Werner Gymnasiasten simulieren Bundestagswahl

Bundesweite Aktion

Zwei Tage vor der Bundestagswahl hat das Anne-Frank-Gymnasium am Freitag Neuland betreten. Zum ersten Mal nahm die Werner Schule an der bundesweiten Juniorwahl teil. Ernsthaftes politisches Interesse der Schüler oder bloß Demokratiespiel der Lehrer?

WERNE

, 22.09.2017, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Werner Gymnasiasten simulieren Bundestagswahl

Zwei Tage vor der Bundestagswahl 2017 hat das Anne-Frank-Gymnasium Neuland betreten. Zum ersten Mal nahm die Werner Schule an der bundesweiten Juniorwahl teil.

Irgendwie beides. Und irgendwie auch ein bisschen witzig. „Geh wählen, bevor dich der Rollator überrollt“, steht auf dem Plakat, das im zweiten Stock an einer Glastür hängt. Eine Zeile tiefer wird der Ton ernster: „Junge Leute, geht wählen! Denn ihr seid die Zukunft.“ Die Zukunft steht in einer Schlange hinter der Glastür. In Raum 205 – umfunktioniert zum Wahllokal.

Nicht jeder kann wählen: Vorbereitung im Schulunterricht

Der 17-jährige Lukas ist einer der insgesamt 304 Stimmberechtigten des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG). Mitmachen können Schüler der Klassen acht bis zwölf, die sich vorab im Sozialwissenschafts-, Politik- oder Philosophie-Unterricht auf die Juniorwahl vorbereitet haben.

Lukas schiebt seinen Wahlzettel in die Urne und setzt sich kurz. „Eigentlich bin ich ganz zufrieden im Moment“, sagt der Schüler ganz ungeniert. Warum immer nur meckern, wenn man auch mal zugeben kann, dass nicht alles falsch läuft? Ein Thema spricht er dann aber doch an – kein Bundes-, aber ein Landesthema: das Turbo-Abi.

Lukas besucht die elfte Jahrgangsstufe, im nächsten Schuljahr wird er sein Abitur machen. Zu früh, wie er sagt. „Ich hätte meinen Abschluss gerne nach 13 Jahren gemacht.“ Politik geht mich nichts an? Der Meinung ist der Zwölftklässler nicht. Er war direkt betroffen vom Turbo-Abitur. Von der Rolle rückwärts der neuen Landesregierung hat der 17-Jährige nun nichts mehr.

Authentischer Ablauf: Wie bei der Bundestagswahl

Lukas steht auf und verlässt den Raum. Welchem Direktkandidaten er ein paar Minuten vorher seine Erststimme, welcher Partei er die Zweitstimme gegeben hat, sagt er nicht – Wahlgeheimnis.

Der Ablauf der Juniorwahl ist authentisch. Vier Wahlhelfer sitzen an einem Tisch, haken die Namen der Schüler ab, die durch die Tür kommen und ihr Kreuzchen hinter der Trennwand machen. „Auch das Material ist authentisch“, sagt Ulrich Stüeken, als der nächste Schüler den blauen Wahlzettel faltet.

Zusammen mit seiner Kollegin Viktoria Postler hat der Lehrer für Geschichte und Philosophie die Juniorwahl im Unterricht vorbereitet. Die Schüler haben den „Wahlomaten“ ausprobiert, sind einzelne Wahlprogramme durchgegangen. „Die älteren Schüler sind schon politisiert“, sagt Stüeken. „Sie können unterscheiden zwischen demokratischen und populistischen Parteien.“ Im Unterricht werde diskutiert, eine richtige Parteibildung sei aber noch nicht da. Umso spannender ist nun die Frage: Wie wählt das AFG?

Auch das Projekt "U18-Wahl" veranstaltet eine Wahl für Nicht-Wahlberechtigte - zum Beispiel im Kreis Coesfeld anlässlich der Landtagswahl:

Junge Schüler sind politisiert

Wie bei der Bundestagswahl am morgigen Sonntag auch, können die Schüler zwischen den Direktkandidaten für den Wahlkreis Hamm – Unna II entscheiden. Nach der Wahl werten die Wahlhelfer die Stimmzettel aus – unter ihnen auch die 16-jährige Alina. „Ich war schon mal im Bundestag, das war schon beeindruckend.“

Ob es ein Thema gebe, das sie politisch interessiert? „Die Obergrenze für Flüchtlinge“, sagt Alina. Manchmal schaue sie die Nachrichten zusammen mit ihrer Mutter, verfolge die Meinungen einzelner Parteien zu diesem Thema. Die Schüler sind interessiert, auch wenn sie noch nicht alles verstehen, was im Parlament passiert.

Das Ergebnis der Juniorwahl am AFG soll erst morgen um 18 Uhr offiziell bekannt gegeben werden. Fest steht schon jetzt: Von den 304 stimmberechtigten Schülern haben bis 12.25 Uhr 277 ihren Wahlzettel eingeworfen – das macht eine Wahlbeteiligung von 91 Prozent. Wohl etwas mehr als im Bundesdurchschnitt, wenn am Sonntag der neue Bundestag gewählt wird. Oder…?

Die Juniorwahl
  • Die Juniorwahl wurde erstmals 1999 durchgeführt. Sie ist ein Konzept zur politischen Bildung an weiterführenden Schulen und möchte das Erleben und Erlernen von Demokratie ermöglichen. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft des Deutschen Bundestages.
  • Mehr als 3000 Schulen in ganz Deutschland haben 2017 teilgenommen.
  • Das Gesamtergebnis der Zweitstimmen und die Gewinner der 299 Bundestagswahlkreise werden am Wahlsonntag, 24. September, um 18 Uhr veröffentlicht unter

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