, mit dem die Wehrmänner der Werkfeuerwehr etwa 2500 Liter Wasser pro Minute zur Verfügung haben. © Andrea Wellerdiek

Orts- und Anlagenkenntnisse von Vorteil

Guido Ernst erinnert sich in diesem Zusammenhang an einen Einsatz in dieser Woche. Eine Wasserleitung war defekt, sodass Wasser in einen Elektroraum gedrungen ist. „Da waren wir mit 20 Mann im Einsatz. Den Strom haben wir dann mit einem Elektroingenieur selbst abgeschaltet. Aber ich habe mich schon gefragt, wer das dann künftig macht“, so der Werkleiter.

Dass ihre ehrenamtlichen Wehrmänner Orts- und Anlagenkenntnisse mitbringen, sei der große Vorteil der eigenen Werkfeuerwehr. Dass sich die Einsatzzeiten künftig verlängern, ist also sehr wahrscheinlich.

„Es kann schon sein, dass die Einsatzkräfte dann erst einmal hier minutenlang warten müssen, bis das Gebäude freigegeben ist“, sagt Ernst. Und da ist die längere Anfahrtszeit der Freiwilligen Feuerwehr noch nicht einmal mit einberechnet.

Abschied der Werkfeuerwehr am Gersteinwerk: Ist die Freiwillige Feuerwehr gewappnet?

Guido Ernst, Leiter der Werkfeuerwehr, erklärt das Atemschutzgerät, das über eine Warn- und Dokumentationsfunktion verfügt. © Andrea Wellerdiek

Begehrte Ausrüstung

Auch das Equipment, das dem Betreiber RWE gehört, ist für die Einsätze am Kraftwerk konzipiert. Ob diese an die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Werne übergehen, ist noch ungewiss, so Ernst.

Dazu gehören etwa Boote für Einsätze am Hafen oder größere Hohlstrahlrohre, mit denen man nicht wie üblich 200 Liter, sondern 2500 Liter Wasser pro Minute spritzen kann.

Begehrt ist aber auch die Schutzausrüstung aus PBI-Fasern, die die Werkfeuerwehr bereits seit zwölf Jahren besitzt und die sehr widerstandsfähig ist. „Unter einer Beflammung bleibt sie flexibel. Wenn ein Feuerwehrmann unter Flammen steht, wird die Kleidung nicht hart wie bei den üblichen Schutzausrüstungen“, erklärt Ernst.

Atemschutzgerät mit Dokumentationsfunktion

Etwa 3500 Euro kostet die Ausrüstung pro Person, schätzt Guido Ernst mit seinen Kollegen Jörg Stube und Peter Volmerg, die auch für die Ausrüstung zuständig sind. Einige Anfragen gebe es bereits auch auf ein technisches Hilfsmittel, über das bislang nur etwa 80 Feuerwehren in Deutschland verfügen.

Etwa ein spezielles Atemschutzgerät mit Dokumentationsfunktion: Der Pressluftatmer der Kameraden wird dabei über einen Funksender mit einem Laptop verbunden. Damit kann man den Druck der Atemluftflaschen kontrollieren und dokumentieren.

Im Notfall können die Einsatzkräfte zusätzlich wegen Gefahren gewarnt und evakuiert werden. „Etwa 25.000 Euro kostet die Technik für eine Feuerwehr unserer Größenordnung“, sagt Guido Ernst.

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Elf Mitarbeiter verbleiben am Gersteinwerk

Der Werner wird gemeinsam mit den zehn am Werk verbleibenden Mitarbeitern künftig dafür sorgen, dass der Kraftwerkspark mit etwa 400 Brandmeldeanlagen gewartet und überwacht wird. Am Gersteinwerk bleiben die Erdgas-Kombiblöcke F und G sowie die Vorschalt-Gasturbinen bis mindestens Ende 2021 in Betrieb.

Der stillgelegte Kohleblock K2 sei mittlerweile verschlossen und von Gefahrenstoffen befreit, so Guido Ernst. „Die Möglichkeiten einer Brandentstehung werden dadurch möglichst minimiert“, erklärt der 52-Jährige. Auch Fehlalarme aus diesem Werk gehören der Vergangenheit an.

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Bildergalerie

Stilllegung Steinkohleblock am Gersteinwerk Stockum

Der Steinkohleblock am Gersteinwerk wurde am Freitag, 29. März 2019, stillgelegt. Künftig setzt Betreiber RWE auf die Erdgas-Blöcke. Wie es am Standort in Werne-Stockum nach der Übergangszeit bis 2021 weitergeht, ist noch ungewiss.
01.04.2019
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Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Guido Ernst ist Leiter der Werkfeuerwehr© Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek
Der Steinkohleblock am Gersteinwerk in Werne-Stockum ist stillgelegt. Blick auf, in und vom 120 Meter hohen Block K2. © Andrea Wellerdiek

Betriebseigene Feuerwehr gab es schon von Anfang an

Etwa 80 bis 100 Einsätze jährlich zählte Guido Ernst zuletzt am Gersteinwerk. Schon seit den 20er-Jahren und damit seit den ersten Jahren des Gersteinwerks gibt es hier eine betriebseigene Feuerwehr. In den 50er-Jahren waren zu Spitzenzeiten 50 Mitarbeiter hier aktiv.

Die Wehrmänner haben stets auch die Freiwillige Feuerwehr der Stadt bei Einsätzen unterstützt. Ab dem kommenden Jahr wird es andersrum sein. Dann sind die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr für die Sicherheit am Gersteinwerk zuständig.

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