Wernerin (88) wurde von Stromberater über den Tisch gezogen - Mann lockte mit günstigem Tarif

rnStrom-Betrugsmasche

Stefan Kortenbusch ist verärgert: Seine Mutter unterschrieb vor einem Monat einen neuen Stromvertrag - ohne es zu wissen. 54 Jahre lang war sie RWE/Innogy-Kundin und möchte es auch bleiben.

Werne

, 28.02.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ohne Quittung, ohne Durchschlag und ohne vorherige Absprache soll die Mutter von Stefan Kortenbusch einen neuen Stromvertrag unterzeichnet haben. Der angebliche Energieberater, der sie in ihrer Wohnung aufsuchte, kam ihr von vornherein etwas suspekt vor.

„Zwei Wochen lang hing im Hausflur ein Zettel, auf dem angekündigt wurde, dass jemand vorbeikommen wird, um über günstigere Stromtarife aufzuklären“, erzählt Kortenbuschs Mutter, welche namentlich nicht genannt werden möchte. Sie und auch ihre Schwiegertochter gingen zu dem Zeitpunkt davon aus, dass der Vermieter die Stromberater bestellt hatte. Es kam dann aber ganz anders.

„Ich sagte ihm klar, dass ich den Anbieter nicht wechseln möchte“

„Am 24. Januar kam ein sehr junger Mann vorbei. Der sah ordentlich aus, wirkte aber ein bisschen unsicher. Er erzählte mir etwas von günstigeren Tarifen und ich sagte ihm klar, dass ich nicht wechseln werde, weil ich seit 54 Jahren bei der RWE bin.“, berichtet die Rentnerin (88). Während des ganzen Gespräches erwähnte der Stromberater keinen konkreten Anbieter.

Als er sich dann nach einer Viertelstunde wieder verabschiedete, unterschrieb die Seniorin einen Zettel, um zu bestätigen, dass der Herr sie beraten hatte - in dem Glauben ließ sie der Berater jedenfalls. Beim Rausgehen drückte er der gebürtigen Aschebergerin noch einen kleinen Flyer in die Hand, in dem es um Anbieterwechsel und eine Kündigungsfrist von zwei Wochen ging. All das kam ihr eigenartig vor.

Seniorin ist auf Betrugsmaschen vorbereitet - und fiel trotzdem rein

Die Rentnerin erzählte ihrer Familie von dem seltsamen Vorfall: „Abends rief ich einen meiner Söhne an. Ich sagte ihm, dass ich glaube, über den Tisch gezogen worden zu sein.“ Seine Antwort: „Wo soll denn bitte der Tisch stehen, über den du gezogen wurdest?“ Die taffe Seniorin wurde noch nie Opfer einer Betrugsmasche. „Beim Enkeltrick sage ich beispielsweise einfach, ich hätte keine Enkel“, erzählt sie.

Und nun wurde ihr doch ein neuer Stromvertrag untergeschoben. „Das ist total hinterfotzig“, bewertet ihr Sohn Stefan Kortenbusch (61) die Aktion. Der Vertrag wurde am Freitagabend unterschrieben - schon am Montag „zur Kaffeezeit“ rief die Innogy (früher RWE) bei Kortenbuschs Mutter an, um mit ihr über die eingegangene Kündigung zu sprechen.

Keine Komplikationen beim Widerruf

„Der Herr von der RWE erzählte mir, dass solche Fälle in Werne öfter passieren und er sich deshalb bei mir meldete“, erzählt die Rentnerin. Die Stromberater bekämen beim Abschluss eines Vertrages eine Provision. „Er erklärte mir dann, wie ich den Vertrag mit dem neuen Stromanbieter rückgängig machen kann“, fügt sie hinzu. So schickte sie die Kündigung als Einschreiben zum neuen Stromanbieter - dabei gab es keine Komplikationen.

Die Seniorin ist also nach wie vor bei ihrem altbekannten Versorger. „Bei dem anderen Stromanbieter hätte ich angeblich 300 Euro weniger innerhalb von zwei Jahren gezahlt - aber ich habe am selben Abend noch eine Fernsehsendung gesehen, in der es genau um diesen Anbieter geht. Im ersten Jahr soll der Tarif günstig sein, aber dann wird es viel teurer“, berichtet die findige Rentnerin.

„Ich lass hier keinen mehr rein!“

Ihr Sohn jedoch ließ den Vorfall nicht einfach so auf sich beruhen. Er ging zum Büro des Strom-Vermittlers und beschwerte sich. Auch die Vermieterin wurde informiert - die war erbost über die Aktion der Stromberater, denn der Aushang im Treppenhaus war nicht genehmigt. „Sie bekam von den Stromvermittlern die Antwort, dass das ja nicht verboten sei“, so Kortenbusch.

Im Laufe des Tages ging der engagierte Sohn noch zur Polizei - ob die Anzeige wegen versuchten Betrugs durchkommen wird, das sei ungewiss. Eins ist für Kortenbuschs Mutter jedoch klar: „Ich lass hier keinen mehr rein. Einmal übers Ohr gehauen zu werden, reicht mir!“

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