Zwar in Werne: Der schwierige Spagat zwischen zwanglos und verbindlich

rnZwar-Projekt

Neun Monate nach Gründung ist die Zwar-Organisation selbstständig geworden. Ab sofort organisieren sich die 25 Gruppen in Eigenregie. Für einen der sechs neuen Sprecher ragt ein Thema heraus.

Werne

, 10.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rolf-Peter Kaufmann (73) ist von Anfang an dabei. Seit der Gründung der Zwar-Organisation im März 2019, als die Aula der Marga-Spiegel-Schule den unverhofften Andrang der Interessenten kaum fassen konnte. Zwar (Zwischen Arbeit und Ruhestand) nahm mit intensiver Begleitung der Stadt die Arbeit auf. Zum Ende des Jahres ändert sich nun die Organisation.

Zwar-Mitglieder organisieren sich jetzt selbst

Wie zuvor geplant, ziehen sich die beiden Zwar-Begleiter der Stadtverwaltung, Jochen Höinghaus und Lea Stattmann, weitestgehend zurück. „Wir organisieren uns jetzt selbst“, sagt Rolf-Peter Kaufmann. Er ist einer von sechs neu gewählten Sprechern, die die 25 Gruppen mit rund 250 Mitgliedern organisieren und zusammenhalten sollen.

Zwar in Werne: Der schwierige Spagat zwischen zwanglos und verbindlich

Rolf-Peter Kaufmann (2. v. l.) ist einer von sechs neuen Sprechern der rund 250 Werner Zwar-Mitgliedern. © Jörg Heckenkamp

Dazu soll es nun einmal im Monat (bisher jeden zweiten Montag) ein sogenanntes Basisgruppen-Treffen geben. Dazu kommen die Sprecher der Gruppen ab Januar 2020 jeden ersten Montag im Monat um 18.30 Uhr in der Cafeteria des Stadthauses zusammen. Diese Treffen sind auch erster Anlaufpunkt für neue Interessenten. „Einfach dazukommen“, wirbt Rolf-Peter Kaufmann.

Und auch Jochen Höinghaus stellt diese Abende als besten Ankerpunkt für neue Interessenten dar. „Demnächst soll es aber auch eine Internet-Präsenz geben, über die man sich informieren kann“, sagt Höinghaus. Dieses Netz-Projekt erstellt natürlich eine Zwar-Gruppe.

Zwar in Werne: Der schwierige Spagat zwischen zwanglos und verbindlich

Klaus Wortmann (M.) überreichte im Namen aller Zwar-Mitglieder Präsente an die bisherigen städtischen Koordinatoren Lea Stattmann und Jochen Höinghaus. © Jörg Heckenkamp

Das Besondere an Zwar: „Es ist kein Verein mit festen Strukturen“, sagt Jochen Höinghaus. Das Ganze möglichst unbürokratisch, ohne Vereinssatzung oder Pöstchen. Dennoch bedarf es eines gewissen Rahmens, damit die Gruppen ans Laufen kommen und am Laufen bleiben. Was bisher Höinghaus und Co. übernommen haben, muss nun der Sprecherrat leisten.

Das hohe Maß an Zwanglosigkeit hat aber auch seine Schattenseiten, wie Rolf-Peter Kaufmann gemerkt hat. „Man braucht schon eine gewisse Zuverlässigkeit“, sagt der 73-Jährige. Wenn man beispielsweise nach einer Wandertour noch eine Einkehr plane, müsse man dem Wirt in der Regel eine Personenanzahl angeben. „Und dann einfach nicht zu kommen, das wäre schlecht.“

Zwar in Werne: Der schwierige Spagat zwischen zwanglos und verbindlich

Mit mehr als 60 Teilnehmern war das vorweihnachtliche Zwar-Treffen am Montagabend in der Cafeteria des Stadthauses gut besucht. © Jörg Heckenkamp

Weiteres Thema für Kaufmann, der gemeinsam mit Ehefrau Jutta in verschiedenen Gruppen aktiv ist: persönliche Kontakte. „Viele Teilnehmer treffen sich nur auf den Gruppenabenden.“ Das Ehepaar Kaufmann fände es aber wünschenswert, wenn daraus vermehrt private Kontakte untereinander entstehen würden. „Das Thema werde ich beim nächsten Basisgruppentreffen anbringen“, sagt Kaufmann.

Das letzte Treffen in alter Organisationsstruktur fand am Montagabend, 9. Dezember 2019, in der Cafeteria des Stadthauses als kleine Abschlussfeier statt. In einer kurzen Rede gab Bürgermeister Lothar Christ zu Beginn zu, „dass ich etwas skeptisch war“, als zwei Jahre zuvor die Idee zu einer Zwar-Gründung in der Lippestadt aufkam.

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Spätestens im März 2019 wurde das Stadtoberhaupt eines Besseren belehrt, als die Auftakt-Veranstaltung in der Marga-Spiegel-Sekundarschule fast den Rahmen sprengte. Da war klar: Der Bedarf für Zwar ist riesig.

Mithilfe der vor vier Jahrzehnten in Dortmund gegründeten Zwar-Hauptstelle bekam das Projekt Struktur. Die Interessenten organisierten sich in verschiedenen Interessengruppen. Wandern oder Boulen, Nähen oder Doppelkopf, Wandern oder Fahrradfahren. Das Ganze in locker Form, ohne Zwang, oft organisiert über Whatsapp-Gruppen.

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250 Menschen in 25 Gruppen, die sich dynamisch entwickeln. Jochen Höinghaus erntete Montagabend viel Applaus, als er sagte: „Es wird Gemeinschaft gelebt. Zwar geht weiter.“

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