Nicolas Puschmann war zu Gast am St.-Christophorus-Gymnasium und sprach über Diversität, Toleranz und Homophobie. An der katholischen Schule hofft man nun, dass man für mehr Offenheit bei Tabu-Themen geschaffen hat. © Christophorus-Gymnasium
TV-Star in Werne

Werner GSC hat sich „Prince Charming“ geangelt und hofft auf mehr Offenheit bei Tabu-Themen

Kürzlich war er noch für die Show „Let‘s Dance“ unterwegs, nun war Nicolas Puschmann am Christophorus-Gymnasium in Werne. Dort setzte der TV-Star ein Zeichen, das an der katholischen Schule nachwirken soll.

Maya Dröge (18) hat einen TV-Star an ihre Schule geholt. Nicolas Puschmann, der durch TV-Shows wie „Prince Charming“ und „Let‘s Dance“ einem breiten Publikum bekannt wurde und vor allem durch seinen offenen Umgang mit seiner Homosexualität angesehen ist, war am Donnerstag (1. Juli) zu Gast am St.-Christophorus-Gymnasium (GSC) in Werne. Ausgerechnet an der katholischen Schule in Trägerschaft des Bistums Münster hat der 30-Jährige Fragen zu seinem Coming Out, zu Diversität und Toleranz beantwortet.

Sowohl Schulleiter Thorsten Schröer als auch Schülersprecherin Maya Dröge erklärten nach dem Besuch, dass die Veranstaltung unter dem Motto „Gegen Homophobie“ ein wichtiger Impuls für die Schule sei. „Wir sind in vielen Dingen wohl etwas konservativer. Da sind, glaube ich, andere Schulen schon weiter“, sagt Maya Dröge. Auch Schröer sprach davon, dass Homosexualität eher noch zu den Tabu-Themen im Schulalltag gehörten.

Eine Veranstaltung reicht nicht für Coming Out

Das soll sich mit dem Projekttag und dem Besuch des TV-Stars ändern. „Eine Veranstaltung reicht nicht, um sich zu outen. Das ist ein sehr, sehr langer Prozess. Diese Veranstaltung hat aber gezeigt, dass man divers sein darf“, sagt Dröge, die Kontakt über das Management des TV-Stars herstellte und sich so „Prince Charming“ für einen Besuch am GSC angelte.

In der Schülerschaft habe sie Empathie gespürt, als Nicolas Puschmann über sein Coming Out gesprochen hat. „Man traut sich jetzt vielleicht mehr. Innerhalb der Schülerschaft sind wir sehr offen. Da erzählt man schon eher seinen Freunden davon. In der Schule traut man sich das vielleicht nicht“, sagt die Abiturientin, die die Veranstaltung mit moderierte. Umso erfreuter ist sie darüber, dass der Projekttag zum Thema Diversität so gut bei den Lehrerinnen und Lehrern angekommen sei.

Projekttag am GSC in Werne soll lange nachwirken

Maya Dröge, die jetzt nach ihrem Abitur die Schule verlassen hat, hofft, dass der Projekttag lange nachwirken wird. „Ich hoffe, dass diese Themen in Zukunft weiter eine Rolle spielen werden. Für Betroffene kann es sehr belastend sein, wenn sie nicht offen damit umgehen können. In der Schule ist man in einem Alter, in dem man seine sexuelle Identität findet. Deshalb muss man diese Themen auch in die Schule bringen“, glaubt Maya Dröge.

Und sie wünscht sich, dass so nun mehr Toleranz und Akzeptanz am GSC gefördert werden. „Vor allem zwischen Lehrern und Schülern herrscht manchmal eine Barriere bei diesen Themen, habe ich das Gefühl.“ Die Schule und das Kollegium seien offen. Man sei aber als Lehrer oft in seiner Rolle gefangen, gibt Schulleiter Thorsten Schröer zu. Deshalb habe man mit der Veranstaltung eine klare Botschaft gesendet: „Unser Auftrag ist es, Offenheit zu zeigen.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek