„Alles ist abenteuerlich“: Juri Kollhoff (27) steckt in Griechenland fest

rnAuslandsaufenthalt in Corona-Krise

Eigentlich wollte Juri Kollhoff nach seinem Ferienjob noch ein bisschen Urlaub machen. Doch stattdessen steckt der Werner in Griechenland fest. Inklusive Nächte im Auto und auf einer Berghütte am Olymp.

Werne

, 19.11.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Juri Kollhoff ist auf dem Olymp angekommen: Der 27-Jährige aus Werne hat jüngst den höchsten Berg Griechenlands erklommen. Es ist ein Höhepunkt seiner abenteuerlichen Reise, die zwangsweise länger dauert, als geplant. Denn Juri Kollhoff steckt zurzeit in Griechenland fest. Inklusive Nächte im Auto oder auf einer Berghütte am Olymp sowie Bürokratie um gerettete Hunde und Katzen.

Juri Kollhoff ist seit Anfang Oktober in Griechenland. Für einen Monat arbeitete er als Betreuer bei Frosch-Sportreisen in Chalkidiki. Danach, so der Plan, wollte der Werner noch ein paar Urlaubstage hinten dran hängen. Am 9. November sollte es eigentlich wieder zurück nach Deutschland gehen.

Doch weil das Land sich seit Anfang November aufgrund hoher Infektionszahlen im strengen Lockdown befindet, wurden Passagierflüge von dem nächst gelegenen Flughafen in Thessaloniki gestrichen. „Ich mache das Beste daraus und toure durch Griechenland“, erzählt Juri Kollhoff, der am Freitag (20. November) ab Athen Richtung Heimat fliegen will. „Alle sind zwar vorsichtig, aber auch unheimlich gastfreundlich. Deshalb ist es kein Problem, hier festzustecken. Es ist eigentlich nur schön, aber abenteuerlich.“

In Griechenland gilt überall eine Maskenpflicht. „Die Griechen selbst haben schon Angst und bleiben zuhause“, erzählt Juri Kollhoff. Er selbst wurde erst einmal kontrolliert auf seiner Reise. Weil er aber aus Deutschland kommt, hat er kein Bußgeld zahlen müssen.

In Griechenland gilt überall eine Maskenpflicht. „Die Griechen selbst haben schon Angst und bleiben zuhause“, erzählt Juri Kollhoff. Er selbst wurde erst einmal kontrolliert auf seiner Reise. Weil er aber aus Deutschland kommt, hat er kein Bußgeld zahlen müssen. © Juri Kollhoff

In ganz Griechenland herrscht Ausnahmezustand. Alle Geschäfte sind geschlossen, überall gilt eine Maskenpflicht. Zudem gibt es eine strenge Ausgangssperre. Nur notwendige Wege zur Arbeit, Schule, Apotheke oder Supermarkt sind erlaubt - mit einer Sondererlaubnis, die man sich vorab einholen muss.

Juri Kollhoff, der sich selbst als Naturbursche bezeichnet und gerade jetzt in dem fremden Land festsitzt, flüchtet in die Natur. Allein. Naja, eine Begleitung hatte er doch. Während Juri Kollhoff sich auf den höchsten Berg Griechenlands begab, war immer ein Hund an seiner Seite. „Er war schneller als ich, auch wenn es eine übelste Steinwand gab. Aber er hat immer brav auf mich gewartet“, erzählt Juri Kollhoff am Telefon. Weil der Olymp in der griechischen Mythologie als Wohnort der Götter gehandelt wird, nannte er seine Begleiterin Hera - wie die olympische Gottheit.

Juri auf dem Olymp: „Ich vermisse die Berge, wenn ich in Deutschland bin. Mir tut das richtig gut, dass ich jetzt hier in Griechenland bin - auch wenn es die eine oder andere brenzlige Situation gab.“

Juri auf dem Olymp: „Ich vermisse die Berge, wenn ich in Deutschland bin. Mir tut das richtig gut, dass ich jetzt hier in Griechenland bin - auch wenn es die eine oder andere brenzlige Situation gab.“ © Juri Kollhoff

Abenteuerlich wurde der Weg hoch auf den Olymp. Weil er erst mittags den Aufstieg gestartet hatte und es schon gegen 17 Uhr dunkel wurde, musste sich Juri Kollhoff noch kurzfristig eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Viele Berghütten waren aber geschlossen.

Irgendwann hatte Juri Kollhoff dann Erfolg, konnte noch ein Zelt in einer Berghütte aufschlagen. „Ich habe zwei Engländer kennengelernt. Wir haben abends noch Karten gespielt. Aber nachts habe ich vielleicht eine Stunde geschlafen. Es war unfassbar kalt“, erzählt er. So war es auch in anderen Nächten, als der 27-Jährige im Auto übernachtete. Er hatte sich gleich am Anfang seiner Tour einen Wagen gemietet - für sechs Euro am Tag.

Panne mit dem Mietwagen

Mit dem Fahrzeug erlebte er - passend zu seinem gesamten Aufenthalt - eine Panne. Er blieb ausgerechnet in einem verlassenen Bergdorf auf 1200 Metern Höhe liegen. „Das war schon eine ganz andere Nummer. Da hatte ich schon Probleme, weg zu kommen. Aber mit dem ADAC hat es dann doch geklappt. Ich musste allerdings sehr lange warten“, erzählt der Werner, der nun sein Sportstudium abgeschlossen hat.

Juri Kollhoff in seinem Mietwagen: Auf der Höhe von 1200 Metern blieb er mit dem Pkw liegen.

Juri Kollhoff in seinem Mietwagen: Auf der Höhe von 1200 Metern blieb er mit dem Pkw liegen. © Juri Kollhoff

Die Zeit verging auch schleppend, als er abends allein im Auto saß. „Da weiß man nicht, wie man die Zeit verbringen soll. Das war schön blöd.“ An anderen Abenden hingegen kam er bei Freunden unter oder per Couchsurfing bei verschiedenen Gastgebern. Einmal hatte Juri Kollhoff da auch eine Katze im Gepäck, die ihm bereits im Oktober zugelaufen war („Wir waren schon ein dynamisches Duo“). Das Tier konnte er nach Deutschland vermitteln. Mit dem letzten Flug am 2. November nahm eine Freundin die Katze mit nach Hamburg.

Juri Kollhoff, der sich bei einer Tierschutzorganisation engagiert, wird auch nicht allein nach Deutschland fliegen am Freitag. Drei Hunde und eine Katze nimmt er als Flugpate mit. Zuvor muss er nicht nur die bürokratischen Hürden nehmen, sondern mit den Tieren noch von Thessaloniki nach Athen fahren. Sechs Stunden Autofahrt liegen noch vor ihm, ehe es am Freitag wieder zurück nach Deutschland geht. So zumindest ist sein Plan.

Juri Kollhoff engagiert sich in einer Tierschutzorganisation. Diese Katze konnte er nach Deutschland vermitteln und mit dem letzten Flieger am 2. November nach Hamburg schicken. Kurz darauf folgte der Lockdown. Damit wurden alle Flüge von Thessaloniki gestrichen.

Juri Kollhoff engagiert sich in einer Tierschutzorganisation. Diese Katze konnte er nach Deutschland vermitteln und mit dem letzten Flieger am 2. November nach Hamburg schicken. Kurz darauf folgte der Lockdown. Damit wurden alle Flüge von Thessaloniki gestrichen. © Juri Kollhoff

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