Werner Zuhälter: „Ich habe sie körperlich misshandelt und mit einem Gürtel geschlagen“

Landgericht Dortmund

Mit einem Geständnis ist der Prozess gegen einen Zuhälter aus Werne fortgesetzt worden. Die Summen, die der Angeklagte den Prostituierten abgenommen hat, sind schwindelerregend.

Werne/Dortmund

, 15.05.2019, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Werner Zuhälter: „Ich habe sie körperlich misshandelt und mit einem Gürtel geschlagen“

Der 32-jährige angeklagte Zuhälter aus Werne gestand am zweiten Verhandlungstag unter anderem die körperliche Misshandlung von Prostituierten. © Symbolbild picture alliance / dpa

Erst war es angeblich Liebe, dann wurde es brutal und gemein. Ein Familienvater aus Werne hat am Mittwoch, 15. Mai, vor Gericht zugegeben, jahrelang zwei Ex-Freundinnen zur Prostitution gezwungen zu haben. Dabei will er den Frauen – und mit einer List auch einem Freier – rund 235.000 Euro abgenommen haben.

Was die Frauen durchmachen mussten, muss ein Martyrium gewesen sein. „Ich habe sie körperlich misshandelt und auch mit einem Gürtel geschlagen“, hieß es in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung.

Es sei auch von Anfang an geplant gewesen, dass sie den überwiegenden Anteil ihrer Einnahmen abgeben müssten – rund 60 bis 70 Prozent. „Ich beließ ihnen nur einen geringen Teil, damit sie in wirtschaftlicher Abhängigkeit zu mir blieben.“

Er habe die Frauen auch überwacht und die Clubs ausgesucht. „Ich bestimmte, wo sie arbeiteten.“

Zuneigung gnadenlos ausgenutzt: Aus Liebe wurde Angst

Begonnen hatte angeblich alles ganz klassisch. Die Frauen hatten sich in ihn verliebt, er ging darauf ein, nutzte sie später gnadenlos aus. „Ich schlug ihnen vor, der Prostitution nachzugehen", hieß es in der Erklärung des Werners. Und zwar, um ihm zu helfen. Weil er sich angeblich in einer schwierigen finanziellen Lage befand.

„Anfangs nutzte ich ihre Zuneigung aus, dann begann ich sie zu schlagen, wenn ich mit ihren Einnahmen nicht zufrieden war.“ Die anfängliche Liebe war zu diesem Zeitpunkt längst großer Angst gewichen - was er natürlich auch gewusst habe.

Nur einmal hatte er eine der Frauen aus ihrem täglichen Club-Dasein entlassen. Das war, als sich ein Freier offenbar in sie verliebte und aus Mitleid finanziell unterstützte. Doch auch dieses Geld ist beim Angeklagten gelandet. „Ich beabsichtigte von Anfang an, mit dem Geld meinen Lebensunterhalt zu gestalten", so der 32-Jährige.

Angeklagter kam als Kriegsflüchtling nach Deutschland

Rund 60.000 Euro, so schätzt er, sind allein von diesem Mann in seine eigene Tasche geflossen. Den beiden Frauen will er zusätzlich rund 175.000 Euro abgenommen haben.

Der Angeklagte war als Zweijähriger mit seiner Familie als Kriegsflüchtling aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen. Er verließ die Hauptschule ohne Abschluss. Arbeiten konnte er anfangs nicht - trotz mehrerer Angebote. Weil er dazu als Flüchtling keine Erlaubnis hatte. Das änderte sich erst 2006. Damals hat er nicht nur geheiratet, sondern auch sein Leben als Zuhälter begonnen.

Im Prozess erwartet ihn nun eine Haftstrafe von maximal fünf Jahren. Das hatten die Richter im Falle eines umfassenden Geständnisses bereits zugesagt.

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