Wie verändert die Corona-Krise die Gesellschaft? Und wie mich?

rnKolumne Klare Kante

Die Corona-Krise ist nicht nur eine Gesundheits-Krise. Sie sorgt für Verwerfungen in vielen Sparten. Sie rüttelt das Leben der Menschen durcheinander. Auch meines, und zwar ganz gehörig.

Werne

, 10.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn Sie spontan schätzen sollten, wie lange wir schon im Krisenmodus leben, was würden Sie antworten? Sechs Wochen, zwei Monate, drei Monate? Meine Schätzung wäre gewesen: Gut zwei Monate. Tatsächlich sind es gerade einmal gut vier Wochen, seitdem uns die Pandemie fest im Griff hat.

Vier Wochen, seitdem sie unser Leben auf den Kopf gestellt hat und uns zu einer anderen Art der Existenz zwingt. Ich frage mich: Wie geht es weiter, wenn mal alles vorbei ist? Geht der Wunsch vieler in Erfüllung, alles möge sich so einpendeln, wie es vor dem Virus war? Bestimmt nicht.

Beängstigendes Gefühl im Lebensmittel-Geschäft

Für mich, der in materiell sorglosen Zeiten aufgewachsen ist, stellt es einen fundamentalen Schnitt da, vor leeren Lebensmittelregalen zu stehen. Verzicht musste ich in der Vergangenheit vielleicht dann mal üben, wenn meine Lieblingssorte Nudeln in Bioqualität nicht sofort greifbar war. Aber es gab immerhin reichlich Ersatz. Meist im selben Laden, zumindest im anderen Geschäft. Spätestens nach drei Tagen.

Doch jetzt sind ganze Regalmeter leer gefegt. Ein seltsamer Anblick. Ein beängstigendes Gefühl. Muss ich mich irgendwann mit Dutzenden anderen um den letzten Kanten Brot prügeln? Wohl nicht. Aber eine solche irreale Panik steigt manchmal in mir hoch.

Andererseits habe ich auch Gelassenheit gelernt. Sollte es wirklich einmal an WC-Papier-Nachschub fehlen, gibt es Ausweichmöglichkeiten. Küchenrolle (allerdings auch schwer zu bekommen), Papiertaschentücher oder Putzlappen, die man halt öfter auswaschen muss. Wird schon gehen.

Das Beispiel Klopapier zeigt mir zudem, dass die Corona-Krise bei mir persönlich zu einem bewussteren Umgang mit der nun knappen Ressource geführt hat. Ich zähle viel genauer die Zahl der Blätter ab, die ich benutzen muss. Vielleicht, so meine Hoffnung, gehe ich, geht die Gesellschaft künftig deutlich sparsamer mit allen Ressourcen um. Dann hätte die Corona-Krise zumindest in dieser Hinsicht einen positiven Effekt.

Begeistert von der Kreativität der Geschäftsleute

Meine Einschätzung über die menschliche Seite der angespannten Situation fällt eher positiv aus. Ich bin begeistert von der Kreativität, die Geschäftsleute an den Tag legen, um wenigstens etwas Umsatz machen zu können. Ich glaube zudem, dass die politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen einen guten Job machen. Sie reagieren schnell und flexibel. Versuchen, Entscheidungen im Sinne der Menschen zu treffen.

Auf der anderen Seite legt Corona Untiefen des menschlichen Charakters offen: Egoismus, Habgier, Gleichgültigkeit. Das aber, zum Glück, nur in quantitativ geringer Stückzahl. Viel eher sind diejenigen auszumachen, die rücksichtsvoll und hilfsbereit mit der schwierigen Lage umgehen. Die sich um ihre Nachbarn sorgen; die ihre Hilfe anbieten.

Wir kommen durch die Krise, das steht fest. Nur wie, das ist die Frage. Gehen wir geknickt oder gar gebrochen aus der Pandemie hervor? Oder gestärkt und vielleicht im besten Sinne geläutert? An mir selbst bemerke ich eine gestiegene Dankbarkeit für meine Gesundheit. Gerade in Zeiten, in denen von Infizierten, Erkrankten, Toten die Rede ist.

Außerdem hat mich der Virus einen wertschätzenden Blick auf das gelehrt, was vor ihm selbstverständlich war: einkaufen, wann und wo man wollte; seine Freizeit nach eigenem Gusto zu gestalten; Familie und Freunde jederzeit treffen zu können.

Vielleicht, so meine Hoffnung, schenkt uns das tödliche Virus letztlich mehr Dankbarkeit für unser Leben.

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