Wolfgang Klinge (44) schließt Geschäft „Le Sac“ - Ist das Parkraumkonzept Schuld daran?

rnGeschäft Bonenstraße

Das Fachgeschäft für Taschen und Koffer, Le Sac an der Bonenstraße, muss schließen. Inhaber Wolfgang Klinge (44) nennt zwei Gründe für den drastischen Schritt.

Werne

, 01.08.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Jahre 1990 eröffnete Lederwaren Küper, Steinstraße, seine erste und einzige Filiale: Le Sac (französisch: die Tasche) an der Bonenstraße. „Unser Sortiment dort war immer etwas preisgünstiger als das am Stammsitz Steinstraße“, sagt Inhaber Wolfgang Klinge über die Ausrichtung der beiden Geschäfte.

Le Sac an der Bonenstraße schließt Ende Oktober

Doch seit Donnerstag, 1. August, ist das Geschäft an der Bonenstraße 29 mit knallgelben Räumungsverkauf-Schildern gepflastert. „Wir geben das Geschäft auf und machen bis Ende Oktober Räumungsverkauf“, so Klinge, der mit seiner Mutter Gabriele Klinge Inhaber der beiden Geschäfte ist.

Wolfgang Klinge (44) schließt Geschäft „Le Sac“ - Ist das Parkraumkonzept Schuld daran?

Mitarbeiterin Anika Bülau (46) baut alles für den Räumungsverkauf auf. Sie hat durch die Geschäftsaufgabe ihre Arbeit verloren. © Jörg Heckenkamp

Warum nach fast drei Jahrzehnten dieser drastische Schritt? „Da gibt es zwei Gründe“, sagt der 44-Jährige nach kurzem Nachdenken. „Der eine ist das Solebad. Wir hatten uns nach der Wiedereröffnung im April mehr Frequenz erhofft.“ Das sei für das Stammgeschäft an der Steinstraße nur in sehr geringem Maße eingetreten. „An der Bonenstraße haben wir gar keine positiven Effekte gespürt“, sagt Klinge.

Fatal: Die Schließung des Bades 2015 habe dagegen die Umsätze in den Keller rauschen lassen. „Rund 20 Prozent weniger mussten wir in beiden Geschäften verkraften.“ Wäre die Familie nicht Besitzer beider Immobilien, wäre ein Schließungsbeschluss wohl schon viel früher erfolgt.

Wolfgang Klinge (44) schließt Geschäft „Le Sac“ - Ist das Parkraumkonzept Schuld daran?

Inhaber Wolfgang Klinge bereitet den Abverkauf vor. © Jörg Heckenkamp

Und der zweite Grund? „Das Parkraum-Bewirtschaftungskonzept“, antwortet der Einzelhändler. Die Einführung des Parksystems mit drei kostenlosen Stunden auf Kurt-Schumacher-Platz und Hagen vor etlichen Jahren habe negative Konsequenzen für den Einzelhandel. „Wer vorher seine Parkzeit durch einen Ticketkauf festlegen muss, hat eine zeitliche Begrenzung für seinen Aufenthalt.“

Parksystem hält die Kunden nicht lange genug in der Stadt

Er habe für eine Park-Flatrate geworben: Der Besucher zahlt zwei Euro, kann den ganzen Tag seinen Pkw stehen lassen und sich das Geld beim Einkauf in beteiligten Geschäften erstatten lassen. Klinge: „Technisch wäre das möglich gewesen.“

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Entscheidend für Einzelhändler und Gastronomen in einer Innenstadt ist, so Klinge, nicht die Zahl der Besucher, sondern deren Verweildauer. Je länger ein Besucher durch eine schöne Stadt wie Werne schlendern kann, desto eher ist er bereit, noch etwas einzukaufen oder spontan in ein Restaurant einzukehren. „Unsere Nachbarstadt Hamm hat gerade so ein Flatrate-System eingeführt.“

Sortiment von Le Sac wandert zu Lederwaren Küper

Für Le Sac käme solch ein System zu spät. Die Inhaber mussten einer Teilzeit- und drei 450-Euro-Kräften kündigen. Ein Großteil der Marken wandert zum Stammgeschäft an der Steinstraße, „wo wir alles etwas komprimieren“, sagt Klinge, der derweil für die Räume an der Bonenstraße einen Mieter sucht.

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