Wie das Berufskolleg harten Fällen in den Job hilft

Einstiegsqualifizierung in Werne

"Die Noten waren schlecht, ich war einfach faul“, sagt Sandy Schneider, 18 Jahre alt, ganz offen. Er spricht ohne Scheu von seiner wenig ruhmreichen Vergangenheit. Mit einer Einstiegsqualifizierung bei Zweirad Möllmann soll und will er beruflich in die Spur kommen. Ob das klappt, erzählt er in unserem Video.

WERNE

, 12.05.2016, 05:19 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wie das Berufskolleg harten Fällen in den Job hilft

Haben gut lachen: (v. l.) Heinrich Möllmann vom gleichnamigen Zweiradgeschäft, Christian Palm (Agentur für Arbeit), Helmut Gravert (Leiter Berufskolleg), und der künftige Azubi Sandy Schneider.

Mit dieser Qualifizierungsmaßnahme sieht die Zukunft für den 18-jährigen Sandy Schneider nun rosig aus: Denn Sandy ist das Paradebeispiel für einen schlechten Schüler, der durch ein besonderes Praktikums-Projekt eine neue Chance bekommt. EQQ heißt das Modell, das es so nur in der Lippestadt gibt.

Auslöser war der zunehmende Mangel an qualifizierten Azubis. Oft reichte den Betrieben die Papierform der Bewerber oder die sozialen Kompetenzen nicht. Um diesen Kandidaten dennoch eine Chance zu geben, ging Werne einen eigenen Weg, gemeinsam mit Arbeitsagentur und Berufskolleg.

"Ich hatte keine Perspektive"

„Das Programm Einstiegsqualifizierung ist nicht neu“, sagt Christian Palm von der Arbeitsagentur. Neu ist, dass das Werner Berufskolleg eine eigene Klasse nur für solche Teilnehmer einrichtet. Für Sandy Schneider hat sich das im vergangenen August gestartete Projekt als Glücksfall erwiesen. „Ich hatte keine Perspektive für einen Ausbildungsplatz.“ Er habe nach dem Hauptschulabschluss in der Logistik gejobbt, „aber das hat mir keinen richtigen Spaß gemacht“.

Spaß machte ihm dagegen das Hobby Fahrrad. Er ist so infiziert, dass er bereits vor seinem Start bei Zweirad Möllmann ein eigenes Rad entwarf und baute: einen mächtigen, giftgrünen Beach-Cruiser von beachtlichen 2,53 Metern Länge. Der mag Lehrherrn Heinrich Möllmann beeindruckt haben, aber noch mehr Sandys Engagement: „Er ist zuverlässig, geht auf Leute zu, ihm macht die Sache Spaß.“ Sandy nickt etwas verlegen bei diesem Lob. Aber, ja: „Ich kann mir meine berufliche Zukunft hier vorstellen.“

Der erste Schritt dazu ist bereits getan: „Ich habe einen Lehrvertrag bei Möllmann in der Tasche.“ Das Praktische, da hat sein Ausbilder keine Zweifel, bewältigt der 18-Jährige locker. „Aber auch die Theorie kann er schaffen“, macht Kolleg-Leiter Helmut Gravert Mut, „das hat er in der EQQ-Klasse bewiesen.“  

Die bekannte Einstiegsqualifizierung der Arbeitsagentur begleitet in Werne eine eigene, auf die Bedürfnisse der schulschwachen Jugendlichen zugeschnitte Klasse.
Die Teilnehmer leisten ein maximal zehnmonatiges Praktikum in einem teilnehmen Betrieb.
Die Agentur zahlt 216 Euro plus 110 Euro Sozialversicherungs-Beitrag an die Betriebe.
Die Schüler arbeiten vier Tage im Betrieb und sind einen Tag im Berufskolleg.
Weitere Infos gibt es unter anderem bei der , der oder dem .

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