Werner Musiker Tuklan: "Kultur muss sein"

Mit Video und Audiointerview

Wenn einer weiß, wie man feiert, dann Toni Tuklan. Er war mehrfach an der Spitze der DJ-Charts, hat schon mit Sean Paul zusammengearbeitet - und wohnt in Werne. Der charismatische Reggae-Dancehall-Musiker hat klare Vorstellungen von einer besseren Welt. Im Gespräch erzählt er von Heimat, Erfolg und was wirklich wichtig ist.

WERNE

15.06.2016, 06:19 Uhr / Lesedauer: 3 min
Werner Musiker Tuklan: "Kultur muss sein"

Toni Tuklan ist Musiker, Fußballtrainer und Weltverbesserer.

Was braucht eine gute Gesellschaft? Ideen müssen an den Tisch gebracht werden. Glaube muss sein, Hoffnung muss sein, Kultur muss sein. Ohne diese Dinge wären wir in der Wildnis.

Geht es darum auch in deiner Musik? Früher ja. Da hab ich viel draufgehauen. Was schief läuft und was ich nicht verstehe. Aber im Moment sinkt die Stimmung so stark, junge Leute glauben nicht mehr an ihre Träume. Viele Länder sind sehr reich, aber ihre Regierungen haben die Menschen aus dem Blick verloren. Deswegen mache ich im Moment fröhliche Sachen zum Aufbauen.

Hat man mit fröhlichen Liedern mehr Erfolg? Am meisten Erfolg hat man mit Sachen wie „shake your ass“ und „hurra hurra“. Das ist leider so. Aber Erfolg ist relativ.

Was ist Erfolg für dich? Für mich ist Erfolg, Menschen zu erreichen. Normale Menschen, wie hier in Werne oder wie in Afrika, wo ich herkomme. Erfolg ist, sich gegenseitig zu inspirieren. Ich muss nicht alle Trophäen sammeln. Ich freue mich, wenn ich oben in den DJ-Charts bin oder wenn es mehr Youtube-Klicks gibt. Das macht Mut, aber das war es auch schon. Wenn ich den einen oder anderen glücklich machen kann, ist das schon ein dicker Erfolg für mich.

Was ist dir wichtig? Superwichtig sind mir Glaube, Hoffnung und Familie. Was haben wir denn sonst? Wir müssen einfach leben und andere unterstützen. Heute kannst du jemandem mit Geld helfen, morgen vielleicht mit nur einem Wort oder einem Tipp. Oder mit Musik. Und das ist auch meine Motivation für den Sport.

 

Toni Tuklan aus Werne gibt eine Kostprobe seiner Musik.

Ein von Ruhr Nachrichten (@rnlive) gepostetes Video am 14. Jun 2016 um 8:10 Uhr

 

Du engagierst dich ehrenamtlich im Jugendfußball. Warum? Ich habe Jugendliche rauchen und trinken sehen. Ich weiß, wie schwierig das auf der Straße sein kann und wie schnell einer den anderen in die Kriminalität oder die Drogensucht treibt. Deshalb beschäftige ich sie lieber auf dem Fußballplatz. Ich gebe ihnen Zeit, das ist wichtig. Ich will so viele wie möglich von der Straße holen. 

Du reist durch die ganze Welt. Warum lebst du hier in Werne? Werne ist eine schöne Stadt. Ich arbeite als DJ inmitten von Menschenmengen und bin viel unterwegs. Wenn ich dann wieder nach Werne komme, habe ich Ruhe. Man kann hier einiges machen. Ich kann bald im Jugendzentrum Juwel proben, dann können junge Musiker mal zuschauen oder mitmachen. Ich bin außerdem bei der Fantaspielplatzaktion dabei mit Michael Mazucco. Das ist toll, hier machen alle mit, auch der Bürgermeister. Keiner ist sich zu fein, zu helfen. Es reicht nicht, es besser zu wissen – man muss es auch besser machen. Sitzen, gucken und kritisieren, ohne was zu tun, ist ein absolutes no go für mich.

Wofür möchtest du dich noch engagieren? Ich möchte gerne was mit den Flüchtlingen machen. Ich bin schon zu den Containern gefahren und habe die Leute angesprochen und mal nachgefragt, was sie so machen. Aber ich muss erst mit der Stadt klären, wer zuständig ist und wie ich helfen kann. Dafür habe ich bald einen Termin bei Lothar Christ. Werne macht eine exzellente Arbeit, das soll auch so bleiben. Wir sind eine Kleinstadt und sollten weiterhin ein Beispiel sein.

Warum interessierst du dich für die Flüchtlinge? Das Thema liegt mir am Herzen, weil ich weiß, wie es als Migrant ist. Ich kenne viele gute Leute, die Asyl in Deutschland beantragt haben und inzwischen hier zu Hause sind.

Was für Erfahrungen hast du als Migrant gemacht? Ich bin im November 1994 zum Studieren nach Paderborn gekommen. In Kwara (Nigeria) habe ich Marketing, Sozialverwaltung und gesellschaftliche Entwicklung studiert. In Paderborn wollte ich Maschinenbau studieren. Aber das war mir zu weit weg von den Menschen. Passend habe ich dann meinen ersten Produktionsvertrag bekommen.

Und jetzt bist du Musiker von Beruf? Ja, ich bin Musiker. Ich habe keinen festen Tagesablauf. Ich mache Musik, Promotion und gebe Tipps an junge Künstler. Ich bin in der ganzen Welt unterwegs. Zuletzt war ich in Brasilien, Lettland und Polen. Es gehört für mich auch dazu, anderen zu helfen. Beim DFB-Stützpunkt Unna-Hamm bin ich Torwarttrainer.

 

 

Hast du früher selbst gespielt? Ja, aber ich wollte nie Profi werden.

Sondern immer Musiker? Eigentlich wollte ich katholischer Pfarrer werden. Ich hatte von Anfang an eine Faszination für Politik. Ich finde, Ordnung muss sein. Jeder muss sich in der Gesellschaft engagieren, damit es läuft. Du hast vom African Heritage Magazine die Auszeichnung bekommen, eine Living Legend (lebende Legende) zu sein.

Siehst du dich selbst so? Das ist schwierig, selbst zu beurteilen. Eins ist klar, ich habe sehr viel gemacht. Ich hätte aber nicht gedacht, dass das jemand beobachtet. Es heißt für mich: Gut gemacht, weitermachen. Das kann ich garantieren, ich mache weiter.

Das ist Toni Tuklan
Er wurde in Nigeria geboren und kam 1994 zum Studieren nach Paderborn. Der Diplom- Marketingmanager startete 1998 seine Musikkarriere im Reggae-Dancehall.
Sein Alter möchte er nicht verraten.
Seit sechs Jahren lebt er in Werne. Er ist weltweit unterwegs und arbeitete zuletzt mit Sean Paul zusammen.
Toni Tuklan auf Facebook:

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt