Werner in Brüssel: "Plötzlich ist der Terror nah"

Praktikant im Europaparlament

Plötzlich mittendrin: Sebastian Krumkamp (28) aus Werne ist Praktikant im EU-Parlament. Und erlebte so die Auswirkungen des Terrors von Brüssel mit. Dabei hatte der Tag begonnen wie jeder andere Arbeitstag auch.

WERNE/BRÜSSEL

, 22.03.2016, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Werner in Brüssel: "Plötzlich ist der Terror nah"

Die EU-Flaggen auf Halbmast: Sebastian Krumkamp aus Werne war am Tag des Terrors in Brüssel.

Krumkamp absolviert seit drei Wochen ein Praktikum beim Europaabgeordneten Elmar Brok (CDU). Und wollte auch an diesem Dienstag zu seinem Arbeitsplatz.

„Ich wohne 20 Minuten vom Europaparlament entfernt und kann jeden Tag zu Fuß gehen“, erzählt der 28-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. „Zum Glück.“

Gegen 9 Uhr gingen die ersten Nachrichten per Push-Mitteilung auf seinem Handy ein, dass am Brüsseler Flughafen etwas passiert sei. „Als dann plötzlich die ganzen Spezialeinsatzkräfte an mir vorbeirasten, wurde mir langsam klar, dass es eine größere Sache sein musste.“

Viele Telefon-Anfragen im abgeriegelten Parlament

Dennoch setzte er zunächst seinen Weg zur Arbeit fort. Im Büro erfuhr er dann von der weiteren Explosion in der U-Bahn-Station Maalbeek, ganz in der Nähe des Parlaments. „Das fühlte sich dann doch komisch an: Bisher war immer alles weit weg, und plötzlich ist der Terrorismus ganz nah.“ Allerdings habe er sich im Parlament sicher gefühlt: „Uns wurde sogar gesagt, dass wir im Gebäude bleiben sollten.“

Während von außen Soldaten das Parlament abriegelten, liefen drinnen die Telefondrähte heiß. „Elmar Brok war natürlich ein gefragte Gesprächspartner, weshalb wir reihenweise Interviews mit allen möglichen Medien koordinieren mussten.“

Handy-Netz brach zusammen - "Sicher"-Status auf Facebook

Doch nicht nur berufliche Anfragen erreichten den Werner. „Meine Mutter hat natürlich sofort angerufen, mein Vater hat es ebenfalls versucht, aber dann ist das Handy-Netz zusammengebrochen.“ Auf Facebook markierte Krumkamp sich selbst als „In Sicherheit“, um Freunde und Verwandte zu beruhigen.

Sorgen macht sich der Werner, der in Bamberg Kommunikationswissenschaften, Politik und Geschichte studiert hat, nicht. „Wie gesagt, ich bin glücklicherweise nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Und ich glaube nicht, dass mir auf meinem Arbeitsweg etwas passiert.“

Allerdings wird er zumindest am Mittwoch von seiner kleinen Brüsseler Wohnung aus arbeiten müssen. „Entsprechende Mails sind an alle Mitarbeiter rausgegangen.“ Doch Krumkamp geht davon aus, bald wieder ins Parlament gehen zu können. Sein Praktikum dort läuft noch bis Ende August.

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