Die Kamera hat er immer im Gepäck: Dustin Grewe (17) aus Werne ist Youtuber und filmt sein Leben. Doch das neue Urheberrecht stellt ihn vor Probleme – auch beim Filmen auf Sim-Jü.

Werne

, 06.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Kamera nah an sein Gesicht gepresst, steht Dustin Grewe (17) für einen kurzen Augenblick regungslos dar. Während sich alles um ihn herum weiter bewegt, steht für ihn die Welt für eine Sekunde still. Er beobachtet die Welt durch seine Kamera – und teilt seine Eindrücke mit seinen Fans auf Youtube.

„Ich liebe es, zu filmen, was ich erlebe. Es macht mir unglaublichen Spaß“, sagt Grewe. Auf Youtube teilt er seit 2014 Ausschnitte seines Lebens: Mal als Collage zu Sim-Jü, mal in seinem Urlaub und ein anderes Mal beim Kauf neuer Schlittschuhe. Immer selbst gefilmt und geschnitten.


Sechs bis zehn Minuten dauern die Videos, die er unter seinem Künstlernamen Vektorlen veröffentlicht. „Am Anfang habe ich vier bis fünf Stunden gebraucht, um ein Video zu schneiden“, sagt Grewe. Mittlerweile kennt er die Handgriffe, weiß genau, was zu tun ist, und kann das Video nach zwei Stunden hochladen.

„Angefangen hat alles 2011“, so Grewe. Damals noch mit einem anderen Kanal und sogenannten Let‘s Plays. Videos also, in denen er zeigt, wie er ein Videospiel spielt und das kommentiert. „Das wurde mir aber irgendwann zu langweilig. Also hab ich mit meinem Lifestyle-Kanal begonnen.“

Tausende schauen Grewes Videos bei Youtube

Fast 600 Menschen haben seinen Kanal bei Youtube abonniert, sind also seine Fans. Seine Videos schauen sogar noch mehr Leute. 6500 Aufrufe hat sein erfolgreichstes Video. Das führt so weit, dass er sogar das ein oder andere Mal in der Werner Innenstadt erkannt wurde.

Doch in Zukunft könnte sich das Filmen für den Werner schwieriger gestalten als bislang. Schuld ist die umstrittene Reform des EU-Urheberrechts. Der Artikel will den Betreibern von Plattformen, die mit nutzergenerierten Inhalten Geld verdienen, zukünftig die Verantwortung für Urheberrechtsverletzungen übertragen.

Jetzt lesen

Plattformen wie Youtube müssen dann dafür sorgen, dass geschützte Inhalte auf ihren Portalen nicht mehr gelistet sind, wenn die Rechteinhaber nicht ihre Zustimmung gegeben haben.

Weil Provider aber einerseits für Urheberrechtsverletzungen haften, andererseits beim irrtümlichen Blockieren von Inhalten nicht mit Konsequenzen rechnen müssen, befürchten die Kritiker massenhaftes Blockieren von eigentlich legitim hochgeladenen Inhalten.

Probleme beim Filmen auf Sim-Jü

„Ich glaube, gerade kleinere, unbekanntere Youtuber werden dadurch Probleme bekommen“, sagt Grewe. Geht man beispielsweise über Sim-Jü und hat ein paar Sekunden Musik der Stände drauf, die man nicht lizenziert hat, gibt es Probleme.

„Besonders, wenn Nachrichten-Youtuber Inhalte einbetten, kann es Probleme geben.“ Wie groß der Aufwand der Kontrolle sei, glaubt Grewe, könne man noch gar nicht abschätzen.

Für Youtuber und Netzaktivisten steht nicht weniger als das freie Internet auf dem Spiel: Denn wenn es so einfach ist, Inhalte sperren zu lassen, warum sollten Regierungen und Unternehmen das nicht zu ihren Gunsten ausnutzen? Ihnen fehlt eine demokratische Möglichkeit für Bürger, den Uploadfilter zu kontrollieren.


Den Spaß am Filmen möchte sich Grewe trotzdem nicht nehmen lassen. Er holt gerade seinen Realschulabschluss am Berufskolleg nach und möchte anschließend eine Ausbildung als Mediengestalter Bild und Ton machen.

„Das wäre ein Traum“, sagt Grewe. Bis es so weit ist, zückt Grewe privat seine Kamera und hält sein Leben fest – wenn Youtube ihm keinen Strich durch die Rechnung macht.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt